Hechingen/Bisingen HEIMISCHE WIRTSCHAFT

Hechingen/Bisingen / SWP 06.04.2013

Private Energiewende

Der Hechinger Solarstrom-Experte Techmaster schafft in einem Privathaus eine nach eigenen Angaben "geradezu sensationelle Energiebilanz": Zum einen bringe die Einspeisung von selbst produziertem Solarstrom dem Hausbesitzer eine ansehnliche Rendite. Andererseits spare er durch das von Techmaster realisierte Rundum-Paket so viel, dass er Haus und Familie unterm Strich zum Nulltarif mit Energie versorgt - und sogar noch Geld gut mache, sämtliche Investitionskosten eingerechnet.

Begonnen hat das "Umkrempeln" Ende 2009. Damals installierte Techmaster eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hauses: 99 Quadratmeter Solarmodulfläche, mit 30 Grad Neigungswinkel nach Süden ausgerichtet und einer nominellen Leistung von 14,1 Kilowattpeak (kWp). Und deren Erträge sind es, die das Herz des Hausbesitzers höher schlagen lassen: Innerhalb von zwei Jahren lieferte die Anlage stolze 36 815 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom, das sind pro Jahr 18 407 kWh.

Doch auch Techmaster-Vertriebsleiter Christoph Hahn - er hat als Betriebswirt die kaufmännischen Aspekte im Blick - ist über diese Zahlen hoch erfreut: "Mit diesen Ergebnissen liegen wir weit über dem Branchendurchschnitt. Denn wir haben pro installiertem Kilowattpeak mehr als 1300 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr erzeugt. Der Durchschnitt liegt in Deutschland deutlich unter 1100 Kilowattstunden pro Kilowattpeak."

Der Bisinger Eigenheimbesitzer hat in den vergangenen Jahren im Monatsdurchschnitt rund 335 Kilowattstunden Strom aus dem Netz bezogen. Zugleich hat er im Durchschnitt pro Monat mehr als 1500 Kilowattstunden Solarstrom ins Netz eingespeist - also etwa das Viereinhalbfache seines Verbrauchs. Dabei lag nicht nur die Menge, sondern auch der Preis für den eingespeisten Strom höher als für den eingekauften. Im Herbst 2012 optimierte Techmaster das System in Richtung Eigenverbrauch. "Der Produktion von Solarstrom zum Eigenverbrauch gehört die Zukunft", erklärt Volker Pfister, Diplom-Ingenieur und Techmaster-Geschäftsführer. Die Lösung in Bisingen: Seit einigen Monaten geht der auf dem Dach erzeugte Solarstrom zunächst direkt ins Hausnetz, wird also sofort vor Ort genutzt. Produziert die Solaranlage mehr Strom als gerade verbraucht wird, fließt dieser automatisch ins Netz.

Erst wenn der Solarstrom den Verbrauch im Haus nicht decken kann - an trüben Tagen oder nachts etwa -, wird Strom aus dem Netz bezogen. Alexander Higi, Elektromeister und ebenfalls Geschäftsführer bei Techmaster: "Das Ganze läuft vollautomatisch über ein entsprechendes Messkonzept."

Nächster Optimierungsschritt war die Umstellung der Warmwasser-Aufbereitung von Heizöl auf Strom. Volker Pfister: "Dafür setzen wir eine Warmwasser-Wärmepumpe ein, die braucht nur rund 0,4 kW Strom, um 1,6 kW Heizenergie zu erzeugen. Diesen guten Wirkungsgrad machen wir uns hier zunutze." Das Strommanagement-System steuert die Pumpe so, dass sie in der Regel mit Solarstrom vom Dach läuft. Reicht der Solarertrag nicht aus, kommt der Strom aus dem Netz. "Aber das ist nach unseren Erfahrungen nur etwa an 15 bis maximal 30 Tagen im Jahr der Fall."

Verbessert haben die schwäbischen Tüftler vor kurzem auch die Visualisierung von Stromverbrauch, Netzbezug und PV-Ertrag. Sie zeigt jetzt auf einen Blick, wie viel Strom vom Dach kommt, was davon im Haushalt verbraucht wird, wie viel aus dem Netz bezogen und wie viel eingespeist wird. Diese von Techmaster entwickelte Anwendung gibt es übrigens auch als App für Android-Smartphones. "Damit kann man sogar vom Urlaub aus die aktuellen Energiedaten zuhause überprüfen."

Optimiert wurde zudem die Beleuchtung im Haus optimiert wurde, sie wurde komplett auf LED umgestellt und bedarfsgerecht eingerichtet. Das heißt, die Lichtquellen sind mit Bewegungsmeldern und Beleuchtungsstärke-Messern gekoppelt. Die Bewegungsmelder schalten das Licht je nach Bedarf automatisch ein und aus - allerdings nur, wenn die Lichtverhältnisse das erfordern. Dafür wiederum sorgen die Beleuchtungsstärke-Messer. " Natürlich kann man die Empfindlichkeit beider Systeme individuell einstellen. Sicher ist jedenfalls, dass man damit Energie spart."

Als weitere Maßnahme zur Optimierung seiner Energiekosten hat Techmaster für seinen Kunden ausgerechnet, welches der für ihn günstigste Stromanbieter ist, und ihn beim Anbieterwechsel unterstützt. Im Sommer soll voraussichtlich eine Heizungswärmepumpe installiert und die Wärmedämmung des Gebäudes verbessert werden. Das bringt weitere Einsparungen. Für das dritte Quartal dieses Jahres ist die Installation eines Solarstromspeicher-Systems geplant. Dafür gibt es jetzt eine staatlichen Förderung.

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