Manche von ihnen sind imposant und groß, wie etwa der Marktplatzbrunnen oder das Kriegerdenkmal hinter der Stiftskirche, die das Stadtbild prägen. Andere dagegen erfordern genaueres Hinsehen, etwa ein auf den ersten Blick unscheinbar wirkender Kilometerstein am Wegesrand oder eine historische Inschrift an der Hauswand in der Synagogenstraße. Insgesamt gibt es in Hechingen rund 120 Kleindenkmale, die untrennbar mit ihrem jeweiligen Platz verbunden sind und einen wichtigen Beitrag zur regionalen Identität leisten.

Sie alle sind es wert, entdeckt zu werden, denn ihnen allen ist gemeinsam, dass sie Zeugen der bewegten Geschichte sind, die die Zollernstadt in den vergangenen Jahrhunderten geprägt hat. Könnten die steinernen, hölzernen oder metallenen Kleinodien sprechen – sie hätten ganz gewiss eine Menge zu erzählen. Mehr über sie erfahren wollte am Sonntag eine große Gruppe historisch Interessierter, die sich auf Einladung der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb an einer mehrstündigen Exkursion beteiligten, die zu einigen der interessantesten und bedeutendsten Hechinger Kleindenkmale führte.

Herausgeber und Führer

Die Leitung hatte Helmut Lorenz, der erst vor kurzem gemeinsam mit Kreisarchivar Dr. Andreas Zekorn das Buch „Schätze am Wegesrand – Kleindenkmale im Zollernalbkreis“ herausgegeben hat. Hervorgegangen ist dieses Werk aus einem kreisweiten Gemeinschaftsprojekt, an dem zahlreiche Ehrenamtliche beteiligt waren, die 3392 Kleindenkmale erfasst und dokumentiert haben. In Hechingen wurde diese Aufgabe von Rose Hauser und Ruthild Mangler übernommen. „Dafür gebührt ihnen großer Dank“, betonte Helmut Lorenz. Lorenz selbst lebt zwar in Frommern, kennt sich in Hechingen aber bestens aus, war er doch beruflich viele Jahre im Staatlichen Vermessungsamt in der Zollernstadt tätig.

Erste Station der Exkursion war die Stauffenberg-Gedenkstätte, die sich nahe des Stauffenburger Hofs im Gewann Schlössle befindet, wo einst die Stammburg der Schenken von Stauffenberg stand. Dorthin zu gelangen erwies sich für die Gruppe allerdings als nicht ganz einfach. Ein umgesägter Baum versperrte den Weg, sodass die Teilnehmer eine kleine Kletterpartie wagen mussten. „Das war ganz schön abenteuerlich“, nahmen sie es mit Humor. Das zeige schließlich: Man muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um etwas zu erleben, auch eine Expedition in heimatliche Gefilde kann so manches kleine Abenteuer mit sich bringen.

Aus dem Wald in die Stadt

Auch die hochsommerlichen Temperaturen taten dem Interesse an den historischen Gegebenheiten keinen Abbruch. Aufmerksam lauschten die Teilnehmer den Ausführungen von Helmut Lorenz, der ihnen die Geschichte derer von Stauffenberg und ihres Denkmals näherbrachte, bevor sich die Gruppe im zweiten Teil der Exkursion von der reizvollen Waldlandschaft mitten ins Herz der Stadt Hechingen begab. Dort erzählen zahlreiche Kleindenkmale von glanzvollen Zeiten am einstigen Fürstenhof, von Volksfrömmigkeit und den Städtepartnerschaften, aber auch von den Kriegen, der Judenverfolgung und Gerichtsprozessen – kurz: von guten wie von schlechten Zeiten.

Den Hechingern unter den Exkursionsteilnehmern dürften sie bestens bekannt sein, die Kleindenkmale der Ober- und Unterstadt – etwa die Büste der Fürstin Eugenie in der Heiligkreuzstraße, die Stahlbänder mit einem Auszug aus Hölderlins Werk „Hyperions Schicksalslied“ vor der Alten Synagoge, der Stadtbrunnen oder der Untere Turm. Für auswärtige Besucher stellen sie spannende Objekte dar, die so manche Frage aufwerfen. Helmut Lorenz stand gerne Rede und Antwort, wusste Spannendes über die Denkmale zu berichten und hatte auch so manche Anekdote aus der Stadtgeschichte auf Lager. Mit dazu gesellte sich die Erkenntnis, dass Kleindenkmale unbedingt gehegt und gepflegt werden müssen, um sie als unersetzliche Zeugen der Geschichte für die Nachwelt zu erhalten.

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450 ausgewählte Kleindenkmale im Buch


Empfehlenswert Es ist ein inhaltsschweres Buch, das immer wieder zum Blättern, Lesen und Staunen animiert: Helmut Lorenz und Andreas Zekorn haben als Herausgeber dafür gesorgt, dass immerhin 450 der Kleindenkmale im Zollernalbkreis in Buchform besonders gewürdigt werden. Die 348 Seiten starke Veröffentlichung, an der zahlreiche Heimatkundler mitgearbeitet haben, ist penibel recherchiert und optisch hervorragend aufgemacht. Zu haben ist das lohnenswerte Stück Heimatgeschichte, das im Verlag Thorbecke erschienen ist, für 20 Euro im Buchhandel. kle