Stadtführung Hechinger Stiftungen tun sich schwer

Hechingen / Michael Hakenmüller 09.11.2016

Um Stiftungen in der Hechinger Stadtgeschichte ging es in der jüngsten öffentlichen Stadtführung. Dabei stellte Stadtführer Michael Hakenmüller – dessen Vorfahren selbst Stiftungsgut hinterließen – immer wieder die Frage, warum es den gesetzlich wie treuhändisch beauftragten staatlichen Verwaltern über Jahrhunderte immer wieder sehr schwer gefallen ist, den Auftrag der Stifter finanziell abzusichern und zu retten.

Umso staunender könne man etwa nach Würzburg schauen, wo eine „Bürgerstiftung“ bereits seit 700 Jahren erfolgreich allen Wandel der Zeiten überstanden habe. In der Zollernstadt hätten dagegen nur diejenigen Stiftungen überlebt (Eitel-Friedrich, St. Elisabeth, Kinderhaus Fürstin Eugenie), welche ihr Vermögen nicht überwiegend in Wertpapieren angelegt, sondern in den bereits durch die Stifter wie Zustifter vermachten Liegenschaften, Grundstücken und Immobilien belassen hätten. Während andere – sogar jene durch die Fürstin Eugenie auf florentinische, also hochwertigste Gulden abgesicherte – auf weitgehend mysteriöse Weise an Kapital verloren. „Warum“, fragte Hakenmüller, „behielten sie dieses inflationssichere und bis heute als Zahlungsmittel gültige Gold nicht zurück?“

„Auf ewige Zeiten“

Solange in den Stiftsgebäuden, wie dem Eugenienstift oder dem Kinderhaus, wie von der Stifterin Eugenie „auf ewige Zeiten“ bestimmte Schwestern des Ordens der Vinzentinerinnen für Gotteslohn gewirkt haben, sei das mit rund fünf Prozent verzinste Stiftungsgeld über 150 Jahre lang ausreichend gewesen. Doch nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 haben die dadurch erhöhten Kosten des allgemeinen Gesundheitswesens und der Krankenkassen das Ende beschleunigt.

Die von der Stadtverwaltung vor allem genannte Begründung für den Niedergang sei, dass die beiden Währungsreformen von 1923 und 1948 in Deutschland das Stiftungskapital der meist kleineren Stiftungen in Hechingen aufgezehrt hätten. Für das Jahr 1906 hatte die Eglersche Stadtchronik immerhin 40 aufgelistet.

Demgegenüber, so Hakenmüller, sei jedoch auffällig, dass vor allem Stiftungen jüdischer Bürger und auch die des in die USA ausgewanderten Fred West in den 1930er-Jahren unter dem damaligen Hechinger Bürgermeister und rührigen NSDAP-Mitglied Paul Bindereif wohl nie in vollem Umfang in der Zollernstadt angekommen seien. Wobei freilich auch die USA schon Argwohn gehegt hätten, dass die aufsteigenden und seit 1933 dann tatsächlich herrschenden Nationalsozialisten auf die Vermögen zugreifen
würden.

Dadurch hätten die nachfolgenden Stadtverwaltungen oder auch Landratsämter in Zeiten der Bundesrepublik bis heute vermehrt öffentliche Gelder zur Aufrechterhaltung einst adliger oder kirchlicher Stiftungen stecken müssen. Sie würden sich deshalb wohl auch legitimiert sehen, wie in der Zollernstadt noch bestehende Guthaben aus alten Realschul- und Stipendien-Fonds aufzulösen und in den allgemeinen städtischen Haushalt zu inte­grieren.

40

Stiftungen gab es anno 1906 laut
Eglerscher Stadtchronik in Hechingen. Nur ganz wenige (die auf Immobilienbesitz basieren) haben das 20. Jahrhundert überlebt.

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