Landgericht Hechinger Mordprozess: Die Spurenlage im Blick

Um die am Tatort an der Hechinger Staig gefundenen Spuren geht es unter anderem am achten Tag des Hechinger Mordprozesses.
Um die am Tatort an der Hechinger Staig gefundenen Spuren geht es unter anderem am achten Tag des Hechinger Mordprozesses. © Foto: Archiv/Hardy Kromer
Hechingen / Hardy Kromer 30.07.2017

Nachdem die Große Jugendkammer im Hechinger Mordprozess am vergangenen Mittwoch das Umfeld des Opfers Umut K. näher beleuchtet hatte, rücken am achten Verhandlungstag am Montag die Angeklagten wieder mehr ins Blickfeld.

In den Zeugenstand treten ab 9 Uhr zunächst ein Arbeitskollege und dann der Chef des 22-jährigen Fabrikarbeiters, der im Tatfahrzeug auf dem Beifahrersitz saß. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Italiener aus dem oberen Killertal, den tödlichen Schuss an der Hechinger Staig abgegeben zu haben. Er selbst bestreitet das und beschuldigt seinen Mitangeklagten, der den roten Fiat Punto steuerte. Am Abend des 1. Dezember 2016, kurze Zeit nach der Tat, hatte der 22-Jährige seine Nachtschicht in dem Bodelshausener Betrieb angetreten, in dem er damals arbeitete. Sein Kollege und sein Chef werden wohl darüber befragt, wie sie den jungen Mann allgemein und möglicherweise am Abend des 1. Dezember erlebt haben.

Rätselhafter Zahnarzttermin

Eher die Stunden vor der Tat dürften von Interesse sein, wenn anschließend der Chef und der Bruder des zweiten Angeklagten gehört werden. Denn der 21-jährige Zimmermann aus Burladingen war am 1. Dezember 2016 früher als üblich von der Arbeit nach Hause gegangen – angeblich weil er einen Zahnarzttermin hatte. Einen Dentisten hatte er jedoch nicht aufgesucht. Stattdessen war er mit seinem Kumpel und entfernten Verwandten, der hinter ihm auf der Anklagebank sitzt, nach Hechingen gefahren, wo sich dann das tödliche Drama entwickelte. Was das Gericht interessieren dürfte: Hatte sich der junge Italiener schon in der Absicht früher aus dem Betrieb verabschiedet, zusammen mit seinem Komplizen nach Hechingen zu fahren, um 5000 Euro an Drogenschulden einzutreiben? Oder war er – wie er selbst behauptet – an dem Marihuana-Geschäft gar nicht direkt beteiligt und nur als Fahrer und eher unfreiwilliger Begleiter seines Freundes in das fatale Geschehen hineingetragen?

Aufschluss darüber, wer von beiden Hauptangeklagten nun tatsächlich geschossen hat, könnten die Spuren geben, mit denen sich das Gericht im weiteren Verlauf des Tages beschäftigt. Spurensicherungsbeamte der Kripo berichten, was sie am Tatort, im Tatfahrzeug und in den Wohnungen der Angeklagten gefunden haben. Um Haaranalysen geht es dann in der Anhörung eines Sachverständigen.