Innenstadt Hechinger Einzelhandel gegen Tiefgarage

Die Führungsspitze des Hechinger Stadtmarketingvereins hat am Freitag die Ergebnisse ihrer Blitzumfrage zur Innenstadtbelebung präsentiert. Von links: Koordinator Sigfried Wischke, Vorsitzender Martin Keidel und dessen Stellvertreter Herbert Lindner.
Die Führungsspitze des Hechinger Stadtmarketingvereins hat am Freitag die Ergebnisse ihrer Blitzumfrage zur Innenstadtbelebung präsentiert. Von links: Koordinator Sigfried Wischke, Vorsitzender Martin Keidel und dessen Stellvertreter Herbert Lindner. © Foto: privat
Ernst Klett 08.07.2017

Ist nach dem Wegfall der „Schäfer-Projekte“ HZ und Rathaus-Apotheke das Tiefgaragenprojekt noch sinnvoll? Könnten Sie sich in näherer Zukunft und mit einem sinnvollen Konzept eine Fußgängerzone auf dem Marktplatz vorstellen? Diese beiden gewichtigen Innenstadt-Themen hat der Stadtmarketingverein Hechingen seinen Mitgliedern zur Entscheidung präsentiert. Es war, wie am Samstag berichtet, eine Blitzumfrage: Lanciert am Donnerstagabend vergangener Woche, und antworten konnte man bis diesen Mittwoch.

Trotz aller Kurzfristigkeit: Mitgemacht haben sehr viele der 160 Mitglieder, und die Stadtmarketing-Führung sieht ein klares Ergebnis. Das sieht so aus: 71 Mal wurde die Frage nach dem Sinn der Tiefgarage beantwortet; 18 Mitglieder wollen das Projekt noch haben, 53 aber sehen es lieber gestrichen. Insgesamt 73 Stimmen gibt es zum Marktplatz mit oder ohne Fußgängerzone. 55 Mitglieder wollen die Autos draußen haben, 18 nicht. Also sehr eindeutig: Weg mit der Tiefgarage, her mit der Fußgängerzone.

Martin Keidel, der Stadtmarketing-Vorsitzende, hat genau dies erwartet. „In vielen Gesprächen ist deutlich geworden, dass die Zustimmung für die Tiefgarage in unseren Reihen bröckelt“, sagte der Fotografenmeister vom Kirchplatz am Freitagmorgen in einem Pressegespräch. Weil es weiterhin aber auch andere Stimmen gibt, wollte der Stadtbelebungsverein bei diesem „extrem wichtigen Thema für unsere Stadt“ (Keidel) ein Stimmungsbild.

Das wird nun dem Gemeinderat und der Stadt präsentiert. Die Eile, die bislang bei der Umfrage geboten war, hat sich indes erübrigt: Anders als geplant, hat der Gemeinderat bereits am Donnerstagabend in nicht öffentlicher Runde sein Votum über den möglichen gerichtlichen Vergleich im Tiefgaragen-Streit gefällt. Dies war bislang für den 20. Juli geplant gewesen. Von Gewicht dürfte das Umfrageergebnis trotzdem sein. Denn der Gemeinderatsbeschluss zum Bau der umstrittenen Parkplätze unterm Obertorplatz besteht nach vor, und die Hängepartie dürfte weitergehen.

Aber genau dem will der Stadtmarketingverein nun endlich ein Ende setzen: Es soll was gehen in der Innenstadt, sonst drohen noch mehr Leerstände, formulierte Sigfried Wischke beim Pressegespräch. Der Mann, der seit etlichen Monaten als Koordinator neben Martin Keidel und dessen Vize Herbert Lindner im Verein am Ruder steht, sorgt als von außen Kommender weiterhin für viel frischen Wind und neue Zuversicht. Die Lethargie, die man hier und da in der Zollernstadt feststelle, kann Wischke nicht nachvollziehen: Es gehe sehr wohl etwas in Hechingen, wie allein der Freitagabendmarkt zeige, und man müsse halt „Visionen entwickeln, die klappen“. Weiterhin bedauert der pensionierte Stadtplaner, dass die Ergebnisse des „Kleinstadtleben“-Projekts auf Eis liegen.

Martin Keidel geht noch weiter und fordert ein Konzept für die Stadt unter der Überschrift „Hechingen 2025“ – wie soll die Stadt dann ausschauen, wie will man da hinkommen? Für den Geschäftsmann ist klar: „Hechingen als Megaeinkaufsstadt, das ist Wunschdenken.“ Zur Erinnerung: Die „Schäferprojekte“ sahen ein Kaufhauszentrum auf dem HZ-Areal am Obertorplatz und ein Geschäftshaus mit Ladenflächen im Gebäude Marktplatz 3, der früheren Rathaus-Apotheke, vor.

Kommunalpolitisch weiterhin voll neutral

Zur politischen Kraft wird der Stadtmarketingverein nicht werden. Das hat dessen Vorsitzender Martin Keidel ganz deutlich unterstrichen. Es gibt aber ein Aber: Bei Themen, die für die Vereinsmitglieder wichtig sind, wird man sich wie jetzt bei der Tiefgarage zu Wort melden.

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