Wir nehmen alles mit: Das war die Botschaft von Stadtbaumeisterin Helga Monauni an die rund 250 Hechinger, die sich am Montagabend zur Bürgermitwirkung über die Obertorplatz-Neugestaltung in der Stadthalle „Museum“ versammelt hatten. Gemäß diesem Motto wurde jedes Plakat, das an einer Stellwand wild vollgekritzelt worden war, digital abgeknipst und analog eingepackt – egal ob es nun ein Gruppensprecher mit Struktur erläutert hatte oder ob es gänzlich unkommentiert geblieben war. Alles wurde an diesem Abend der vielen, kaum sortierten Meinungen eingetütet und mit ins Rathaus genommen. Entscheiden muss letztlich ohnehin der Gemeinderat.

Ein paar Tendenzen wurden im Laufe des langen Abends freilich erkennbar. Wenig überraschend: Von den beiden „Basisvarianten“, die der von der Stadt beauftragte Obertorplatz-Planer Johann Senner gestern erstmals auch im dreidimensionalen Modell vorstellte, überzeugte die klassische, die auf historisch gewachsene Achsen Rücksicht nimmt, die halt doch sehr traditionsbewussten Hechinger weitaus mehr. Kaum Fürsprecher fand die moderne Variante mit den geschwungenen „Landart“-Elementen. Nein, bolzgerade soll der Wasserlauf sein, der über den Platz geführt wird, und symmetrisch aufgereiht die Bäumchen links und rechts davon.

Die „D 6“ genannte Variante kristallisierte sich also als klarer Favorit heraus. Und genau dieses Stimmungsbild wertete Senner in seinem Fazit nach fast drei Stunden denn auch als den „großen Erfolg des Abends“. Was er und die Stadtbaumeisterin auch „mitnahmen“, war der mehrfach geäußerte Bürgerwunsch nach einem doch nicht völlig parkplatzfreien Obertorplatz. Senner will noch einmal darüber nachdenken, ob die Verkehrsführung so „optimiert“ werden kann, dass an der Einmündung der Frauengartenstraße im Bereich der Praxis Gfrörer doch noch ein paar Stellplätze geschaffen werden können. Die Stadtverwaltung hatte dies ursprünglich vorgeschlagen, der Gemeinderat aber abgelehnt.

Für Senner deutlich erkennbar war auch der in den bürgerschaftlichen Gruppen erarbeitete Wunsch, den neuen Obertorplatz nicht zu kleinteilig zu gestaltet. So hatte zum Beispiel Jörg Müller als einer der Gruppensprecher vor einer „Verzettelung“ gewarnt. Es müsse doch zumindest genug Freiraum bleiben, dass auch der Wochenmarkt mal auf den Obertorplatz verlegt werden kann. „Nicht zerfleddern“, mahnte ähnlich auch Winfried Rullof. Der Platz brauche ein Zentrum, in dem vielfältige Veranstaltungen möglich sein sollen.

Kreisel wäre „Flächenfresser“

Deutlich wurde auch, dass keine zu scharfe Zäsur Richtung Stadtgarten geschaffen werden dürfe, weder gestalterisch noch ganz praktisch. Über einen Zebrastreifen sollte nachgedacht werden.

Kurz flammte auch die Diskussion neu auf, ob vor der Zollerschule nicht doch ein Kreisverkehr angelegt werden sollte. Johann Senner warnte jedoch davor. Ein Kreisel sei „ein Flächenfresser“.

Die nächsten Schritte in Sachen Obertorplatz


So geht’s weiter: Am 4. April soll der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen, den es braucht, weil die Straße über den Obertorplatz von der Ost- auf die Westseite verlagert wird. Im Juli, so die Hoffnung im Rathaus, soll der Plan dann als Satzung verabschiedet werden können.

Über die Gestaltung des Platzes soll der Gemeinderat am 23. Mai entscheiden. Nach dem Stimmungsbild aus der Bürgerschaft kommt wohl nur noch die klassische Variante D 6 in Frage. hy