Hechingen / Ernst Klett  Uhr
Ganz viele Neue in den Hechinger Stadtteil-Rathäusern! Die HZ spricht in der Sommerpause mit allen acht Ortsvorstehern.

Der Stadtteil mit den Römern hat es lange spannend gemacht: Wer wird Nachfolger von Ortsvorsteher Klaus Schetter, der schon nach einer Sitzungsperiode wieder aufgehört hat? Die Gerüchteküche wollte wissen, dass es schwierig werden würde. Zu groß war der Wechsel im Gremium mit gleich vier neuen Mitgliedern. Die drei Altgedienten hatten gleich abgewunken. Offenkundig mit guten Argumenten. Also stand fest, dass es einer der Benjamine machen muss. Die wiederum hatten ebenfalls gute Gründe. Vor allem diesen einen: Wir sind zu unerfahren!

Es wurde eine „größere Prozedur“, wie der neue Rathauschef durchblicken lässt. Weil partout niemand bereit war, hat schließlich Harald Kleindienst nachgegeben. Unter zwei Voraussetzungen täte er: Die Familie muss mitmachen, und es braucht zwei statt wie bislang nur einen Stellvertreter, die den Amtsinhaber tatkräftig unterstützen. Beides wurde positiv beschieden. Wie ins kalte Wasser geworfen, so kam sich Harald Kleindienst trotzdem vor.

Ein Macher im Dorf an der Starzel

Aber es hat sehr den Eindruck, als hätte er mit dem Schwimmen keinerlei Probleme.  Mit ihm hat das Dorf an der Starzel einen Mann an der Spitze, den man ohne Übertreibung einen Macher nennen kann – und dem man das Neusein schon nach wenigen Tagen kaum mehr anmerkt. Kein Wunder auch, denn der neue Mann im Rathaus war schon als Privatmann immer an der Kommunalpolitik interessiert. Hinzu kommt, dass er sich selbst als lernbereit bezeichnet – und sich nicht geniert, um Hilfe zu bitten.

Die Agenda wächst

Der 48-Jährige hat schon einiges auf der Agenda. Neben den Pflichtaufgaben hat sich Kleindienst eine Kür vorgenommen: Stein soll sich zukünftig durch einen größeren Zusammenhalt auszeichnen. Das gilt für die Einwohnerschaft allgemein und für die Vereine besonders. Der Ortsvorsteher unterstreicht: „Ich will wieder mehr Gemeinschaft.“ Klar, das geht nicht von heute auf morgen. Und niemand soll überfordert werden.

Ein erster Schritt: Der Neujahrsempfang in Stein soll einen großen Rahmen bekommen und in der Auchterthalle stattfinden. Und wie wäre es mal wieder mit einem Dorffest, an dem sich alle beteiligen? Halt! Niemand muss an dieser Stelle zusammenzucken. Denn die Vereine und Gruppen machen ja schon einiges, aber meist jeder für sich. Es ist noch nichts Konkretes geplant – aber im Ortschaftsrat ist das Fest bereits ein Thema gewesen. Wohlgemerkt im neuen Gremium, das sich zur gegenseitigen Findung bereits zwei Mal in nicht öffentlicher Runde getroffen hat. Die erste öffentliche Zusammenkunft ist Mitte September. Es wird die letzte im alten Rathaus sein.

Frohes Einarbeiten

Dienstagnachmittag. Sommerpause. Tiefste Beschaulichkeit auch im Ortskern von Stein. Aber im Rathaus sitzt einer im 1. Stock und schafft. Harald Kleindienst nutzt jede Gelegenheit, um sich in die noch ungewohnte Materie einzuarbeiten. Im Gebäude selbst muss er sich eigentlich nicht mehr groß wohnlich einrichten. Denn das Rathaus ist mit seiner umfassenden und langwierigen Sanierung die Nummer 1 unter den Projekten (siehe Extrakasten). Der Zeitplan sieht vor, dass es im Oktober losgehen soll. Termin des Wiedereinzugs: Ende 2020.

Das nennt Harald Kleindienst „sportlich“. Man wisse bei solch alten Gemäuern schließlich nicht, was noch alles zutage tritt, das erneuert werden muss. Und dann ist da noch das leidige Dauerproblem: Die Handwerkerschaft ist sehr beschäftigt. Wenn da einer nicht hergeht, verzögert sich alles weitere.

Neue Baugrundstücke sind „super“ für Stein

Ebenfalls von heftiger Bedeutung ist das neue Baugebiet „Furth“. Rechts  am Ortseingang von Hechingen her sollen elf Bauplätze entstehen. „Das ist super für Stein“, lobt Harald Kleindienst die Arbeit des vorigen Ortschaftsrates. Dass das Vorhaben in absolut trockenen Tüchern ist, wie bislang zu meinen war, da gibt sich der Ortsvorsteher vorsichtig: Weil in Bechtoldsweiler deutlich besser für die Grundstücke gezahlt wird, ist wohl eine gewisse Unruhe entstanden. Drei Mal auf Holz klopfen! Denn in Stein werden die Plätze regelrecht herbeigesehnt.

Kleindienst betont: „Wir wollen die Steinemer dabehalten.“ Niemand soll auswärts bauen müssen, weil er daheim nicht kann. Und wenn die jungen Leute bleiben, dann ist das auch gut fürs Dorfleben und die Vereine. Und was ist, wenn „Furth“ ruck-zuck bebaut ist? Dann wird’s schwierig, denn: „Die Möglichkeiten sind begrenzt.“

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Die Sadbolla haben schon kräftig ausgeräumt

Platz gemacht! Anfang Oktober startet die ebenso umfangreiche wie kostspielige Sanierung des Steinemer Rathauses. Ab Ende 2020, wenn’s denn hinhaut, hat der Stadtteil dann endlich wieder ein funktionsfähiges und ansehnliches Gebäude für die Ortschaftsverwaltung und die Vereine. Kostenpunkt: derzeit annähernd 1,1 Millionen Euro. Erhebliche Nebenwirkungen des Vorhabens: Es muss ausgeräumt werden. Spätestens Mitte September muss alles draußen sein. Den Anfang haben am Samstag die Narren gemacht. Die Sadbolla waren bislang mit ihrer Zunftstube im Erdgeschoss zuhause. Nach der Sanierung residieren sie einen Stock höher, und die Ortschaftsverwaltung ist dann bürgerfreundlich im Parterre. Bedarf angemeldet fürs neue Rathaus hat bereits der TTC Stein.

Ausweichquartiere Während der Sanierung ist die Ortschaftsverwaltung Stein im Pfarrzentrum untergebracht. Der Ortschaftsrat wiederum wird im Mannschaftsraum des Feuerwehrhauses tagen. So lauten zumindest bislang die Pläne.

Sonderfall Treff Der Steinemer Jugendclub, seit vielen Jahren im Keller des Rathauses anzutreffen, wird mit Sicherheit eines der größeren Projekte von Ortsvorsteher und Ortschaftsrat. Obwohl im Gewölbe gar nicht saniert wird – Sandstein darf nicht trockengelegt werden –, müssen die Jugendlichen raus. Aus Sicherheitsgründen. Nur, wohin mit ihnen? Als Zwischenlösung wird es wohl in einen Container gehen. Da wiederum stellt sich die Frage nach dem Standort. Mittel- und langfristig setzt Ortsvorsteher Harald Kleindienst aber auf eine ganz andere Lösung. Fest steht für ihn, dass es im feuchten Keller nicht mehr geht: „Das ist eine Zumutung. Da modert es.“ Und er schiebt nach: „Die Jugendlichen brauchen was Richtiges.“ Keine Frage also: Der Jugendtreff ist eines der wichtigen Vorhaben für Ortsvorsteher und Ortschaftsrat. Ernst Klett

Seit 37 Jahren Musiker in Hirrlingen

Zur Person Harald Kleindienst (48) ist seit 16 Jahren Steinemer und hat sich ins Hohenzollerische verheiratet. Er hat zwei Kinder (neun und 14 Jahre). Gelernt hat er Industriekaufmann mit Abschluss Fachwirt. Vor 18 Jahren hat er umgesattelt auf selbstständiger Vermögensberater mit Gemeinschaftsbüro in Rangendingen. Kleindienst stammt aus Hirrlingen, wo er seit 37 Jahren dem Musikverein angehört. In Stein freilich ist er ebenfalls engagiert, und zwar als musikalischer Leiter der Zäpfleschnepper, der Lumpenkapelle der Narrenzunft. kle