„Museum“ Hechingen trennt Stadthalle und Restaurant

Ernst Klett 17.12.2016

Seit dem Spätsommer ist das  „Museum“ ohne Pächter. Die Stadt hat zwar seit Jahresbeginn gesucht, aber es wollte partout kein geeigneter Nachfolger für Angelika Hentsch und ihr Team gefunden werden.

Allerdings ist deshalb keine Katastrophe ausgebrochen. Im Gegenteil. In der Hechinger Stadthalle herrscht nach wie vor ein munteres Kulturleben, und es muss niemand verdursten oder verhungern. Möglich gemacht haben es die selbst wirtenden Vereine und andere Veranstalter beziehungsweise Caterer, die das fertige Essen vorfahren. Davon haben bislang heimische Gaststätten und ebenfalls die Lebenshilfe profitiert. Wie berichtet, übernimmt bei Veranstaltungen des städtischen Kulturbüros die Hechinger Bürgergarde die Bewirtung – und die Garderobe mit In-den-Mantel-helf-Service.

So gut eingespielt, wie die Stadthalle seit Sommer ganz offenkundig läuft (man hört keinerlei Beschwerden!), so soll es nun wohl auch ängerfristig weitergehen. Die Stadt rüstet den Küchenbereich der Säle auf und trennt diesen komplett vom Restaurant ab. Aufrüsten, das bedeutet, dass eine sogenannte Vorbereitsungsküche eingebaut wird – für Vereine, die Pommes und andere Kleinigkeiten machen können, und ebenso für die Caterer.

Halle und Restaurant werden gleichzeitig baulich voneinander getrennt, und die Küche der Gaststätte wird umfassend runderneuert. Alles zusammen (neue Küche für die Säle, Küchensanierung im Restaurant und Umbau) ist im neuen Haushaltsentwurf mit Ausgaben von 220 000 Euro veranschlagt.

Mit der räumlichen Trennung von Stadthalle und Restaurant wiederum zielt die Stadt vor allem auf eine dieses Mal erfolgreiche Suche nach einem Pächter ab. Einen passender Wirt für die Gaststätte „Museum“ sollte es nun wirklich auch irgendwo eben.

Da war doch noch ein Versprechen

Lang, lang ist’s her, dass Norbert Roth, der Vorvorgänger von Dorothea Bachmann im Bürgermeisteramte, ein großes Versprechen gab: Die Stadt sorgt für einen Nachfolger fürs alte „Museum“! Das war, als Hechingen Ende der 80er-Jahre das jetzige „Museum“ plante.

Im alten „Museum“, und daran erinnern sich mittlerweile bevorzugt nur noch die Älteren, hatte es bis dahin etwas gegeben, das Hechingen weit in die Region hinaus bekannt und beliebt gemacht hatte: die Museumskneipe. Die hatte noch die Einrichtung aus einst glorreichen Stadthallenzeiten, also viel dunkles Holz, und war wie das ganze Drumherum mächtig in die Jahre gekommen. Aber das machte den vielen Gästen überhaupt nichts aus. Das alte „Museum“, das war der besondere Treff für die Jungen und die Junggebliebenen.

Mehr als nur Kneipe war das alte „Museum“ sowieso. Regelmäßig gab es  Konzerte, entweder in der Gaststätte selbst oder einen Stock höher, je nach erwartetem Andrang. Größen wie Wolle Kriwanek oder die Fuckin’ gute Bürgerband waren da, und die Murx Brothers hatten ein Dauerauftrittsabo.

Schiergar legendär ist das Wirte- und Bedienungspersonal. Wer im alten „Museum“ am Zapfhahn stand, der wurde anschließend Gewerkschaftssekretär, eröffnete in der Schulstraße eine eigene, kleine Kneipe und ist heute erfolgreich in der Hechinger Modebranche tätig.

Und das Versprechen? An das erinnerten sich die, die es gegeben hatten, ziemlich flott nicht mehr. Schade, schade. Und schön, dass die HZ mal wieder in der jüngeren Hechinger Stadtgeschichte graben konnte! kle