Seit einem Jahr hat Hechingen eine Integrationsbeauftragte, und schon hat es den Anschein, als wäre Hanna Johner aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ihre 50-Prozent-Stelle, die vom Land finanziert wird, läuft Ende September 2020 aus, und bereits jetzt treibt CDU-Fraktionschef Dr. Lorenz Welte die Sorge um, dass man die „aktive Netzwerkerin“, von der Hannes Reis (Bunte Liste) sprach, dann verlieren könnte. Hanna Johner versuchte, den Fragesteller zu beruhigen, und warb gleichzeitig um eine künftige Weiterbeschäftigung aus dann städtischen Mitteln: „Es wäre schön, wenn ich auch über 2020 hinaus in Hechingen tätig bleiben dürfte.“

Dass der multikulturellen Zollernstadt eine Integrationsbeauftragte gut tut, daran zweifelte nach Hanna Johners erstem Bilanzbericht im Verwaltungsausschuss niemand. Jeder sechste Hechinger hat einen Migrationshintergrund (gemessen am Besitz eines ausländischen Passes), und 126 Flüchtlinge leben aktuell in der Stadt, davon 24 unbegleitete Minderjährige. Weil Integration kein Selbstläufer ist, wie Hanna Johner aus Erfahrung weiß, sondern einen Rahmen braucht, gibt es für eine Frau, die sich um dieses Themenfeld kümmert, reichlich zu tun.

Hanna Johner, die selbst aus Weißrussland stammt, Deutschlehrerin und Historikerin ist, fungiert als zentrale städtische Anlaufstelle für Flüchtlinge, unterstützt diese bei der Wohnungs- und Ausbildungsplatzsuche und bemüht sich, dass Migranten und Flüchtlinge möglichst viel in gesellschaftliche Aktivitäten eingebunden werden – nach dem Motto: „Das Wichtigste sind die Kontakte“. So knüpfte sie gleich zu Beginn ihres ersten Jahres ein Netzwerk „Geflüchtete Menschen in Hechingen“. Dass mehr als 40 Leute zur konstituierenden Sitzung kamen, habe sie selbst „sehr stark motiviert“, schilderte sie.

Zusammen mit zahlreichen Partnern aus Behörden, Schulen und Wirtschaft hat Hanna Johner ein Bewerbungstraining für Migranten auf die Beine gestellt, und in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband ist es der Integrationsbeauftragten gelungen, sechs jugendliche Flüchtlinge, die bisher in der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Ermelesstraße untergebracht waren, in andere Wohnungen zu vermitteln.

Als Höhepunkt ihres ersten Jahres bezeichnete Hanna Johner die Organisation der ersten Interkulturellen Woche, ebenfalls zusammen mit der Caritas und 15 Kooperationspartnern, die Veranstaltungen anboten. „Es war ein guter Erfolg“, bilanzierte Hanna Johner. Und deshalb stellte sie eine Neuauflage 2019 in Aussicht, möglichst mit noch mehr Mitmachern.

Was sich die städtische Frau fürs Integrieren fürs neue Jahr noch vorgenommen hat, ist eine Würdigungsveranstaltung für die ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit sowie „die weitere interkulturelle Öffnung der Hechinger Vereine“. Außerdem will sie einer syrischen Künstlerin eine Ausstellung in der Rathausgalerie ermöglichen.

In der Diskussion äußerte Margret Simoneit (SPD) den Eindruck, dass es häufig Sprachprobleme seien, die die Integration erschwerten. Hanna Johner präzisierte: Nicht die Kinder hätten Probleme, die deutsche Sprache zu lernen, sondern ihre Eltern. „Die Kinder dienen da oft als Dolmetscher.“