Es riecht verführerisch im katholischen Gemeindehaus an der Hechinger Kirchsteige 6. Die Dürfte ziehen den Besucher magisch in die kleine Küche, wo Simone Duttweiler, Guiseppe Modica und Hans-Joachim Häring sich am Herd tummeln. Sie bereiten Serviettenknödel mit Pilzrahmsauce zu. Die Uhr zeigt kurz nach zwölf, gleich wird serviert.

Mitessen darf im Gemeindesaal jeder, der Hunger hat. Das Essen ist gratis, wer mag kann eine Spende in ein Sparschweinchen werfen, man muss aber nicht.

Zehn Gäste kamen am Freitag zum ersten „Mittagstisch für jedermann“. Die meisten wollen auch kommende Woche wieder dabei sein, denn der Mittagstisch wird ab jetzt regelmäßig an jedem Freitag stattfinden.

Zu viele Grundnahrungsmittel werden verschwendet

Das Besondere daran: Die benötigten Lebensmittel für die Gerichte stiftet der Tafelladen der Caritas. Es handelt sich um übrige Waren, die über das Wochenende liegen bleiben und verderben würden.

Was man jeweils abholen kann, steht natürlich vorher nicht fest. So wird Guiseppe Modica stets von Neuem vor der Herausforderung stehen, was er aus dem ihm Überlassenen zaubern kann.

Der 23-Jährige ist Koch und hat sein Handwerk im „Lamm“ in Stein erlernt. Durch ihn entstand die Idee des Mittagstisches, als er vor geraumer Zeit bei Pfarrer Michael Knaus vorsprach: Er habe soeben seine Lehre erfolgreich beendet und beabsichtige, im Januar auf Welt- und Weiterbildungsreise zu gehen. Ob er sich bis dahin in der Seelsorgeeinheit nützlich machen könne?

Wände im Pfarrheim anstreichen? Kaputte Möbel reparieren? Eine Kammer entrümpeln? Tatsächlich, so erzählt Pfarrer Knaus, wurden diese Möglichkeiten erwogen – bis jemand, eher spaßeshalber, den Satz in die Runde warf: „Warum kochst du nicht was für uns?“ Das war die Keimzelle für den Mittagstisch! Mehrere Probeessen fanden statt, am Freitag nun wagte man die öffentliche Premiere.

Es geht darum, Nachhaltigkeit vorzuleben

Mit dem Mittagstisch will man darauf hinweisen, dass zu viele Grundnahrungsmittel verschwendet werden. Denn tatsächlich wurde das, was der Tafelladen stiftet und was Guiseppe Modica nun zu leckeren Gerichten, verarbeitet, ja von anderen schon als ,nicht mehr brauchbar’ abgegeben. Es geht also darum, Nachhaltigkeit vorzuleben.

Weiter geht es um christliche Nächstenliebe, denn auch wer nur geringes Einkommen hat, braucht für das Essen nichts zu geben. Nicht zuletzt verfolgt man ein gesellschaftliches Anliegen. „Der Mittagstisch führt vielleicht Menschen verschiedener Schichten zusammen, die sich sonst nicht begegnen würden“, hofft Caritas-Geschäftsführer Elmar Schubert.

Wie es mit dem Projekt weitergeht, wenn Guiseppe Modica im Januar seine große Fahrt antritt, ist offen. Pfarrer Knaus sieht es entspannt. „Vielleicht nimmt die Sache Fahrt auf und es finden sich Leute, die für uns kochen – vielleicht aber auch nicht. Dann beenden wir die Sache. Aber wir haben wenigstens ein Zeichen gesetzt.“

Wichtig ist es dem Seelsorger deutlich zu machen, dass „wirklich jeder“ eingeladen ist. „Man braucht kein Kirchenmitglied zu sein, auch die Konfession spielt keine Rolle. Und“, fügt er hinzu, „es braucht auch niemand Angst zu haben, dass er hier missioniert oder zu etwas verpflichtet wird.“

Das könnte dich auch interessieren:

Polizisten aus Hechingen in Hódmezövásárhely Immer unter Beobachtung

Hechingen

Telefonische Anmeldung erbeten


Lecker Am kommenden Freitag wird wieder ein leckeres (fleischloses) Gericht im Gemeindehaus, Kirchplatz 6, angeboten. Wer mitessen will, sollte sich bis Donnerstag telefonisch im Pfarrbüro anmelden: 07471/936333.