Hechingen Hans Pfrommers Kosmos im Weißen Häusle

„Immer ist irgendetwas“: Gut besucht war die Vernissage im Weißen Häusle, wo Werke des Stuttgarter Künstlers Hans Pfrommer (links) zu sehen sind.
„Immer ist irgendetwas“: Gut besucht war die Vernissage im Weißen Häusle, wo Werke des Stuttgarter Künstlers Hans Pfrommer (links) zu sehen sind. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 17.04.2018
Im Weißen Häusle in Hechingen  wurde die  Ausstellung „Immer ist irgendetwas“ mit Werken von Hans Pfrommer eröffnet.

Ist es Realität? Ist es Fiktion? Oder vielleicht eher eine Mischung aus beidem? Nicht immer erschließt sich der Grad der Authentizität in den Bildern Hans Pfrommers auf den ersten Blick. Denn in seinen Werken hält nicht nur das Einzug, was ist, sondern auch das, was sein oder gewesen sein könnte. Der Stuttgarter Künstler ist bereit zu „tun, was getan werden muss“, wie der Titel eines seiner Bilder lautet, die der Hechinger Kunstverein seit Sonntag im Weißen Häusle präsentiert.

Es sind zumeist kleinformatige Werke mit narrativem Charakter, gezeichnet, gemalt oder als Druckgrafik umgesetzt. Stilistisch äußerst fein auf Holz oder Papier gebannt und stets mit einer großen Prise Humor gewürzt. Die Malerei als Medium, das über alles informiert, was ist oder was wäre, wenn es denn sein könnte, dass es anders wäre, als es ist – das ist die Welt von Hans Pfrommer.

Zu erzählen gibt es viel, denn „immer ist irgendetwas“; sei es, dass eine entmenschte Nonne Zwillinge tötet und nackt auf einen Pflaumenbaum steigt, oder dass sich der legendäre Naturforscher Professor Hausenstein am Badetag an die Erstbesteigung des Veit-Eric-Gletschers durch seinen linken Fuß erinnert. Gerhard, das Fischstäbchen, zieht derweil weiter mit seinem rosa U-Boot durch den Zauberwald.

Der Künstler selbst taucht mal als seniler Adeliger beim Waffenreinigen auf, mal in der Hauptrolle einer Perseusadaption des Mundartdichters Reinhold Rühle.

Doch auch im Fall von Pfrommer ist kein Meister vom Himmel gefallen. Darauf machte sein Künstlerkollege Armin Subke aufmerksam, dessen Einführungsrede bei der Vernissage sich nach und nach zu einer Art satirischer Performance steigerte.

„Hans Pfrommer wurde geboren um zu sehen“, konstatierte er. Was er zunächst sah, waren Farben und schwabbelige Formen. „Als Kind war sein Ausdrucksvermögen noch beschränkt, das ist heute besser“, gestand ihm Subke großmütig zu. Mit den Konturen kam bald auch die Erkenntnis, dass Vernunft mit einem Trollinger gleichzusetzen sei. Verleumdet, erniedrigt und „nicht als das erkannt, was er wirklich ist.“ Und die Vielfalt? „Vielfalt ist ein so großes Wort“, sinnierte der Laudator.  Die Inhalte der Bilder Pfrommers seien durchaus vielfältig, die schwabbeligen Formen hin und wieder noch erkennbar. „Er missachtet Trollinger nicht, er trinkt ihn“, lautete die pragmatische Erkenntnis.

Was das alles mit Howard Carpendale zu tun hat? Nun, der Schlagerstar hat, wie Subke ausführte, erst kürzlich heimlich geheiratet. Denn irgendwas ist halt immer. Anhand des aus Boulevardblättern einschlägig bekannten Sängers aus Südafrika legte er den Widerspruch frei, der sich ergibt, wenn man Menschen in Schwarze, Weiße und Farbige einteilt. Denn bedeutet farbig nicht eher bunt? In der subtraktiven Farbmischung der drei Primärfarben ergibt sich Schwarz, in der additiven Weiß. Letztere sollte also „als Farbe eine Berechtigung haben“, konstatierte Subke. Aber kann es überhaupt sein, dass Howie als Südafrikaner Weiß ist? Könnte er nicht auch ein Farbiger sein, je nach Farbmischung gar ein Schwarzer?

Im Werk Pfrommers sind Farben eminent wichtig. Selbst solche, die isoliert gesehen nicht unbedingt anziehend wirken, spielen in Kombination ihre Reize aus.

Wer sich an dieser Stelle aber immer noch gefragt haben sollte, was Pfrommer und Carpendale nun eigentlich miteinander zu tun haben, den klärte Subke – ganz offensichtlich ein begnadeter, aber wenig talentierter Sänger – mit einem Lied auf. Dessen Botschaft: „Die Farben allein machen die Welt erst schön.“

 Info Die Ausstellung im Weißen Häusle ist bis zum 13. Mai 2018, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.  Am Sonntag, 13. Mai, findet ein Künstlergespräch mit Hans Pfrommer und Clemens Ottnad statt.