Viele geraten schon bei dem Gedanken an einen Tag ohne Handy in Panik. Schüler der Alice-Salomon-Schule Hechingen haben aber eine ganze Woche konsequent auf ihr heißgeliebtes Smartphone verzichtet – eine sehr moderne Art und Weise zu fasten. „Ich weiß, das war hart, deshalb verdient es größten Respekt“, lobte Sebastian Winkler, Lehrer und Organisator der Aktion, das Durchhaltevermögen der zehn Schülerinnen und Schüler aus fünf verschiedenen Klassen der Klassenstufen elf bis 13. Schon zum dritten Mal hat die Alice-Salomon-Schule ihre Schüler Schule zum Handyfasten aufgerufen. Zum zweiten Mal wird die Aktion von der Buchhandlung Welte und dem Schulförderverein mit Zehn-Euro-Buchgutscheinen für die Teilnehmer unterstützt.

Am Donnerstag zogen die Handyfaster eine Bilanz ihres einwöchigen Experiments. Das Handyfasten lief unter Aufsicht ab. Am Montag kamen sie Smartphones in einen Umschlag und in den Schultresor, wo sie exakt eine Woche unter Verschluss blieben, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Leonie Schneider-Loye.

Harry Potter statt Twitter

Die Erfahrungen der Schüler sind durchweg positiv. Neun der zehn Teilnehmer stellten fest, dass sie besser schlafen. Alle berichten, dass auf einmal deutlich mehr Zeit vorhanden ist. „Man fühlt sich ohne das Handy komischerweise irgendwie freier und unbeschwerter, unabhängiger“, lautete ein Eintrag ins Fastentagebuch, das die Schüler führten. Fast grotesk sei die Feststellung gewesen, „dass alle anderen im Bus ständig auf Ihre Handys starrten“.

Jona Lauer, 17, hat in der Fastenwoche entschieden, doch keine Flatrate zu buchen, und hat in Rekordzeit ein Buch gelesen, den Thriller „Elanus“ von Ursula Poznanski. „Das mache ich sonst nur im Urlaub“, gesteht er. Desiree Bürker, 16, erklärt sogar, sie hätte ihre Fastenzeit gern verlängert. Aber wegen eines Praktikums müsse sie die nächste Zeit gut erreichbar sein.

Der spannende Selbstversuch hat den Teilnehmern zu einem neuen Blick auf ihre Smartphones verholfen. Auf 200 bis 400 Nachrichten pro Woche und dreieinhalb Stunden Handyzeit pro Tag schätzen sie ihr Tagespensum. Zu „99 Prozent“, sagte die 18-jährige Verena Hirt, beantworte sie alle eingehenden Nachrichten. Dass sie Verzicht geübt hat, freut sie selbst am meisten und sie weiß auch schon, welches Buch sie sich von dem Gutschein anschaffen möchte: einen Harry-Potter-Band.

Eva Hermann, 17, weiß ebenfalls schon, dass sie einen Reiseführer für den Gardasee kaufen möchte – „falls im Urlaub mal das Handy streikt“, sagt sie und lacht.

Die Idee, zum Handyfasten aufzurufen, entstand nach einer  Unterrichtsdiskussion über die Angst, etwas zu verpassen, wenn man mal nicht ständig im Netz ist, beispielsweise über Facebook, Twitter, WhatsApp oder Instagram. „Fomo“ (Fear of missing out) nennen amerikanische Wissenschaftler dieses Phänomen.

Negative Erfahrungen haben die Handyfaster kaum gemacht. Als schwierig wurde vor allem die „soziale Mikrokoordination“ empfunden: Absprachen waren oft zu umständlich.

Auch das Gefühl, im Notfall kein Handy dabei zu haben, war unangenehm. Übrigens ging das auch vielen Eltern so, wie Leonie Schneider-Loye berichtet. „.Viele Eltern lehnten das Handyfasten ab, weil es ihnen unangenehm sei, wenn ihre Kinder bei Bedarf nicht erreichbar sind.“