Die Handwerkskammern kürten die Besten ihres Nachwuchses. Der Glückwunsch geht nach Bisingen. Jonathan Haarig ist Bundessieger aller Karosserieinstandsetzungstechniker. Ihm macht niemand etwas vor, wenn es darum geht, ein Auto wieder in Schuss zu bringen. Gelernt hat der 22-Jährige das in Müllers Werkstatt in Bisingen. Inhaber und Meister Marcus Müller ist entsprechend stolz: „Bundessieger zu sein, ist eine herausragende Leistung.“

Dabei wusste Müller von Anfang an, was er an seinem jungen Auszubildenden hat. Vor vier Jahren fing Jonathan Haarig beim ihm ein. „Es hat sofort gepasst“, sagt der Chef. Im Februar gab es den Gesellenbrief. Jonathan Haarig beendete die Ausbildung als Kammersieger, wurde Landessieger und bekam nun den Bescheid, dass er auch auf Bundesebene topp ist.

Rennwagen Jahrgang 1938: ein Frazer Nash BMW 327/28

Repariert werden in der Sechs-Mann-Werkstatt in Bisingen eigentlich alle Fahrzeugtypen, gerne aber auch Klassiker der Automobilgeschichte. So wie dieser Frazer Nash BMW 327/28, Baujahr 1938, der bis vor kurzem im Werkstattkeller stand. Dort im Keller haben Müller und Haarig mehr Ruhe als im normalen Werkstattbetrieb, wo ständig Kunden vorbeischauen – dazu darf aber gerne die Musik laut dröhnen. Das Fahrzeug, ein spektakuläres Modell, war im Grund Schrott. Sein Besitzer hatte es für ordentlich Geld erstanden, dann fielen die Türen heraus.  Gut, dass Willi Mayer, bekannter Oldtimerfan aus Bisingen, in der Nähe war. Denn er hatte für den  unglücklichen Besitzer einen guten Tipp: Müllers Werkstatt, bei Mayer gleich nebenan, kann es richten. Doch einfach war das nicht.

Nächstes Ziel dann Europameister?

Zwei Jahre Fachwissen, Kreativität und vor allem Handarbeit stecken in der Restaurierung des Oldtimers. Alles wurde neu gemacht: von der Karosserie bis hin zum Holzrahmen, der aus Esche ist. Der Wert dürfte damit heute locker im sechsstelligen Bereich liegen. Je besser die Geschichte ist, die dahinter steht, um so mehr sind Menschen bereit, dafür zu zahlen.

Bundessieger Jonathan Haarig kann sich gar keinen schöneren Beruf vorstellen. „Bei der Arbeit bin ich mein eigener Herr. Ich entscheide, wo ich ein Blech schneide, wie ich es schneide, nur das Ergebnis zählt.“ Und genau diese Freiheit ist es, die Meister Marcus Müller nicht missen möchte. Er selbst war einst jüngster Meister seines Fachs in Baden-Württemberg. Sofort machte er sich selbstständig. Das ist 25 Jahre her.

Über die Nachwuchsprobleme im Handwerk

Meisterehren strebt auch Jonathan Haarig an. Was ihn ärgert: Dass die Fortbildung zum Meister im Gegensatz zum Studium mehrere tausend Euro kostet. Beim Besuch der einjährigen Meisterschule kommt meist der Unterhalt dazu. Der Verdienstausfall muss verkraftet werden. Der 22-Jährige fordert die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung. Dafür ist auch sein Chef. Denn wie sonst lasse sich das Nachwuchsproblem im Handwerk lösen?

Für Haarig übrigens geht es nach dem Bundessieg auf Europaebene weiter.

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