Hechingen Hahn will im Mai die Bagger rollen sehen

Hechingen / Ernst Klett 04.10.2018

Braucht es eine mindestens 6,5 Millionen Euro teure Tiefgarage unterm Obertorplatz? Oder bekommt man die 94 dort geplanten Stellplätze auch andernorts? Letzteres insbesondere im Keller der privaten Bauvorhaben auf dem HZ-Areal und gleich dahinter auf dem Firstplatz. Darüber wurde am Donnerstagabend im Gemeinderat Hechingen debattiert. Die Entscheidung steht erst am 8. November im Terminplan.

Bis vor kurzem war das Drehbuch für den möglichen Ausstieg aus dem nach wie vor existenten Gemeinderatsbeschluss zur Tiefgarage beinahe zum Greifen gewesen. Sogar ein drohendes Finanzdebakel für die Stadtwerke, den Bauherren, wurde präsentiert. Viel deutete, zumindest gefühlt, auf eine Abkehr von dem Großprojekt hin. Denn da war vor allem die Aussicht, dass sich die Stadt am Vorhaben der Hechinger EJL-Gruppe auf dem HZ-Gelände und den benachbarten Gebäuden beteiligen könnte. Zwar nicht für nichts, aber für deutlich weniger Geld als die immensen Kosten beim Selberbauen. Der Vergleich: Ein Parkplatz unterm Obertorplatz soll die Stadt knapp 62 000 Euro kosten, bei EJL und auf dem First wäre man wohl mit gut 29 000 Euro dabei. Der Landeszuschuss ist jeweils abgezogen. Bei den Privtatprojekten wurden die bisherigen Planungskosten für die Tiefgarage von 635 000 Euro draufgeschlagen.

Sicher ist, dass sowohl auf dem HZ-Areal wie auch auf dem überbauten Firstplatz ausreichend viele Stellplätze entstehen können, die von der Zahl her die Tiefgarage erübrigen. Der Haken: Man muss mit Privatinvestoren zusammen schaffen.

Der Bürgermeister wollte Andeutungen, dass die Stadt sich neu und weg von den bisherigen Investoren orientiert haben könnte, nicht gelten lassen. Philipp Hahn: „Wir sind laufend im Gespräch und optimistischer denn je, dass wir es einvernehmlich und stadtverträglich hinbekommen.“ Gemeint ist vor allem das EJL-Projekt am Obertorplatz, das wenig kompatibel mit dem neuen Stadtentwicklungskonzept ist, weil es bislang zu wuchtig ausfällt. Daraufhin hat sich das Unternehmen in die Schmollecke zurückgezogen – aber man scheint ja wieder im Gespräch.

Die Beratung am Donnerstag war bewusst ohne Beschluss. Ergebnisse gab’s trotzdem, und was für welche! So hat Philipp Hahn äußerst flott der Bitte von Freie-Wähler-Chef Werner Beck entsprochen, die Verkehrsführung auf dem neuen Obertorplatz neu prüfen zu lassen. Und zwar in die Richtung, dass es einen zusammenhängenden Platz gibt, die Straße also zum Herrengässle („Das Buch“) hin verlegt wird. Und das mit Tiefgarage und ohne Tiefgarage. Aufzeichnen soll es der Architekt Johann Senner, der den Obertorplatz der Zukunft geplant hat. Senner wiederum hat im Gemeinderat Prügel bezogen für seine Überlegungen, oberirdisch doch 28  Stellplätze einzurichten. „Nicht so toll“ fand das Rolf Ege (FWV), „nicht gelungen“ sagte Werner Beck. Schuld ist die Verwaltung, lautete deren Kommentar. Senner habe vom Rathaus den Auftrag bekommen, eben das auch noch zu prüfen.

Diese weitere Variante als Ersatz für die 94 Keller-Parkplätze hatte Stadtbaumeisterin Helga Monauni präsentiert: Wenn man 14 oberirdische, „grüne“ Parkplätze (unter großkronigen Bäumen) zur Zollernstraße hin anlegt, und 14 im Bereich Frauengartenstraße hinzukommen, dann addiert man noch gut 75 sogenannte „Stellplatzreserven“ am First, in der Münzgasse und am Schloßplatz dazu – auch dann wäre die Tiefgarage nicht nötig. An dieser Rechung wurde allerdings heftig gezweifelt. Außerdem will keiner  mehr oberirdische Parkplätze.

Weitere glasklare Stellungnahmen gab’s ebenfalls in der Sitzung. Margret Simoneit (SPD) kritisierte die Darstellung der Stadt, dass die Firststraße mehr Verkehr durchaus vertrage und sprach sich für die Tiefgarage aus. Ebenso ihr Fraktionsvorsitzender Jürgen Fischer, der den Privaten nicht traut und keine Alternative sieht. Lorenz Welte (CDU) verlangte, mit der neuen Stadtentwicklung aktiv auf Investoren zuzugehen und nicht immer nur zu verhindern – „wir können uns keine Verzögerungen mehr leisten, auch keine Leerstände bei den EJL-Gbäuden.“

Alle drei Entwürfe werden ausgestellt

Selbst schauen Die interessierte Bevölkerung wird von der Stadt gleich doppelt bedient: Die drei Entwürfe zur städtebaulichen Entwicklung des Bereichs „Obere Vorstadt/Östliche Oberstadt“ sind bis Freitag, 12. Oktober, im Foyer des Rathauses ausgestellt. Die Pläne kann man ebenfalls auf der Homepage der Stadt schauen unter www.hechingen.de.

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