Kunst Hände hoch! Hans-Jürgen Kleiner stellt im Starzelpark aus

Hechingen / Gabrielle Ziegler 28.06.2017

Skulpturen von Hans-Jürgen Kleiner werden die Starzel an der Hospitalstraße ab dem kommenden Samstag, 1. Juli, einen ganzen Sommer lang, bis einschließlich 1. Oktober, säumen. Unter dem Thema „Hands up – Hände hoch“ frönt der Hechinger Arzt und Künstler seinem Lieblingsthema, der Hand. Untertitel der Kunstschau im Starzelpark könnten sein: „Vom Handeln zum Bewegen“ oder auch „Vom Greifen zum Begreifen“. Zu sehen sind Gegenwartsgesten in Stein, meist Carrara-Marmor, gelegentlich persischer Travertin. Es sind per Hand geschlagene Gefühle und Gedanken. Mal drohend, mal freundlich oder auch berührend, bedeutet die Geste „Hände hoch“ mal Hilferuf, mal Jubel, mal sich ergeben.

Die Ausstellung und das musikalische Begleitprogramm am kommenden Samstag ab 19 Uhr versprechen einen großartigen Auftakt des Hechinger Skulpturensommers. Aber wie weit ist das Projekt wenige Tage vor dem Start gediehen?

Herr Kleiner, sind Ihre Ausstellungsstücke denn schon fertig?

Hans-Jürgen Kleiner: Um ehrlich zu sein, da ich Bildhauerei nebenberuflich betreibe und das Zeitfenster als Arzt hier klein ist – nein. Zudem ist die von mir gewählte vorwiegende Arbeitsweise der „Handarbeit“ mit Hammer und Meißel eine zeitaufwendige Methode – in meiner Vorstellung entspricht die Steinoberfläche mit ihren Arbeitspuren so am ehesten der menschlichen Haut. Außerdem ist eine Reihe bildhauerischer Arbeiten – es handelt sich um sieben Großskulpturen – von einem Künstler alleine eher selten zu sehen.

Was bedeutet es, dass die meisten Arbeiten in Marmor gefertigt sind?

Kleiner: Marmor, hier der weiße Carrara-Marmor, gerne auch als Stein des Lichtes bezeichnet, wegen der oberflächlichen Lichtstreuung, ist in der Kunsthistorie ein edles Material und ermöglicht mir eine faszinierende Oberfläche in Spannung zu dem gegenständlichen Thema – besonders in Zeiten der industriellen Kunstproduktion.

Sie arbeiten häufig in Italien, nahe den berühmten Steinbrüchen von Carrara?

Kleiner: Ungeachtet der mediterranen Lebensweise ist das Umfeld dort geprägt von früher noch härterer körperlicher Arbeit im Steinbruch, dem bildhauerischen Handwerk und den Künstlern. Neben der sogenannten Kunstproduktion gibt es nur noch wenige Orte, an denen Handwerk und Kunst in gegenseitigem Respekt zusammenarbeiten und voneinander profitieren. Eigentlich eine Notwendigkeit angesichts der Schwere des Arbeitsmaterials Stein und Eisen. Widerständig mit Innenleben fordert es logistische wie statische Überlegungen und Anstrengungen. Ein Grund mehr, warum Eisenstelen in meinen Arbeiten eine große Rolle spielen.

Ihnen ist – wir kennen es vom Kunstverein Hechingen und dessen vergangener inhaltlichen Orientierung – Musik und Kunst immer gleich wichtig gewesen. Deshalb das Musikprogramm zum Start der
Ausstellung?

Kleiner: Ja. Musik und Kunst bis hin zum Tanz hängen für mich zusammen. Während die Musik unseren Körper ergreift, begreifen wir in der Musik, wie auch im Tanz, mit Körper und Bewegung – das Leben. Der Ausdruck von Gedanken und Gefühlen – ob mit Handzeichen, Skulpturen, Tönen und Rhythmen oder Tanzbewegungen – erscheint mir gerade in Zeiten des Umbruchs wichtig. So ist der 1. Juli auch Start für ein neues Musik- und Kunstprojekt in Hechingen (MuKu) mit Open Air bei freiem Eintritt.

Hintergründe des Projekts – und das Musikprogramm zur Eröffnung

Die Ausstellung kam zustande in Anlehnung an die alte Idee, nach dem katastrophalen Hochwasser im Juni 2008 einmal alle Anrainer und Hochwassergeschädigten in einem Wir-Gefühl zu vereinen, um gemeinsam einen schönen Abend zu erleben. Damals stellte Hans-Jürgen Kleiner seine Skulptur „Frau gegen die Flut“ auf der Hugobrücke auf. Inzwischen ist sie im Skulpturenpfad im Stadtgarten in der Oberstadt zu sehen. Jahre sind vergangen, und zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen wurden ergriffen. Nicht zuletzt ist seit kurzem auch die Renaturierung der Starzel zwischen Hugo- und Schützenbrücke umgesetzt, so dass der Idee mit Skulpturen auf Brücken und daneben Raum gegeben werden kann.

Hans-Jürgen Kleiner erläutert: „Auf dem Weiß des Marmors weisen Flächen mit Arbeitsspuren auf vergangene wie zukünftige Geschichten hin, eingefangen in Gesten, die schneller sind als Worte, ähnlich Tönen in der Musik, die in Reihe eine Melodie ergeben.“ Und so wird die Ausstellung gleichwertig im Dialog am Samstag, 1. Juli, gegen 19 Uhr mit einem musikalischen Programm gestartet. Mit dem jungen Tenor Philipp Nicklaus von der Oper Stuttgart gibt es große Gefühle in zahlreichen Arien. Weiter geht es mit der schweizerisch-kanadischen Sängerin Jules aus Köln.

Ein Höhepunkt ist mit Ansa Sauermann und seiner Band aus Dresden zu erwarten. Zu Ansa Sauermanns heiserer Stimme kommen manchmal nur die geschlagene Akustikgitarre,
mal ein holziger Beat, der Blues mit Club verbindet, und manchmal eine Soundwand von Britpop-Ausmaßen, gepaart mit tiefgründigen deutschen
Texten – einer, der weiß, was er will und zunehmend große Erfolge auf der Bühne feiert.