Hechingen Gute Taten: Hilfe für Kinder in Burundi

Hechingen / Hardy Kromer 04.12.2018
Pater Zachäus Knoll hat das Behindertenheim in Burundi angeregt, dem die HZ-Weihnachtsspendenaktion gilt.

Das Zusammentreffen ist einerseits zufällig, passt andererseits aber wunderbar: Die Ordensgesellschaft der Weißen Väter feiert in diesen Tagen ihr 150-jähriges Bestehen, und die HZ-Spendenaktion „Gute Taten“ gilt dem Zachäus-Haus, einem Behindertenheim in Gitega im afrikanischen Burundi, für das ein aus Hechingen stammender Weißer Vater die Initialzündung gegeben hat: Zachäus Knoll.

Mit der großzügigen Hilfe der HZ-Leserinnen und -Leser wollen wir helfen, einen neuen Lastwagen anzuschaffen, den die Helfer des Zachäus-Hauses und ihre Schützlinge, annähernd 100 körperbehinderte Kinder und Jugendliche, ganz dringend benötigen, um ihre Selbstversorgung sicherzustellen (die HZ berichtete in ihrer Samstagsausgabe).

Wer war eigentlich dieser Zachäus Knoll, auf den das November 1994 in Gitega, der zweitgrößten Stadt von Burundi, gegründete Heim für behinderte Kinder zurückgeht? Am 9. Oktober 1916 wurde er in Hechingen geboren. 1929 trat er in die Missionsschule der Weißen Väter in Haigerloch ein und beendete das Gymnasialstudium mit dem Abitur in Großkrotzenburg. Nach dem Arbeitsdienst begann er in Trier 1937 das Studium der Philosophie. Zwei Jahre später nahm er ein Theologiestudium in Rietberg auf, das er später in Tübingen fortsetzte. Unterbrochen war Knolls Studium aber durch zwei Kriegseinsätze und zwei Verwundungen. An deren Folgen litt er bis zu seinem Tod. Als er aus dem Militärdienst entlassen wurde, beendete er das Theologiestudium in Tübingen.

Zachäus Knoll wurde am 16. Januar 1949 in Rottenburg zum Priester geweiht. Schon während seiner Ausbildung zeigte sich, dass der Mann ein Original war, voller Unternehmungslust und Initiativen. Von 1949 bis 1952 war er Ökonom in der Missionsschule Haigerloch. Danach war er in Frankfurt für die „Missionarische Bewusstseinsbildung“ tätig. Er erfüllte diese Aufgabe sehr gut.

1953 führte ihn sein Weg in das zentralafrikanische Land Burundi. Sein erster Posten war Busiga im „Apostolischen Vikariat“ Ngozi. In seinem Alter noch eine schwierige Sprache zu lernen, war nicht einfach. Doch Pater Zachäus war sehr aufmerksam für die Sorgen und Nöte der Anderen und voller Hilfsbereitschaft. 1960, nach sieben Jahren, kam er zum ersten Mal in Heimaturlaub. Danach wurde er im September1960 in die Pfarrei Karusi entstandt. 1964 kehrte er nach Deutschland zurück, um eine Hilfsaktion zu starten für die Diözese Gitega, die sich in finanzieller Not befand.

Nach seiner Rückkehr nach Burundi widmete er sich ganz der Hilfe für die Armen. Zuerst war er verantwortlich für „Caritas“ in der Diözese Gitega und ab 1966 auch für die Diözese Muyinga und ab 1973 für drei Nachbardiözesen. In Gitega gründete er ein großes Zentrum für Behinderte. Dank seiner guten Kontakte erhielt er viel Hilfe von seinen Wohltätern. Pater Konori, wie ihn die Leute nannten, weil sie Knoll nicht aussprechen konnten, war wirklich der Pater der Armen. Vom deutschen Konsul in Burundi erhielt er für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz.

Zachäus Knoll hat sich aber nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern er war selbst in seinen Heimaturlauben immer auf Achse, um Hilfe zu bekommen für die notleidenden Menschen in Burundi. Doch er sollte immer mehr unter den Folgen einer akuten Herzschwäche und auch an den Folgen seiner Verwundungen im Krieg leiden. Ein Granatsplitter drückte auf die Wirbelsäule und verursachte heftige Schmerzen. Sein Bischof und der Obere der Weißen Väter rieten ihm, nach seinem Urlaub in Europa zu bleiben, aber Pater Zachäus kehrte trotzdem zurück nach Burundi. Er verausgabte sich sehr und starb an einem Herzversagen am 9. Februar 1987.

Sieben Jahre dauerte es von da an noch, bis sein Vermächtnis von engagierten Helfern in die Tat umgesetzt war: das Zachäus-Haus in Gitega, in dem bis zu 120 Kinder und Jugendliche leben und als Schneider, Schreiner und Korbflecher ausgebildet werden – mit bis heute anhaltender Unterstützung aus der Katholischen Kirchengemeinde Hechingen und deren Ausschuss „Mission Eine Welt“ um Diakon Dr. Karl Heinz Schäfer und Monika Selig. Und hoffentlich bald wieder mit Hilfe eines funktionierenden Last­wagens!

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