Es ist Balsam für die Seele, wenn wir in unserem Schmerz gewürdigt werden – mit diesem Zitat von Marcus Sternberg beschließt Henriette Werner ihr Konzept für ein Friedhofscafé. Erarbeitet hat sie es in Form einer Projektarbeit im Rahmen ihres Grundkurses Trauerbegleitung 2019 – und gab damit den Anstoß, in der kleinen Kapelle beim Friedhof Heiligkreuz ein Lebenscafé einzurichten. Inzwischen hat sich mit der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde, mit der Hechinger Hospizgruppe, dem Caritasverband Zollern sowie der Stadt Hechingen eine Art Initiativkreis formiert, der dieses Projekt zeitnah realisieren möchte. Die Hohenzollerische Zeitung unterstützt das Vorhaben im Rahmen ihrer Weihnachtsaktion – und bittet ihre Leser um Spenden (für die Möblierung des Cafés).

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Die Trauerbegleiterin Henriette Werner schickt ihrem Konzept voraus, dass der Tod und alles, was mit ihm zusammenhängt, in unserer Gesellschaft verdrängt werde, und der Trauernde mit seinen Problemen alleine zurück bleibe. Während der Bekannten- und Freundeskreis schnell wieder in den normalen Alltag übergehe, sei für den trauernden Menschen der Alltag so nicht mehr möglich. Er hadere mit dem Schicksal, fühle sich verlassen, verloren und ziehe sich langsam aus dem sozialen Leben zurück. Die Zuflucht sei manchmal der Friedhof, die Grabstätte des Verstorbenen.

Der Tod wird in unserer Gesellschaft verdrängt

Dort, weiß Henriette Werner aus eigener Erfahrung, fühle sich der traurige Mensch für kurze Zeit aufgehoben. Dort finde er Gleichgesinnte, „die auf der Suche sind, gehört und verstanden zu werden“. Für den trauernden Menschen sei das Reden ein sehr wichtiger Faktor. Aber er brauche auch Menschen, die mit ihm schweigen, lachen und weinen können. Die Trauerbegleiterin: „Dazu braucht es einen geschützten Raum, um sich mit anderen Menschen zusammenzusetzen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben.“

Ein Friedhofscafé als Oase der Ruhe

Zum Beispiel ein Friedhofscafé. Henriette Werners Leitgedanke: Es gibt bereits in einigen Großstädten wie Berlin oder München sogenannte Begegnungsstätten am Friedhof, die von trauernden Menschen gerne angenommen werden und als eine „Oase der Ruhe“ bezeichnen. Erfahrungsberichte zeigten, dass Friedhofscafés für trauernde Menschen „hilfreich und wichtig sind, und diese eine weitere Unterstützungsleistung für die Trauerarbeit darstellen“. Ein solches Lebenscafé in der kleinen Kapelle bei Heiligkreuz zu realisieren, schaffe, sagt Henriette Werner, „eine Verbindung zwischen Leben und Vergänglichkeit“. Nichts bleibe, wie es einmal war – so wie die Kapelle zerfalle, zerfalle auch das Leben jeder trauernden Person. Trotzdem müsse es weitergehen.

Das Leben mit all seinen Schicksalsschlägen geht weiter

Ein Friedhofscafé in der Heiligkreuz-Kapelle könne als Zeichen dafür verstanden ­werden, dass auch das Leben mit all seinen Schicksalsschlägen für trauernde Menschen weitergehe.

Die Aufgaben der Trauerbegleitung in diesem Café beschreibt Henriette Werner so: „Der Schwerpunkt in unserer Runde soll auf den Gesprächen liegen, die die Trauernden zusammenführen können.“ Denn: „Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie in ihrer tiefen Trauer stehen und ihnen helfen, einen Weg zu finden, um mit Verlust und Trauer leben zu können.“ Aber auch Nichttrauernde, die sich den Themen Sterben, Tod und Trauer nähern möchten, seien willkommen.

Spenden für Defibrillatoren

Spenden sammelt die HZ außerdem für die Anschaffung von Defibrillatoren durch die katholische Kirchengemeinde. Deren Bestreben ist es, dass Defibrillatoren vor allem an neuralgischen Punkten in Hechingen und den Stadtteilen ausreichend zur Verfügung stehen.

Defis sollen auch für Notfälle bei Kindern ausgelegt sein

Und sie sollen so ausgelegt sein, dass sie im Unglücksfall auch bei Kindern zum Einsatz kommen können. Zwar gibt es keine dezidierten Kinder-Defibrillatoren, aber Defis für Erwachsene können entsprechend adaptiert werden. Damit können entweder eigene Kinderelektroden zum Einsatz kommen oder ein Kindermodus über eine zusätzliche Taste aktiviert werden.

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