Das darf man getrost einen Paukenschlag nennen: Die Elternschaft der Hechinger Grundschule hat am Donnerstagabend nach knapp zweistündiger Diskussion mit der Spitze des Staatlichen Schulamts Albstadt einen Teilerfolg erreicht: Eine von zwei Klassenauflösungen, die eigentlich schon beschlossen waren, wird es vermutlich nicht geben. Jedenfalls dann nicht, wenn sich partout keine zumutbare Lösung für die Verteilung der Schüler findet. Diese Zusage machten der Leitende Schulamtsdirektor Gernot Schultheiß und sein Stellvertreter Maximilian Groß den Hechinger Eltern.

Die 2c wird wohl zusammenbleiben

Konkret heißt das: Für die 23-köpfige Klasse 2c vom Schulcampus am Schloßberg gibt es neue, begründete Hoffnung. Die Eltern klatschten, jubelten und umarmten sich glückselig. Denn Rektorin Alexandra Gruler-Baeck musste eingestehen, sie wisse selbst nicht, wie sie die Buben und Mädchen der 2c auf die Parallelklassen verteilen solle. Und Personal-Schulrat Groß zeigte Einsicht: „Was nicht geht, geht nicht.“

Dass das Personalpuzzle des Schulamts wohl gar nicht aufgehen kann, hatten die Eltern zuvor aufgezeigt: Eigentlich bleibt ihren Kindern nur der geschlossene Wechsel in die Parallelklasse 2b, womit diese dann 47 Kinder hätte – und damit 19 mehr als der Klassenteiler von 28. Ein Wechsel in die 2a ist ausgeschlossen, weil es sich dabei um eine gebundene Ganztagesklasse handelt; die 2e an der Zollerschule kann auch keine Kinder aufnehmen, weil dies eine Prüfungsklasse für Referendarinnen ist, und die 2f in Sickingen scheidet aus, weil es in den Teilort keine vernünftige Busverbindung gibt.

Schultheiß: „Dann lassen wir das“

Auf dieser Basis, so lautete Gernot Schultheiß’ Appell an die Eltern, möge man zwar konstruktiv nach einer Lösung suchen. Dass es diese nicht geben wird, schwante dem Chef des Schulamtes aber schon. Deshalb versprach er: „Wenn Sie keine Lösung finden, dann lassen wir das.“

Keine Rettung gibt es dagegen für die Klasse 3e an der Zollerschule. Ihre 15 Kinder auf Parallelklassen zu verteilen ist mit gutem Willen aller Beteiligten möglich. Und daran fehlt es nicht: Die Vertreter des Schulamtes boten an, Anträgen auf einen Schulbezirkswechsel unkompliziert zuzustimmen. Die Eltern von vier Kindern machten von diesem Angebot spontan Gebrauch und meldeten ihre Kinder an der Nachbar-Grundschule in Stetten an. Zwei weitere Kinder wechseln voraussichtlich in eine Ganztagsklasse am Schloßberg, und für die verbleibenden neun wird – je nach Wunsch – Platz am Schloßberg oder in Sickingen sein.

Abend endet einigermaßen versöhnlich

So endete ein Diskussionsabend mit rund 100 Eltern (und spontan zugelassener Presse-Öffentlichkeit), an dem die Emotionen phasenweise hochgekocht war, einigermaßen versöhnlich. Schulamtsdirektor Groß hatte eingangs ausführlich erklärt, warum die pädagogisch schmerzvolle Maßnahme einer Klassenauflösung mitten im Schuljahr sein müsse. Kurzfassung: Es sind keine Lehrer auf dem Markt, alle Personalreserven sind ausgeschöpft, und an anderen Grundschulen – namentlich in Rangendingen, Gruol und Geislingen – seien unerwartet aufgetretene Personalengpässe so groß, dass dort der Pflichtunterricht nicht mehr aufrechtzuerhalten sei. Auf der Suche nach Lehrkräften, die dorthin abgeordnet werden können, wurde das Schulamt an der Grundschule Hechingen fündig: Hier wurde ein Überhang an 79 Lehrerstunden entdeckt, der sich in dieser Dimension erst im Laufe des Schuljahres herauskristallisiert habe.

Eltern zornig: „Auf dem Rücken unserer Kinder“

An diesem Punkt manifestierte sich der Zorn der Eltern. Zum einen bezweifelten sie die Zahlen („Rechnet die Schule anders als das Schulamt? Und das auf dem Rücken unserer Kinder!“), zum anderen vermissten sie die Vorausschau: „Hätte man das nicht schon am Anfang des Schuljahres wissen können? Dann bräuchte es jetzt keine solche Hau-ruck-Aktion!“

Kritik einstecken musste auch Rektorin Alexandra Gruler-Baeck für ihre „massiv schief gelaufene Informationspolitik“, wie eine Mutter unter Beifall sagte. Die Schulleiterin versicherte, sie sei selbst „schockiert“ gewesen, als sie erfahren habe, dass sie zwei Klassen schließen solle, und habe einfach eine schnelle Lösung gesucht. Sie zeigte Verständnis für den Zorn der Eltern, gab die Kritik aber auch ein Stück weit zurück: „Der Elternbrief stand schon im Netz, bevor er an alle verteilt war.“

Was bisher geschah: