Hechingen Fürstengarten: grün, offen und hoch im Kurs

Hechingen / Diana Maute 10.09.2018
Groß war das Angebot an offenen Denkmälern im Raum Hechingen. Publikumsliebling Nummer 1: der Fürstengarten.

Für gewöhnlich sind es in Hechingen wie auch anderswo steinerne Bauten, die am Tag des offenen Denkmals ein großes Publikum anziehen. Mit dem Fürstengarten kann die Zollernstadt aber auch ein ganz besonderes „grünes Denkmal“ vorweisen. Ein fürstliches Erbe von unschätzbarem Wert, in dem es viel zu entdecken gibt.

Am Sonntag konnte der Park unter fachkundiger Leitung erkundet werden: Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal, ein gebürtiger Tübinger, der in Frankfurt ein Planungsbüro betreibt und mit der Erstellung des Pflegewerks für den Fürstengarten beauftragt ist, führte mehr als 30 Interessierte durch den Park. Unter den Besuchern waren auch Hechingens Erste Beigeordnete Dorothee Müllges, der Leiter des städtischen Sachgebiets „Forst und Natur“, Rainer Wiesenberger, sowie die CDU-Stadträtin und gelernte Forstfachfrau Regina Heneka.

Ihren Anfang nahm die Führung vor der Villa Eugenia, wo Albrecht Schaal auf den Achsenverlauf zwischen Gebäude und Eingangstor hinwies. „Hier erlebt man eine ganz enorme Symmetrie“, ließ der Experte wissen und ging auf den beeindruckenden visuellen Effekt ein, der durch die Mittelachse und die geometrischen Elemente auf dem Platz vor der Villa erzeugt wird.

Angelegt wurde der Fürstengarten als klassischer englischer Landschaftsgarten im Stil eines „Pleasuregrounds“; ein Vergnügungsgarten, in dem geometrische Elemente erlaubt sind. In seiner Blütezeit, die um 1826 einsetzte und eng mit dem Wirken der Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen zusammenhing, wies er mehrere eingestreute Beete, gezielt angelegtes Buschwerk, genannt „Shrubberies“, einen Schattengang sowie ein ganzes Netz an Spazierwegen auf. „Das eigentliche Kunstwerk waren hier nicht die Gebäude, sondern die Pflanzen“, so Schaal.

Ein weiteres wichtiges Gestaltungselement stellten die Sichtachsen dar, die an mehreren Stellen immer wieder den Ausblick auf das Feilbachtal und vor allem natürlich auf die Burg Hohenzollern freigaben. „Die Burg wurde hier an verschiedenen Stellen richtiggehend gefeiert“, betonte der Experte.

Heute sieht das ganz anders aus. Die Umgebung der historischen Anlage hat sich durch Bebauung verändert, viele der Wege wurden verlegt und verbreitert, von den Sichtachsen ist „nach jahrzehntelanger Pflegevernachlässigung“ nichts mehr übrig. Auch die beiden Brunnen, die sich einst im rückwärtigen Bereich der Villa befanden, sind längst nicht mehr da.

„Man muss beachten: Das hier war ein ausgereiftes Gartenkunstwerk, in dem ganz besondere Stimmungen erzeugt wurden“, unterstrich Schaal. Kein gewöhnliches, sondern ein begehbares, lebendiges. Denn all das Grün darin lebt und wächst. Der Park sei viel zu lange sich selbst überlassen worden. Nun gelte es, ein Kunstwerk, das beschädigt, aber noch nicht zerstört sei, zu retten. Gärtnerische Kontinuität sei dabei wichtig: „Es ist phantastisch, was hier einmal alles war und auch noch ist; damit muss sensibel umgegangen werden.“

Die ersten Schritte hierzu sind schon gemacht, etwa am Tempelhügel. In den kommenden fünf Jahren soll sich, wenn es nach den Planungen des Landschaftsarchitekten geht, noch viel mehr tun. Sein dringender Rat: „Man muss jetzt einfach anfangen und darf keine Angst vor Eingriffen haben.“ Letztere sollten aber sehr behutsam und mit Rücksicht auf die Natur vorgenommen werden, denn der Fürstengarten beherbergt viele seltene Tierarten.

Ein bisschen geträumt werden darf auch: Ein großer, aber auch kostspieliger Wunsch wäre, zwischen dem Weißen Häusle und einem „Point de vue“ in Richtung Feilbachtal wieder einen „Schattengang“ zu errichten. Auch die Hinzunahme des Areals der Villa Silberburg wäre wünschenswert. Dann könnte der Fürstengarten irgendwann vielleicht wieder in alter Pracht erstrahlen.

2

Brunnen hat es einst im rückwärtigen Bereich der Villa Eugenia gegeben. Von denen ist nichts mehr da. Die Stadt will den Fürstengarten nun aber konsequent wiedererwecken.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel