Hechingen GR

Der große Parkplatz an der Firststraße, ist begehrt. Zwei Kaufinteressenten hat die Stadt inzwischen: die EJL-Gruppe und ein weiteres Unternehmen, das noch nicht genannt werden will. Vorgesehen ist bei beiden Investoren Wohnbebauung mit Tiefgaragenstellplätzen.
Der große Parkplatz an der Firststraße, ist begehrt. Zwei Kaufinteressenten hat die Stadt inzwischen: die EJL-Gruppe und ein weiteres Unternehmen, das noch nicht genannt werden will. Vorgesehen ist bei beiden Investoren Wohnbebauung mit Tiefgaragenstellplätzen. © Foto: Ernst Klett
Hechingen / Ernst Klett 06.10.2018

Es waren erstaunlich viele Hechingerinnen und Hechinger, bunt gemischt aus den verschiedensten Interessenlagen, die sich ab Februar des Jahres 2012 regelmäßig im Konstantinsaal der Stadthalle zusammenfanden. Es wurde engagiert und ausführlich diskutiert in dieser sogenannten Bürgerwerkstatt des  Landesprojektes „Kleinstadtleben“. Im Zentrum stand wie in zwei weitere Kommunen Baden-Württembergs die bange Frage, wie um alles in der Welt die Innenstadt mehr Volk bekommen  könnte. Ziemlich flott einigte sich die mit Fachleuten des Landes und selbstredend ebensolchen der Stadtverwaltung angereicherte Runde auf ein Vorhaben: den Obertorplatz. Wenn der endlich ein neues Gesicht bekommen würde, das hätte Signalwirkung für die ganze Stadt.

Es war von Anfang an klar, dass der Platz viel weniger Teer haben und viel mehr Grün bekommen muss. Und die Autos? Weg damit. Nur wohin mit ihnen? Das wurde bereits damals  kontrovers behandelt. Auffallend häufig wurde ein Parkhaus auf dem Firstparkplatz genannt. Von einer Tiefgarage unterm Platz aber war nicht die Rede. Das hat Bürgermeister Philipp Hahn, der zur Zeit der Bürgerwerkstatt noch nichts von seinem späteren Hechinger Glück geahnt hatte, nachträglich recherchiert. Man weiß es: Die Legende vom „Kleinstadtleben“ und der tiefen Garage, die wurde erst eine gute Zeit nach Beendigung der Bürgerwerkstatt geboren. Und dies von keiner Geringeren als der Vorgängerin von Philipp Hahn, Dorothea Bachmann. Eingeweihte Kreise versichern hartnäckig, dass ihr diese Idee vom Platzplaner, dem aus Grosselfingen stammenden und am Bodensee residierenden Johann Senner, unterbreitet wurde. Hechingens erste Frau im Bürgermeisterzimmer wiederholte die falsche Geburtsstunde munter.

Fünf Jahre, ein gescheitertes Bürgerbegehren gegen das Millionenprojekt und langwierige Auseinandersetzungen vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen und dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim später, ist nun der Weg endlich frei für den neuen Obertorplatz. Ob der zuvor eine mindestens zwei Jahre währende Großbaustelle für die inzwischen mit 6,5 Millionen Euro gehandelte Tiefgarage bekommt oder nicht, entscheidet sich im Gemeinderat am Donnerstag, 8. November. Nach wie vor gilt der mit überwältigender Mehrheit gefasste Baubeschluss. Weil seither aber viel Regenwasser über den Platz geflossen ist und weitere Alternativen existieren, sind sich Stadt und Stadträte einig geworden, dass ein zweites Votum nicht schaden könnte.

Es gibt Alternativen

Am Donnerstag dieser Woche ging es im Gemeinderat ums Vorgeplänkel: Gibt es anderswo ausreichend Stellplätze? Es gibt, wie am Freitag berichtet. Allerdings durch Zusammenarbeit mit Privatinvestoren auf dem HZ-Gelände und dem Firstplatz. Energisch abgebürstet wurde die ins Spiel gebrachte Möglichkeit, auf dem Obertorplatz doch wieder mehr oberirdisches Parken zuzulassen und „Parkreserven“ in einiger Entfernung zu aktivieren.

Die einstige Mehrheit für die unterirdische Großgarage ist  zwar gebröckelt, aber noch deutet sich weiterhin kein eindeutiger Umschwung an. Margret Simoneit (SPD) sprach sich gegen das Zusammentun mit privaten Investoren aus: Die Stadt habe mit Hallenbad, Stadion und Mensa gezeigt, dass sie es allein  könne. Außerdem sei die Firststraße, anders als von der Stadt behauptet, nicht dafür geeignet, noch mehr Autoverkehr als Zufahrt zu den privaten Tiefgaragen aufzunehmen. Werner Beck stellte die ketzerische Frage, ob die Stadt mit ihrer Drucksache den Weg freimachen wolle zu oberirdischen Parkplätzen. Das verneinte der Bürgermeister ausdrücklich. Philipp Hahn räumte ein: Er selbst müsse das erst kurz vor der Sitzung fertiggestellte Papier aus der Werkstatt von Stadtbaumeisterin Helga Monauni erst einmal auf sich wirken lassen. Zumindest am Donnerstag war der Verwaltungschef noch nicht in der Lage, eine klare Empfehlung zu geben. Dass Hahn von Anfang an kein Freund der Tiefgarage war, sei am Rande angemerkt.

Damals war man noch arm

Manfred König (CDU), ein glühender Anhänger eben dieses Projekts, arbeitet derweil weiter an der Bürgerwerkstatt-Legende. Damals sei Hechingen eben noch eine arme Stadt gewesen ohne die Gewerbesteuer-Millionen der jüngsten Zeit. Auch habe man zur Zeit des „Kleinstadtlebens“ nichts geahnt von den 1,5 Millionen Euro Landeszuschuss. Königs Theorie: Hätte man vom vielen Geld gewusst, dann wäre die Tiefgarage schon im Konstantinsaal geboren worden.

Bürgermeister Philipp Hahn erinnerte sofort anschließend daran, dass die Stadtwerke als Bauherr der unterirdischen Stellplätze kaum mehr einen ordentlichen Wirtschaftsplan zustände brächten, würden sie bauen müssen. Manfred König wiederum schlug erneut vor, aus dem Kernhaushalt umzuschichten.

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