Von einer Schicksalswahl ist allenthalben die Rede, wenn die Bürger in 28 europäischen Ländern in diesen Tagen zur Wahl des Europäischen Parlaments aufgerufen sind – in Deutschland am morgigen Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Weil es darum geht, ob die politischen Kräfte die Oberhand behalten, die die Europäische Union gestärkt sehen möchten, oder aber jene übermächtig werden, die auf Zerfall der Union und Nationalismus setzen, wird eine höhere Wahlbeteiligung erwartet als vor fünf Jahren. Damals lag sie in Deutschland bei 48 Prozent, im Zollernalbkreis mit 48,8 geringfügig darüber. Spitzenreiter im Hohenzollerischen war die Gemeinde Jungingen mit weit überdurchschnittlichen 59,7 Prozent.

Keine Überraschung wäre es, würde die Killertalgemeinde morgen Abend diesen Spitzenplatz verteidigen. Schließlich ist die einzige Hohenzollerin unter den 382 Kandidaten aus 40 Parteien, die auf dem grauen Europawahl-Stimmzettel stehen, eine Jungingerin: Heide Pick, 56-jährige Vorsitzende der CDU Jungingen und Kreisvorsitzende der Europa-Union. Die selbstständige Frau aus der Medienbranche, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Töchter, steht auf Platz 9 der CDU-Landesliste. Damit bräuchte sie zwar ein größeres Polit-Wunder, um den Sprung nach Brüssel und Straßburg zu schaffen, aber ein Statement für die Zollernalb ist ihre Kandidatur allemal.

Große Chancen, seinen 2014 erstmalig geholten Sitz im Europaparlament zu verteidigen, hat der Spitzenkandidat der CDU Württemberg/Hohenzollern, Norbert Lins aus Pfullendorf. Der 41-jährige, verheiratete Vater von vier Kindern rangiert auf Platz 4 der christdemokratischen Landesliste und sollte es damit zumindest dann nach Brüssel schaffen, wenn die Union, die 2014 deutschlandweit mit 35,5 Prozent stärkste Partei wurde, nicht komplett abstürzt.

Noch sicherer scheint der Einzug von Andreas Glück ins Europaparlament. Der Chirurg aus Münsingen, der für seine FDP noch Abgeordneter des Wahlkreises Hechingen/Münsingen im Stuttgarter Landtag ist, steht auf Rang 3 der FDP-Bundesliste. Grob übersetzt bedeutet das: Wenn die Liberalen bundesweit annähernd drei Prozent holen, ist der 44-jährige, verheiratete Vater zweier Töchter, im EU-Parlament dabei (Eine Fünf-Prozent-Hürde gibt es bei der Europawahl nicht!). Für Glück würde das bedeuten, dass er das Landtagsmandat an seinen Ersatzkandidaten, den Metzinger Rudi Fischer, abgibt und den Abflug nach Brüssel macht.

Eine vierte Bewerberin aus der Region, deren Name auf dem Stimmzettel zu finden ist, ist die Tübingerin Claudia Heydt. Die 51-jährige Friedensforscherin und Hochschuldozentin rangiert auf Platz 7 der Bundesliste der Linken. Bislang ist die Linke mit sieben Abgeordneten in Brüssel vertreten. Sollte ihre Partei also das Bundesergebnis von 7,4 Prozent von 2014 annähernd wiederholen, wäre Claudia Heydt gewählt.

Unter den Top-Ten-Kandidaten der übrigen Parteien finden sich keine Namen aus der Region Neckar-Alb. Einzige Ausnahme: Spitzenkandidatin der „Partei für die Tiere“, Nummer 38 auf dem Wahlzettel, ist die Albstädter Diplom-Wirtschaftsjuristin (FH) Gina Bechtold.

Das Europa-Wahlergebnis von 2014


So wählte die Zollernalb bei der Europawahl 2014: Die CDU überragte mit 45,5 Prozent, gefolgt von der SPD mit 19,9 Prozent. Auf Platz drei: die Grünen mit 9,1 Prozent vor der AfD mit 8,5 Prozent, der FDP mit 4,4 Prozent und der Linken mit 3,1 Prozent.

Hohenzollerische Spitzenresultate erzielte die CDU mit 51,1 Prozent in Burladingen, die SPD mit 23,5 Prozent in Bisingen, die Grünen mit 13,5 Prozent in Jungingen, die AfD mit 10,2 Prozent in Bisingen, die Linke mit 4,6 Prozent in Jungingen und die FDP mit 5,4 Prozent ebenfalls in Jungingen.

Die vorläufigen Ergebnisse der morgigen Europawahl im Zollernalbkreis wird der Landkreis am Wahlabend voraussichtlich ab 21 Uhr auf seiner Homepage veröffentlichen.