Hechingen Glaube trägt durchs Leben

Die Konfirmationsjubilare gestern Morgen vor der Hechinger Johanneskirche. Foto: Matthias Linckersdorff
Die Konfirmationsjubilare gestern Morgen vor der Hechinger Johanneskirche. Foto: Matthias Linckersdorff
Hechingen / MATTHIAS LINCKERSDORFF 17.03.2014
Nicht nur die Sonne lachte, als sich die Konfirmandenjubilare gestern Morgen vor der Johanneskirche zum Phototermin aufstellten. Sie feierten ihre Konfirmation - vor 50, 60 oder gar 70 Jahren.

Ein Lächeln huschte über die Lippen von Heinz Bensch, der als ältester Mann neben vier Damen nicht nur seine so genannte Gnadenkonfirmation, (70 Jahre) mit knapp 40 anderen Jubilaren (Goldene: 50 Jahre, Diamantene: 60 Jahre, Eiserne Konfirmation: 65 Jahre) im anstehenden Gottesdienst feiern durfte, sondern zugleich auch noch seinen 84. Geburtstag. So zufrieden und Zuversicht ausstrahlend wie er es als gepflegter älterer Herr im Anzug mit korrekt gebundener Krawatte tat, wirkte auch die gesamte Gruppe.

Bei Beginn des Gottesdienstes zogen die Jubilare, ganz so wie sie es vor 50,60 oder 70 Jahren taten, in einer Zweierreihe in die Johanneskirche ein, die durch das herrliche Sonnenlicht, das durch die Kirchenfenster schien, auf das Herrlichste farbenfroh illuminiert wurde.

Anders als es Pfarrer Herbert Würth von der anwesenden Witwe des damaligen Pfarrers Dr. Burkert mitgeteilt wurde, nahmen nun alle in den vorderen Reihen Platz. 1964, also vor 50 Jahren, wurde dies zwar bei der Konfirmation ebenso gehalten, im davor liegenden Konfirmandenunterricht schienen sich jedoch - namentlich nicht genannte - Konfirmanden trotz "Vorne-Sitz-Gebot" auch auf der Empore wohl zu fühlen . . . um mitunter den Gottesdienst vorzeitig verlassen zu können.

Trotzdem wurde bei den 64ern mit großem Ernst das Bekenntnis zu Gott und der Kirche abgelegt. In jenem Jahr wurde nicht nur der kürzlich verstorbene Südafrikaner Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt, sondern mit Martin Luther King ein weiterer, dem christlichen Glauben folgender Mensch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

In jenem Jahr also sind die Goldenen Konfirmanden ihren ganz persönlichen Bund mit Gott eingegangen, seit 1964 sind sie Mitglieder einer Kirchengemeinde.

Ihr Kommen am Jahrestag ihrer Konfirmation zeigt die Tragfähigkeit ihres Glaubens, der sie durch ihr Erwachsenensein begleitet hat. Pfarrer Würth stellte in seiner Predigt mit Bezug auf den Hebräerbrief 11 aber auch die Gefahr der Erlahmung des Glaubens, des stetigen Zweifel am Unsichtbaren, am Göttlichen dar.

In einer immer komplexer werdenden Welt würde es immer schwieriger, seinen Lebensweg zu finden. Hier aber helfe der Glaube, welcher ein sich Gott anvertrauen bedeute, und damit die Sicherheit, sich nicht anderen Menschen mental unterwerfen zu müssen. Der Bogen zum 50-jährigen Jubiläum-Glaube hilft beim Warten. Das Wesentliche braucht Zeit, muss wachsen. So umschließt der Glaube in jedem Alter auf jeweils andere Weise, jedoch mit der gleichen Geborgenheit. Als Begleiter durch die Höhen und Tiefen des Lebens bedeutet Glauben ein Vertrauen und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen.

Seine Hoffnung auf tatkräftige Unterstützung brachte Pfarrer Würth dann im Hinblick auf die anstehende Renovierung der Johanneskirche und des noch dafür fehlenden Geldes in Höhe von 76000 Euro zum Ausdruck. Angesichts der geplanten Gesamtkosten von knapp 400000 Euro sei dies eine noch zu bewältigende, aber eben auch erforderliche Summe.

Im Anschluss an den Gottesdienst mit einer integrierten Abendmahlfeier kehrten die Goldenen Konfirmanden dann noch gemeinsam ins Restaurant "Museum" ein, um sich über die alten Zeiten zu unterhalten.

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