Temperatursturz Anfang April, der Frühling macht Pause, und auch zwischen den Häusern Frauengartenstraße 6 und Marktplatz 1 herrscht Eiszeit. Zwischen Dr. Wilfried Gfrörer, dem mittlerweile schärfsten Kritiker der städtischen Obertorplatz-Pläne, und Bürgermeister Philipp Hahn gibt es aktuell keine Kommunikation. Dabei steht heute um 18.30 Uhr im Gemeinderat ein ganz wegweisender Punkt auf der Tagesordnung: der Aufstellungsbeschluss für die Bebauungsplanänderung, die unerlässlich ist, um den neuen Obertorplatz so zu gestalten, wie er vor Wochenfrist der Bürgerschaft vorgestellt wurde. Und genau in dieses Verfahren könnte der Obertorplatz-Orthopäde mit einem Widerspruch hineingrätschen und damit weitere monate- oder gar jahrelange Hängepartien heraufbeschwören.

Wird es aus dem Hause Gfrörer bald also nicht nur Leserbrief-Attacken gegen das Rathaus geben, sondern auch eine Klage? Der Arzt, der sagt, er habe seinen Neubau am Obertorplatz im Vertrauen auf eine ihm zugesagte Tiefgarage gebaut, und sich nun von Gemeinderat und Verwaltung böse verraten fühlt, hält sich auf Nachfrage der HZ bedeckt: „Dazu sage ich jetzt nichts.“ Durchblicken lässt Gfrörer jedoch: „Ich werde juristisch beraten.“ Auch bei der Bürgerinfoveranstaltung habe er seinen Rechtsbeistand dabei gehabt – „ein sehr renommierter Anwalt aus einer großen deutschen Stadt“.

Den Vorträgen im „Museum“ hat Gfrörer entnommen, dass der Schalldruck auf dem neuen Obertorplatz in keinem Haus mehr steigt als in seinem – um 2,8 db(A) tagsüber. „3 db(A) bedeuten eine Verdoppelung“, sagt Gfrörer. Dabei gehe die präsentierte Untersuchung sogar noch von falschen Annahmen aus. Die Form seines Gebäudes habe sich seither verändert, und am Ende werde die Planvariante D 6 statt D 4 zum Zuge kommen, was bedeute: „Gegenüber meinem Haus steht dann ein Kiosk, was den Schalldruck durch Reflektion weiter erhöht.“ Darüber, so Gfrörer, gehe man im Rathaus einfach hinweg. Genauso wie weder der Bürgermeister noch irgendein Stadtrat seit dem Tiefgaragen-Aus mit ihm gesprochen und ihm erklärt hätten, wo seine gehbehinderten Patienten künftig parken sollen. Gfrörer: „Mein Gebäude ist zugeschnitten auf die Bedingungen, die die Stadt gesetzt hat. Und kaum war es fertig, da heißt es: Ätschbätsch. So schneidet man mir Wasser und Brot ab. Ich gebe aber nicht kampflos auf.“