Hechingen GEW-Landeschefin rupft Stuttgarter Schulpolitik

Die Geehrten des GEW-Ortsverbands Hechingen zusammen mit der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft, Doro Moritz (erste Reihe, Zweite von links) und Mitgliedern des Kreisvorstands sowie Martina Jenter-Zimmermann (zweite Reihe, Erste von links), der Bezirksvorsitzenden der GEW.
Die Geehrten des GEW-Ortsverbands Hechingen zusammen mit der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft, Doro Moritz (erste Reihe, Zweite von links) und Mitgliedern des Kreisvorstands sowie Martina Jenter-Zimmermann (zweite Reihe, Erste von links), der Bezirksvorsitzenden der GEW. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 03.05.2018
Doro Moritz, die GEW-Landesvorsitzde, sprach in Hechingen hohe Ehrungen aus und kritisierte heftig die Schulpolitik.

Neben zahlreichen zu ehrenden Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßte deren Hechinger Ortsverbandsvorsitzender Josef Scheu jetzt die Landesvorsitzende Doro Moritz sowie die Bezirksvorsitzende Martina Jenter-Zimmermann. Für beste Unterhaltung bei der Veranstaltung sorgte das Kabarett-Trio „Volksdampf.“

In ihrem sehr dichten Referat zum Thema „Was brauchen unsere Schulen?“ zäumte Doro Moritz das Pferd von hinten auf. Sie fragte ihre zahlreichen Zuhörer im Hechinger „Fecker“ nämlich: „Was brauchen sie nicht?“ und gab damit schon einige Antworten auf die erste Frage. Als nicht gebraucht seien zu nennen die ständige Kritik der Ministerin, verbunden mit Weisungen und Vorgaben von oben. Auch brauche man kein Konkurrenzdenken unter den Schulen und kein großes Umsortieren beim Personal. Als unnötig erachtet werden Tests und zentrale Klassenarbeiten. Die Liste von Unnötigem und Unerwünschtem, von der Landesvorsitzenden penibel aufgeschlüsselt, war noch lang. Vor allem aber betonte sie: Die Schulen brauchten erst einmal Ruhe und müssten wissen wo es lang gehe, leide man doch noch unter den Fehlplanungen der letzten Jahrzehnte.

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Doro Moritz legte den Finger in die Wunden ihrer Ansicht nach verfehlter Schulpolitik. Was Wunder, dass die Grundschulen Baden-Württembergs in mancherlei Hinsicht die rote Bildungslaterne tragen würden. Stütz- und Förderkurse im Grundschulbereich seien abgebaut worden, obwohl großer Bedarf bestünde. Für Fortbildungen fehle Geld und für eine Vertretungsreserve Personal. Aussagen des Kultusministeriums müssten „richtig“ gelesen werden, würden doch Stellen, die nicht gestrichen werden, als zusätzliche Stellen gelten. Und die Aussage, dass der Unterrichtsausfall nur sehr gering sei, stimme nicht: Doro Moritz: „Die Kleinen werden dann halt auf andere Klassen verteilt, weil man sie nicht nach Hause schicken kann.“

Der Vorschlag, Gymnasiallehrer nach einem 15-Tage-Kurs als Grundschullehrer einzusetzen, sei für alle Beteiligten eine Zumutung. Die Gewerkschaftlerin ging auf viele weitere Punkte ein, die sie mit Beispielen aus dem Schulalltag belegte. Sie machte keinen Hehl daraus, dass ihre Argumente und Vorschläge zwar von der Kultusministerin angehört würden – aber sie vermisse das positive Echo. „Einen Dialog stelle ich mir anders vor“, sagte die Rednerin. Erstaunlich nannte sie die die geringe bildungspolitische Kompetenz im Landtag. Weniger erstaunlich: Die Ausführungen und Argumente von Doro Moritz gingen durchweg konform mit den Ansichten der Gäste.

Lachen mit „Volksdampf“

Gab es bei den zitierten Stellungnahmen und Aussagen des Kultusministeriums öfters Kopfschütteln und bedenkliche Mienen, folgten darauf freudiges Kopfnicken, gepaart mit Lachanfällen. Dafür sorgten Lisa Greiner, Reiner Muffler und Suso Engelhard, zusammen bekannt als das oberschwäbische Musikkabarett „Volksdampf“. Mit ihrem Programm „Schöne Grüße aus dem Hinterhalt“ trafen die drei immer wieder ins Schwarze. Themen, zum Teil musikalisch höchst vergnüglich aufbereitet, waren politische Korrektheit, Minderheitenschutz, der Unterschied zwischen „haben“ und „sein“, Jodeln als Beitrag zur Leitkultur und die Möglichkeit einer Moralamputation. Die begeisterten Gäste erlebten ein Feuerwerk amüsant verpackter durchaus tiefgehender Überlegungen, bei denen Lachen und Beifallsbezeugungen Hochkonjunktur hatten.

Zu jedem Jubiläumsjahr die passenden Schlagzeilen von einst

Solidarität und Treue Die Landesvorsitzende Doro Moritz und Ortsverbandsvorsitzender Josef Scheu übernahmen in Anwesenheit des durch Martina Jenter-Zimmermann, Bernd Romer, Sandra Blank, Thomas Wagner, Konrad Wiget und Karl Heilemann vertretenen Kreisvorstandes die Ehrung langjähriger Gewerkschaftsmitglieder und erinnerten bei Nennung der Eintrittsjahre an besondere Ereignisse, die damals Schlagzeilen machten. Es sei dankens- und begrüßenswert, dass Ehrungen vorgenommen würden, sagte Doro Moritz: „Das ist kein lästiges Ritual, sondern ein Dank für Solidarität, ein Dankeschön für eure Treue.“ Eine starke Interessenvertretung sei wichtig, und sie erinnerte daran, was durch Gewerkschaftsarbeit bereits erreicht worden sei. Erfreulich sei die steigende Mitgliederzahl.

Die Vierziger Zur Ehrung für 40 Jahre Mitgliedschaft standen an: Christa Junginger, Karl-Heinz Merz, Hildegard Heimann, Günther Stoiber, Horst Rein, Thomas Wagner, Friederun Stegmaier, Jakob Nadler, Dietmar Schneider, Hubert Walz, Michael Glass, Heidi Tscherny, Ursula Heinzler, Christa Landwehr, Max Kraske, Rosemarie Merz, Dieter Längst, Claudia Gebhart-Emberson, Hildegard Stang, Christa Zimmermann, Hans Günther Henne, Erika Schaupp-Schnirch, Norbert Jaksch, Helmut Opferkuch, Marlene Scheu, Wilfried Rombach, Winfried Wiedmann, Eckhard Gaiser, Ursula Vögele-Chevrier, Marlis Lehmann, Wolfgang Gunkel, Hans-Hennig Reckmann und Heide Finsterbusch

Die Fünfziger 50 Jahre in der GEW sind: Manfred Stützle, Veronika Glaser, Helene Sinz, Dietrich Scheubner, Hartmut Markert und Alfred Schäfer.

Ein Fünfundsechziger Gerhard Nagel blickt auf eine 65-jährige Mitgliedschaft zurück.

Das 68er-Jahr Hartmut Markert, lange Jahre Rektor der Hechinger Grundschule am Schloßberg, bedankte sich im Namen aller Jubilare. Er sei bekennender 68-er, sagte Markert und erinnerte an demokratischen Studentenbewegungen. „Ich bin politisch motiviert in die Gewerkschaft eingetreten“, ließ er wissen. Es sei erfreulich, dass die GEW wachse, und er hoffe, dass der Nachwuchs auch bereit sein werde, Verantwortung zu tragen.