Wie geht es nach den Schollians im Römischen Freilichtmuseum Stein weiter, wenn die mal aufhören? Diese Frage stellen sich viele, die den Verlauf der über 40-jährigen Geschichte seit Entdeckung eines römischen Landgutes im Jahr 1971 mit Interesse verfolgten. Spätestens seit der Gründung eines Fördervereins lag die Gesamtverantwortung für alles, was vor Ort geschah, in den Händen von Gerd Schollian. Aus den Anfängen heraus gelang es gemeinsam mit den jeweiligen Vorstandsmitgliedern, vielen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, dem Landesdenkmalamt und der Kommune, eine geschichtlich geprägte, touristische Einrichtung zu schaffen, die heute weltweit bekannt ist und bisher über eine Million Besucher anlockte.

Im Jahr 1971 ging es los

Über 40-jähriges ehrenamtliches Engagement sollten eigentlich für Gerd Schollian und seine Ehefrau Ursula genug sein. Während sich die Gattin im Herbst endgültig nach jahrzehntelanger Unterstützung ihres Ehemannes als Leiterin im Museumsshop und maßgeblich Verantwortliche in der Betreuung der Gäste aus den Diensten zurückzog, geschieht dies nun bei ihrem Ehemann auf Raten.

Es war ein lang gehegter Wunsch an die Vorstandsmitglieder, ihn von der ständig zunehmenden, nicht einfacher werdenden Arbeit in der Geschäftsführung und dem täglichen Betrieb vor Ort zu entlasten. Täglich früh morgens im Büro, tagsüber mit Rekonstruktionsarbeiten oder bei Ausgrabungen in der Anlage beschäftigt, abends und an Wochenenden wieder im Büro, Sitzungen und vieles mehr. Dazu kamen Ärger und Verdruss, weil man es eben doch nicht jedem recht machen kann. All dies will sich Schollian zukünftig weitgehend ersparen.

Das Hauptanliegen ist und war jedoch, selbst wenn Schollian sich immer noch fit genug fühlt, die Zukunft des Vereins und des Freilichtmuseums zumindest weitgehend in gute Hände zu legen. Diesen Wunsch zu erfüllen, beschäftigte das Vorstandsteam in mehreren Sitzungen. Das Ergebnis wurde in der jüngsten Zusammenkunft am vergangenen Freitag zusammengefasst, die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.

Trotzdem bleiben Gerd Schollian noch viele Aufgaben. Besonders die Fertigstellung des im Bau befindlichen Großprojekts, der Wiederaufbau des antiken römischen Tempelbezirks, der in dieser Form in Deutschland wohl einmalig ist, will er zu einem guten Ende bringen. Er wird auch künftig als Vorsitzender des Fördervereins für die Gesamtleitung verantwortlich sein. Er vertritt und repräsentiert den Verein in der Öffentlichkeit, pflegt Kontakte zu öffentlichen Stellen, leitet Sitzungen und Versammlungen, Personal- und Finanzangelegenheiten.

Johannes Ilg, der das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden abgeben will, hält sich derzeit noch zurück, um dem Verein wenigstens noch im Beisitz erhalten zu bleiben. An dessen Stelle soll Bernd Brunner aus Steinhofen rücken. Auf ihn kommen zahlreiche Verpflichtungen zu. Er vertritt den Vorsitzenden, leitet die Betriebsbereiche Kiosk, Gästebetreuung, Pflege der Anlage, Baulichkeiten, Veranstaltungen mit dem jeweiligen Arbeitsteam.

Iris Kappler, Mitinhaberin eines Rechtsanwaltsbüros in Echterdingen und langjährige Mitarbeiterin im Verein, führt weiterhin das Amt des Schriftführers. Sie vertritt den Verein in Rechtsfragen und wirkt aktiv bei allen Veranstaltungen mit. Das nicht einfache Amt des Kassiers wird weiterhin Rosi Schwerda aus Haigerloch ausführen. Ergänzt wird ihre Arbeit künftig im Finanz- und Abrechnungsbereich vor Ort. Gemeinsam mit Dr. Werner Reus und Karl Heilemann, Bodelshausen, betreut sie die Museumspädagogik. Walter Neidhart-Keuler aus Tübingen obliegt die Außendarstellung des Vereins. Webseite und Facebook werden von ihm betreut, außerdem der E-Mail-Account. Er regelt die gesamte Funktion eines EDV-gestützten Aufbaus. Im Archäologiebereich ist er Ansprechpartner für das Amt für Denkmalpflege.

Eine „Kelte“ ist neu mit dabei

Für den Bereich Realisierung der Werbekonzeption sind Nicole Dehner-Schollian, Laura Laub und Wolf Herter zuständig. Die fachliche Leitung des Museums liegt künftig in den Händen von Dr. Werner Reus aus Hechingen, unterstützt von Dr. Lehmann, Bisingen, Karl Heilemann und Rosi Schwerda. Für die Mitgliederverwaltung und Einzug von Mitgliedsbeiträgen sowie für die Erstellung der Römerzeitung ist Dieter Haug aus Reutlingen zuständig. Neu im Team ist Wolf Herter aus Simmersfeld vom Heidengraben, der sich als „Kelte“ schon einen Namen durch die Keltenfeste gemacht hat. Er will sich besonders für die baldige Verwirklichung eines geschichtlich orientierten Wanderweges rund um Stein stark machen.

Insgesamt wird die Vorstandsgruppe sich in allen Sparten gegenseitig unterstützen und so dafür sorgen, dass auch in Zukunft der Verein mit finanzieller Unterstützung der Stadt Hechingen und des Zollernalbkreises in der Erfolgsspur bleibt.

Verdienste von Ursula Schollian gewürdigt


Adieu Nach über 40-jähriger Mitarbeit seit Beginn der archäologischen Untersuchungen wurde Ursula Schollian, die Gattin des Vorsitzenden Gerd Schollian, in den Ruhestand verabschiedet. Mitglieder des Vorstandes würdigten mit einem Abschiedsgeschenk die besonderen Verdienste, die sich Ursula Schollian in all den Jahren erworben hat.

Selbst gegraben Bereits in den Anfangsjahren scheute sie sich nicht, aktiv an den ersten Ausgrabungen mitzuwirken. Nach Gründung des Fördervereins 1978 übernahm sie fürsorglich zusammen mit Mitgliedern die Versorgung und Betreuung von Ausgräbern und Besuchern. Ab Eröffnung des Freilichtmuseums und Einrichtung eines Kioskes undMuseumsshops übernahm sie dafür die Verantwortung und schuf so die Grundlage für einen geregelten Ablauf des jeweiligen Tagesgeschehens.

Fast jeden Tag Sauberkeit der Museumseinrichtung, einen gepflegten, freundschaftlichen Umgang mit Gästen und Mitarbeitern pflegend, war für sie oberste Priorität. Fast täglich sah man sie während der Saison von früh bis spät in der Anlage. Sie hinterlässt nun ein wohl funktionierendes, im Laufe der Jahre zusammengewachsenes Team im Kiosk- und Museumsbereich.