Hechingen hat in diesem Jahr im Wald einen Sonderweg eingeschlagen. Seit dem 1. Juli wird der Stadtwald nicht mehr vom Landkreis bewirtschaftet, wie es seit 1981 üblich war, sondern von einem eigenen Stadtförster. Als solcher zog Rainer Wiesenberger, der offiziell „Sachgebietsleiter Forst und Natur“ heißt, am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates seine erste Bilanz. Es war alles in allem eine positive.

Keinen Sonderweg konnte Hechingen selbstredend bei den „Rahmenbedingungen für die Forstwirtschaft“ einschlagen. Die Wälder auf Hechinger Gemarkung litten genauso unter der anhaltenden Trockenheit wie die in den kreistreuen Nachbargemeinden – und auch der Preisverfall auf dem Holzmarkt, den Wiesenberger beklagte , ging nicht an Hechingen vorüber. Ausgelöst wurde dieser durch den Orkan Friederike im Januar, befördert durch den Borkenkäferbefall im Laufe des trockenen Jahres und auf die Spitze getrieben durch den Sturm Vaia im Oktober. „Der Holzmarkt“, schilderte Wiesenberger die Misere, „ist komplett überfüllt. Bei der Fichte haben wir einen Preisrückgang um 30 Prozent. Das belastet natürlich die Ertragslage.“

Und dennoch – das ist die gute Nachricht für den Stadtsäckel – ist es gelungen, im zu Ende gehenden Forstwirtschaftsjahr nicht nur 80.000 Euro Überschuss zu verbuchen (wie es geplant war), sondern gut 100 000 Euro. „Damit sind wir immerhin rund 25 Prozent über Plan“, stellte der Stadtförster zufrieden fest.

Komplett planmäßig ist der Holzeinschlag verlaufen. Wie angekündigt wurden 8000 Festmeter Holz gemacht. Wiesenberger sprach von einer „Punktlandung“ und mit Blick auf den Vollzug des zehnjährigen Forsteinrichtungswerkes, das in diesem Jahr zu Ende geht, von ebenso großer Exaktheit. „83 000 Festmeter Einschlag waren in zehn Jahren geplant. 82 670 sind es im Abschluss. Das ist fast schon Planwirtschaft.“

Im Detail wird freilich manches unplanmäßig. Für dieses Jahr beklagte Wiesenberger einen 20-prozentigen Anteil von „zufälliger Nutzung“. Im Klartext: Jeder fünfte Baum, der umgemacht wurde, fiel einem Sturm, dem Borkenkäfer, dem Eschentrieb­sterben oder einer anderen Krankheit zum Opfer. Das, so machte der Förster deutlich, sei etwa zehnmal so viel wie sonst. Und 2019 werde es wohl nicht besser werden, denn der Borkenkäfer wird weiter nagen, wenn sich die von den Förstern dringend ersehnte Feuchtigkeit nicht nachhaltig einstellt. Denn ins neue Jahr startet der Hechinger Wald laut Wiesenberger mit einem Niederschlagsdefizit von 300 Liter pro Quadratmeter. Durchschnittlich fallen 850 Liter im Jahr, 2018 waren es nur rund 550.

Ob denn der Hechinger Wald gegen mehr solcher Trockenperioden gefeit sei, wollte SPD-Fraktionschef Jürgen Fischer wissen. Wiesenberger prophezeite, dass die flachwurzelnde Fichte gewaltige Probleme bekommen werde. Buche und Eiche, die beide im Hechinger Wald stark vertreten sind, kämen mit der Klimaerwärmung glücklicherweise am besten zurecht. Um den Wald zukunftsfest zu machen, brauche man „einen bunten Strauß an Baumarten“. Deshalb pflanze man viel Eiche, aber auch Douglasie und Tannenarten, Kirsche und Elsbeere.

Das heißt nun wiederum nicht, dass im nächsten Jahr ausgiebig Fichten geschlagen werden, im Gegenteil: Wegen des niedrigen Preises will Wiesenberger vermehrt beim Laubholz die Säge anlegen lassen. Was die wirtschaftlichen Perspektiven angeht, dämpfte der Stadtförster die Erwartungen: Mehr als 50 000 Euro Überschuss seien 2019 wohl nicht drin, denn man müsse verstärkt in Zäune (gegen den Verbiss junger Bäume durch Rehe) und in Nachpflanzungen investieren. 20 000 Euro sind außerdem für ein Allradfahrzeug reserviert, das Revierleiter Wiesenberger braucht.

Schiere Notwendigkeit, kein Lohn dafür, dass Wiesenberger sein Debüt(halb)jahr als Stadtförster so gut bewältigt hat. Verbales Lob und ein einstimmiges Votum für seinen Waldwirtschaftsplan 2019 erhielt er dennoch. Stadtverwaltung und Gemeinderat durften die Auffassung gewinnen, mit dem Hechinger Sonderweg im Wald nicht auf dem „Holzweg“ zu sein, wie Landrat Günther-Martin Pauli einmal geunkt hatte, sondern auf einem sehr soliden Pfad.