Hechingen Gefühlt Große Kreisstadt

Hechingen / Ernst Klett 16.01.2019
Bürgermeister Philipp Hahn hatte ausschließlich gute Nachrichten beim Neujahrsempfang. Die schönste: Es soll so bleiben.

Mindestens drei Knallermeldungen aus einem Füllhorn positiver Bilanzen und Ausblicke hatte das Hechinger Stadtoberhaupt für die sehr zahlreichen Besucher des Neujahrsbürgertreffs parat. Vielleicht die wichtigste Ankündigung: Der Spatenstich für den neuen Obertorplatz ist im September – diesen Jahres! Für vielleicht noch mehr Menschen  wichtiger: Hechingen ist endlich Große Kreisstadt. Oder auch nicht. Denn die magische Grenze von 20 000 Einwohnern ist zwar überschritten. Aber dies gilt allein für die Zahlen, die das Hechinger Einwohnermeldeamt nennt. Da sind Ende 2018 exakt 20 747 Menschen vermerkt. Hurra! Nein. Denn das ausschlaggebende Statistische Landesamt anerkennt nur 19 253 Personen (Stand 30. Juni).

Furchtbar viel Geduld wird es freilich nicht mehr brauchen, bis das offizielle Siegel verliehen wird. Dafür sorgt, und das ist  Knallermeldung Nummer 3, auch der Junginger Bauträger Denkinger. Die Firma baut auf dem früheren Gärtnerei-Areal an der Heiligkreuzstraße eine voluminöse Wohnanlage: Auf der innerörtlichen Freifläche entstehen insgesamt 29 Eigentumswohnungen mit Tiefgarage.

Dass man in der Zollernstadt zu wenig das viele Gute sieht, darüber hatte Philipp Hahn im Jahresschlussgespräch mit der HZ dezent Klage geführt. Den kategorischen Zweiflern präsentierte der Bürgermeister beim Neujahrempfang eine trotz eingeschränkter Redezeit sehr stattliche Liste mit Projekten, die eben dieses Gute vor Augen führen und laut Hahn zeigen, wie die Lebensqualität in der Stadt verbessert wird. Da ist zum Beispiel das neue Hallenbad, das rege genutzt wird, dessen Betriebsablauf noch „optimiert“ wird – und eines Tages, wenn es nach dem Verwaltungschef geht, auch einen Rutschenturm und eine Sauna bekommt. Da ist ebenfalls der Neubau für die Realschule, die damit den Ganztagesbetrieb einführen kann und noch attraktiver wird, sogar über die Kreisgrenzen hinaus. Total praktisch: Das neue Gebäude kann problemlos aufgestockt werden. Ebenfalls bestens, aber nur in Stichworten: die neue Drehleiter, Sanierungsbeginn am jüdischen Friedhof, Ladestationen für E-Autos, neue Fahrradwege, zusätzliche Rettungswege an den Schulen, Naturkindergarten, Straßensanierung im Weiher – und das alles, alles ohne neue Schulden!.

Munter weiter geht es in diesem Jahr: Da ist die Zusage des Bürgermeisters, dass im September definitiv die Neugestaltung des Obertorplatzes startet. Als Schwerpunktthemen genannt, allerdings ohne Datum, wurden von Hahn die Bebauung des Firstplatzes, die zukünftigen Parkmöglichkeiten, die Nutzung der Orangerie und die Zukunft des Aviona-Areals durch den Landkreis. Klarheit kündigte Hahn an bei der Neubebauung des Grundstücks Marktplatz 3 – über das mehrfach nachgebesserte Baugesuch der EJL-Gruppe wird im Frühjahr entschieden. Gewissheit über die neue Nutzung der einstigen Hof-Apotheke soll es dieses Jahr ebenfalls geben. Der Bürgermeister will weiterhin in den Immobilienmarkt eingreifen, wenn dies elementare Interessen der Stadtentwicklung erfordern. Eröffnung feiert der städtische Betriebshof in der Alten Rottenburger Straße am 20. Oktober (am alten Standort Gammertinger Straße wird Platz gemacht für Wohnbebauung durch die Firma EJL), voraussichtlich im Juni wird mit dem Rückhaltebecken Reichenbach das größte Hochwasserschutz-Projekt fertig sein. Etwas länger dauert es, bis mit dem ersten Abschnitt auf dem Killberg wieder ausreichend Bauplätze zur Verfügung stehen: Herbst 2021 soll es soweit sein.

Die Stadtteile kommen selbstredend auch nicht zu kurz. Beispielhaft genannt wurden der Dorfplatz Boll, die Gässlebrücke in und die Turnhalle von Schlatt sowie das Rathaus Stein. Das dritte Jahr in Folge gibt Hechingen zwei Millionen Euro aus für die Verlegung von Glasfaserkabeln. Die schöne, neue Medienwelt hatte beim Bürgertreff Kleinpremiere: Im „Museum“ war am Mittwochabend erstmals kostenloses WLAN zu haben.

Und wem hat die Zollernstadt das auch fürderhin sehr einträgliches Auskommen zu verdanken? Philipp Hahn sagte es deutlich und mit viel Dank: der heimischen Wirtschaft. Die sorgt dafür, dass die Gewerbesteuer segensreich fließt. Allen voran nannte er die Medizintechnik mit ihrem Innovationsmeister Lars Sunnanväder, würdigte aber genauso alle anderen Branchen: „Wir haben auch sehr erfolgreiche Handwerker, wie erfolgreiche Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, und der Marktführer bei Klimaschränken, die Firma CTS, hat ebenso seinen Sitz in Hechingen.“

Dank gab es vom Bürgermeister ebenfalls für die vielen ehrenamtlich Engagierten.

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