Jungingen Gedenken zehn Jahre nach dem Hochwasser

Jungingen / Horst Bendix 04.06.2018
In einem beeindruckenden ökumenischen Gottesdienst gedachten zahlreiche Menschen der Flutkatastrophe vom 2. Juni 2008.

Das Wasser geht mir bis an die Kehle“: Diesen Satz aus Psalm 69 zog der evangelische Pfarrer Herbert Würth heran, um der Gemeinde die dramatischen Ereignisse vom 2. Juni 2008 noch einmal vor Augen zu führen.

Zahlreiche Besucher, darunter der Junginger Bürgermeister Harry Frick, aber auch viele Auswärtige, wohnten am Freitagabend dem Wortgottesdienst zum Gedenken an die Hochwasserkatastrophe bei, der von den beiden Pfarrern Konrad Bueb von der Seelsorgeeinheit Burladingen-Jungingen und Herbert Würth von der evangelischen Kirche Hechingen in ökumenischer Gemeinsamkeit zelebriert wurde. Angesichts des epochalen Ausmaßes der damaligen Geschehnisse hätten es aber auch noch mehr Gäste sein können.

Alfred Schäfer bespielte zur Freude der Anwesenden die Orgel. Besonders eindrucksvoll war das Lied von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Die Inbrunst, mit der dieses Lied von der ganzen Gemeinde gesungen wurde, machte deutlich, wie sehr die Erinnerung an den Abend der Naturkatastrophe die Menschen im Killer- und Starzeltal auch zehn Jahre danach noch bewegt.

Pfarrer Herbert Würth begrüßte die Besucher und erinnerte an das fürchterliche Unwetter vor zehn Jahren, das drei Tote, etliche Verletzte und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe forderte. „Bei manchen“, stellte Würth fest, „hat sich die Angst so sehr eingebrannt, dass bei Donner und Starkregen ein beklemmendes Gefühl oder gar Panik ausbricht.“ Manche Betroffene seien bei Gewittern immer noch traumatisiert.

Pfarrer Würth sprach aber auch andere ungute Folgen des Hochwassers an, die in den betroffenen Gemeinden zu spüren waren. „War es“, so redete er den Menschen ins Gewissen, „vor zehn Jahren nicht auch so, dass neben aller Solidarität manche Wut auf andere aufkam? Auf solche, die leichtfertig daherredeten? Oder die es nicht so stark getroffen hatte? Auf die Gaffer?“ Seine Bitte an Gott lautete daher: „Schaffe eine Solidarität der Betroffenen!“

„Das Wasser geht mir bis an die Kehle“: Aus aktuellem Anlass richtete Pfarrer Würth den Blick aber auch über das Killertal hinaus und schloss die Menschen, die dieser Tage in Nordrhein-Westfalen, in Sachsen oder im fernen Ruanda von Fluten bedroht sind, in das Gedenken und in die Fürbitten mit ein.

Weite Passagen seiner beeindruckenden und mitfühlenden Ansprache widmete Würth der Angst, die das Hochwasser auslöste. Er empfahl, zu dieser Angst zu stehen, sie nicht zu verdrängen. „Wir müssen uns nicht stärker geben als wir sind.“ Der Pfarrer riet auch dazu, über die eigene Angst zu reden, anstatt das Belastende mit sich selbst auszumachen: „Allein schon durch das Reden kann sich etwas in uns lösen.“ Pfarrerinnen und Pfarrer böten sich als Gesprächspartner an. Und schließlich biete sich der Glaube an einen Gott an, der stärker als der Sturm und stärker als der Tod sei: „Wir sind nicht allein in den Stürmen und mit den Ängsten.“

Die Fürbitten galten den Frauen, die vor zehn Jahren ihr Leben lassen mussten, aber auch allen anderen Betroffenen, den vielen mutigen Helfern und Rettungskräften.

Das Matthäus-Evangelium  („als der Sturm losbrach und die Jünger große Angst bekamen“) hatte der katholische Pfarrer Konrad Bueb verlesen. Er war es auch, der die Gemeinde mit dem Segenswunsch entließ: „Eine gesegnete Zukunft – und dass wir von Hochwasser verschont bleiben.“

Unterstützung für ein Projekt in Ruanda

Die Spende der Gottesdienstbesucher geht an die Hechinger Hilfsorganisation „Kinder brauchen Frieden“. Konkret wird das Projekt von Dr. Uta Düll unterstützt, die seit mehr als 15 Jahren im Süden des afrikanischen Landes Ruandas ein Krankenhaus betreibt. Auch Ruanda wird seit Monaten von Flutkatastrophen heimgesucht.

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