GEDANKEN ZUM SONNTAG: Unsere Verstorbenen und wir

Dr. Johannes Holdt, Leitender Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal.
Dr. Johannes Holdt, Leitender Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal.
SWP 31.10.2014

In Deutschland wird mittlerweile fast jeder dritte Gestorbene ohne Namen und ohne Grabstein bestattet, in Ostdeutschland sogar jeder Zweite. Das ergaben Studien der Universität Leipzig. Als Hauptgrund wird genannt, dass christliche Traditionen sowie familiäre Bindungen verloren gegangen sind.

Diese Meldung war vor einiger Zeit zu lesen. Sie macht betroffen, aber sie benennt eine Realität in unserem Land. Die christliche Begräbniskultur, die für die christlichen Generationen vor uns selbstverständlich war, ist dabei, still und heimlich zu verschwinden.

In der Alten Friedhofskirche in Nusplingen sind Gräber der ersten christlichen Alemannen aus dem 8. Jahrhundert zu sehen. Später erhob Karl der Große das Begräbnis sogar zum allgemeinen Reichsgesetz. Auf unseren heutigen Friedhöfen aber machen sich Brachflächen breit.

Auf der anderen Seite werden jetzt eigene Grabfelder für Muslime ausgewiesen. Denn für sie ist - wie übrigens auch für Juden - das rituelle Begräbnis und die bleibende Grabstätte sehr wichtig.

Wie sehen wir das? Was bedeuten uns unsere Verstorbenen und ihre Gräber, was die Erinnerung und das Gebet für sie? Könnte nicht gerade das Grab ein wichtiger Ort der Trauer und des Trostes sein? Trauernde jedenfalls machen diese Erfahrung.

Viele Fragen, über die wir uns nicht nur anlässlich der Feiertage Allerheiligen und Allerseelen Gedanken machen sollten.

In einer aktuellen Handreichung für die Diözese Rottenburg-Stuttgart schreibt Bischof Gebhard Fürst: "In der Art, wie wir unsere Toten bestatten, liegt unser ganzer christlicher Glaube, unser Verständnis vom Menschen und unsere Hoffnung auf die Vollendung des sterblichen irdischen Lebens in der Auferstehung der Toten mit unserem Herrn Jesus Christus."