GEDANKEN ZUM SONNTAG: Füße auf weitem Raum

Christina Widmann, Mitausrichterin des ökumenischen Weltgebetstags in Balingen.
Christina Widmann, Mitausrichterin des ökumenischen Weltgebetstags in Balingen.
SWP 28.02.2015

Warmes Wasser rinnt über die Füße und spült die Anspannung eines ganzen Tages in ein kleines Becken. Die eingeschlossen gewesenen Füße spüren wieder Leben in sich. Nun nimmt der Pastor meinen nackten Fuß, trocknet ihn vorsichtig ab und stellt ihn wieder auf den Boden. Ich fühle mich wie aus einer überraschenden, wohltuenden Umarmung entlassen. So beschreibt Frank Hofmann seine Erfahrung bei einer Fußwaschung.

Eine Fußwaschung ist ein ganz besonderes Erlebnis. Sind unsere Füße doch kleine Wunderwerke: 64 Muskeln halten die Knöchelchen zusammen, und 7000 Nerven enden dort und machen die Füße zu einem besonders sensiblen Körperteil. Reflexe sind im ganzen Körper zu spüren und werden bei Massagen medizinisch genutzt. Unsere Füße, sie tragen uns durchs Leben, auf ihnen durchstehen wir so manches. Mit ihnen nehmen wir Räume in Besitz, beschreiten Neuland oder gehen auf ausgetretenen Pfaden. Mose zieht seine Schuhe vor dem brennenden Dornbusch aus, um mit nackten Füßen seinen Respekt vor der Macht Gottes zu zeigen. Es macht ihn auch empfänglicher für das Heilige, empfindsamer.

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" hieß vor einigen Jahren die Jahreslosung. Das ist etwas, was ich jedes Jahr beim Feiern des Weltgebetstages empfinde. Frauen aus einem anderen Land lassen uns Anteil nehmen an ihren Sorgen und Freuden, sie erzählen uns von Begrenzungen und Chancen. So feiern wir dieses Jahr am 6. März den Gottesdienst, den Frauen von den Bahamas vorbereitet haben. Thema ist "Begreift ihr meine Liebe?", eine Frage, die Jesus stellt, nachdem er seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Füße waschen war im antiken Weltbild die Aufgabe von Sklaven. Jesus bricht damit Regeln. Er, der mit Herr angesprochen wird, ist sich nicht zu schade, diesen Dienst zu tun. "Ein Beispiel habe ich euch gegeben damit ihr tut, wie ich euch getan habe", fordert er uns alle auf. In Gebeten und Bitten erzählen die Frauen von den Bahamas von Wendungen im Leben von Menschen - Menschen, die durch solch eine Zuwendung wie die Fußwaschung neu Boden unter den Füßen spüren. Menschen, die wieder auf die Füße kommen und gestärkt einer Zukunft entgegengehen können. Neue Schritte gehen, heißt Hoffnung gewinnen.

Die Frauen von den Bahamas fordern uns dazu auf, Jesu Beispiel zu folgen, indem wir unseren Nächsten Zuwendung und Anteilnahme geben.