GEDANKEN ZUM SONNTAG: Es ist noch Zeit bis Ostern

Bärbel Danner, evangelische Pfarrerin in Bitz.
Bärbel Danner, evangelische Pfarrerin in Bitz.
SWP 22.03.2014

Fasten Sie auch? Wenn ja, wozu, wovon? Die Evangelische Kirche in Deutschland hat zum Fasten in diesem Jahr eine Aktion gemacht: "7 Wochen ohne - falsche Gewissheiten". Was bedeutet das? Sieben Wochen lang alte Gewissheiten, Meinungen, Überzeugungen, Alltagsroutine und bislang nicht infrage gestellte Wahrheiten überprüfen. Und damit aus dem eingefahrenen Denken heraustreten, selber denken und, wenn nötig, den Alltag umkrempeln.

Das hört sich leicht an, ist aber eine große Herausforderung. Denn wir haben uns gut eingerichtet mit vielen Gewohnheiten und Meinungen. Dazu gehört unter anderem der tägliche Facebook-Kontakt, das mehrmalige Abrufen von E-Mails. Vor allem sind wir mit einem Ohr ständig am Handy. Und wir haben uns auch nett eingerichtet mit manchen politischen Wahrheiten. Wir akzeptieren die Schlamperei am Berliner Flughafen. Wir glauben, dass die Flüchtlinge der Untergang des Sozialstaates sind. Und wir lassen die peinliche Diskussion um den Mindest-Mindestlohn ohne Aufschrei über uns ergehen.

Und auch das Glaubensleben ist nicht frei von doch recht fragwürdigen Überzeugungen. Eine davon ist, dass Gott schließlich zu funktionieren hat, wie wir es erwarten. Sollte es nicht so sein, ziehen wir uns beleidigt zurück. Eine andere: Dass wir die Wege Gottes nicht aushalten, die er mit uns geht. Deswegen meinen wir sie andauernd schönreden müssen. Die wirklichen Dramen des Lebens und Themen wie Tod, Alter und Krankheit blenden wir aus.

Nun soll in der Fastenzeit damit aufgeräumt - oder mindestens geprüft werden. Wir sollen die Zeit nutzen - und raus aus diesen ganzen fraglosen Kontinuitäten, raus aus den halben Wahrheiten. Wie gesagt, das ist nicht einfach. Denn für unsere Gedanken, für unser Denken gibt es kein Virenprogramm wie für den Computer, der Unnützes und Schädliches rauschmeißt. Wir sollen das uns selbst bewusst machen. Und selber denken. Dazu ist Mut, manchmal auch sogar Unvernunft nötig. Diesen Mut wünsche ich uns allen. Und zum Schluss ein kleiner Trost: Wir haben noch bis Ostern Zeit dazu.