Hechingen Fulminant wie immer

Hechingen / ANTONIA LEZERKOSS 19.05.2014
Die 60 Mitglieder der Jungen Bläserphilharmonie Zollernalb, das Auswahlorchester des Blasmusik-Kreisverbands unter der Leitung von Joachim Mager, präsentierte sinfonische Blasmusik auf höchstem Niveau.

Fulminant starteten die 40. Jugendmusiktage im Hechinger "Museum". "Super" war wohl der häufigste Kommentar nach dem Freitagabend. Dirigent Joachim Mager hatte seine Junge Bläserphilharmonie zu Glanzleistungen geführt - und das Publikum zum Jubeln. Mit einer gekonnten Werkauswahl bot das Ensemble ein anspruchsvolles und temperamentvolles Kaleidoskop. Modern, erfrischend und spritzig und verblüffend homogen versprühten die Bläser mit "Godspeed" von Stephen Melillo übermütige Heiterkeit und pralles, lebensfrohes Flair. Elegant, spielerisch und souverän gelangen die häufigen Taktwechsel, die eher ruhigen, meditativen Passagen des Mittelteils klangen ausgewogen geradezu erhaben und dynamisch außerordentlich differenziert.

Als Hauptwerk und Glanzstück des Abends spielte das Orchester die Tschaikowskys Ouvertüre 1812, die in ausdrucksstarker, wohl durchdachter und straffer Form dargeboten wurde. Mit frischem Schwung, sauberer Intonation und technisch perfekter Spielweise setzten die jungen Musiker die ausgreifend-pathetische Klanggebärden des Komponisten zum Sieg der Russen über Napoleon plastisch, dynamisch pointiert und strahlend um. Pauken und Trompeten wurden noch von Glocken und Böllern unterstützt, ohne dass die Balance dabei ins Wanken geriet. Eine spannende Geschichte in Klang gegossen und überzeugend interpretiert.

Facettenreich und nicht weniger dramatisch und packend folgte "Machu Picchu" von Satoshi Yagisawa. In weitem Bogen spannte sich erlebbar und dicht dargestellt die kontrastreiche musikalische Erzählung über Aufstieg und Niedergang des Inka-Imperiums. Um die Bedeutung von Machu Picchu zu erkennen, muss man sich die Glanzzeiten der Inkas und das folgenschwere Zusammentreffen mit den spanischen Eroberern vergegenwärtigen.

Mit rassigen dynamischen Steigerungen, mit lyrisch angehauchten Passagen und mit einer Auffächerung und Kombination der Orchesterstimmen, in der sich Detailreichtum und Tiefenschärfe des Klangbildes zeigten, beschreibt Yagisawa Glanz und Zerstörung dieser einzigartigen Kultur durch die Spanier. Bläser nahmen die Zuhörer mit in die goldene Anden-Stadt Cuzco. Sonne, Licht und Dunkel und unheimliche Mächte, dämonisch erzitternde Pauken und Trompeten triumphierten zunächst. Ruhige, tröstende Momente wechselten mit bedrohlichen musikalischen Abgründen, die sich klanggewaltig in den Raum stürzten. Aus betörendem Flötenspiel erwuchs der geheimnisvolle Mythos von Machu Picchu. Mit feinen Pinselstrichen, weich gespielten lyrischen Klängen und schmissig-rasant malte das Auswahlorchester Landschaftsbilder.

Sanft-verträumte Melodien in "Loch Lomond" von Frank Ticheli luden das Publikum zu den grünen Hügeln der schottischen Highlands. Bravourös mit Hufegetrappel und flott galoppierender Musik ging die Fahrt abschließend mit "Silverado" aus dem gleichnamigen Film in den Wilden Westen.

Doch ohne Zugabe konnte so ein Konzert, von Issaias Weikum anschaulich moderiert und mit stehendem Applaus quittiert, nicht zu Ende gehen. Erst nach zwei Zugaben - "Arcus" und dem elastisch federnd gespielten Marsch "Fredericus Rex" durften die Musiker die Bühne verlassen.