Hechingen Fürstlicher Kaffee in der Villa Eugenia

Hechingen / Ernst Klett 12.07.2018
Seit einem Jahr ist das neu „Kaffee und Kuchen“-Team des Fördervereins Villa Eugenia am erfolgreichen Werk.

Es ist halb Zwei. Noch 30 Minuten, bis die ersten Gäste kommen. Von Hektik keine Spur in der Küche der Villa Eugenia. Ein großer Warmhaltebottich ist schon randvoll mit Kaffee, für den zweiten blubbert die Maschine auf voller Kraft. Es riecht entsprechend verführerisch, und sofort stellt sich eine kleine Koffeinsehnsucht ein. Marie-Luise Lutz, besser bekannt als „Use“ vom früheren „Schützen“, holt noch eine Portion Geschirr herbei. Die meisten Tische sind längst gedeckt. Weil’s ein prima Sommer ist, wird die Terrasse integriert. „Man weiß nie, wie viele kommen“, sagt Hannelore Schropp. Ilona Heukamp versichert aber sofort: „Wir sind auch auf den großen Ansturm vorbereitet.“

Die Umgebung macht’s

Kaffee und Kuchen in der Villa Eugenia. Das ist eine der Hechinger Besonderheiten. Denn schließlich gibt es in der Zollernstadt sonntags viele, viele Möglichkeiten, dem Drang nach Nachmittagsverköstigung nachzugeben: Kaffeehäuser und Eiscafés hat es reichlich in der Unter- wie in der Oberstadt, und nicht zu vergessen die Vereinsfeste, bei denen stets mit Selbstgebackenem geworben wird. Aber die Offerte im Stadtpark, die ist seit elf Jahren ein Erfolgsmodell. Das mag an den moderaten Preisen liegen, das dürfte aber vor allem im Ambiente begründet sein. Das trefflich renovierte und bis dahin ziemlich heruntergekommene Relikt aus längst vergangenen Fürstenzeiten, das hat halt was.

Und dann ist da dieses Kaffeeteam! Zehn Jahre lang hat Gertrud Buckenmayer mit ihrer Mannschaft die Tassen geschwungen, und seit dem vergangenen Sommer ist das neue Trio dran. Die drei Damen von der Kaffeefront, die haben einen großen Anteil daran, dass der kürzere oder längere Aufenthalt in der Villa Eugenia am Sonntagnachmittag ein äußerst angenehmer ist.

Die Uhr ist vorgerückt. Vier Kuchen sind bereits in der Kühlvitrine. Bei den Sorten geht man wie es sich gehört nach der Jahreszeit. Heute stehen bereit: ein Erdbeerkuchen, einer mit Aprikosen, eine Pfirsichtorte und ein Käsekuchen, dessen Anblick den Bäckerenkel vor Neid erblassen lässt. Da essen beide Augen mit! Und wie kommt’s, dass es nicht fünf Erdbeerkuchen sind, sondern die Auswahl prima ist? Dafür sorgt die Chefin des Trios. Marie-Luise Lutz kann auf langjährige Erfahrung bauen und geht strategisch vor. Jeder Sonntag ist lange vorgeplant, und das Team der ehrenamtlichen Kuchenproduzentinnen ist nicht nur engagiert bei der Sache, sondern auch flexibel. Wobei, saisonal, darauf wird schon Wert gelegt.

Kein einziger Mann!

Die Back-Crew, das ist eine eingespielte Runde. Die besteht ausschließlich aus Frauen, und die sind schon ein ganz klein wenig vorgerückten Alters, wie Frau „Use“ wissen lässt. Denn: „Die Jungen wollen doch nicht mehr backen!“ Joachim Wien, der Fördervereinsvorsitzende, wird denn auch nicht müde mit seinen Rufen nach Verstärkung in allen Abteilungen. Männer werden übrigens sehr wohl eingespannt für den Villa-Sonntag. Einer fährt grade weg, nachdem er den von der Gattin gefertigten Kuchen abgeliefert hat, einer kommt, es ist bald Zwei, auf den letzten Drücker zu Fuß daher. Einer mit dem geringsten Anlaufweg von gleich ums Eck! Kirschkuchen. Der hat noch gefehlt!

Damit ist das Quintett an diesem Sonntag komplett. Mehr Kuchen braucht es erst, wenn in der Villa Ausstellungseröffnung ist. Dann ist der Andrang noch bedeutend größer. Nur in Ausnahmefällen bleibt in der Vitrine etwas übrig. Wer zu spät kommt, den bestraft der Hunger. Muss man sich halt an die Getränke halten. Kaffee gibt es ganz normalen, ohne Schnickschnack. „Ein Unterschied zum Kaffeehaus muss sein“, bekräftigt Marie-Luise Lutz. Außerdem zu haben sind Tee, Mineralwasser, Apfelschorle und Bioblubberlutsch. Da kann man’s aushalten – und nach Bier und Wein lange schreien. Das nämlich steht  nicht auf der Karte, die es sowieso gar nicht gibt. Selbstbedienung ist ebenfalls angesagt beim Kaffee und Kuchen des Fördervereins. Sollte jemand jedoch mobil nicht gar so gut drauf sein, wird gern serviert.

Ein Hoch auf Vereinsarbeit

Alles prima also bei dieser Sparte des Fördervereins, und Joachim Wien braucht sich keine Sorgen machen? Eigentlich schon, aber das Kaffee-und-Kuchen-Trio würde nicht Nein sagen, wenn sich zusätzliche Hobbybäckerinnen und -bäcker einreihen. Sie selbst brauchen keine Verstärkung. Es klappt hervorragend. Und dass Doris Strobel vom Vorgängerteam weiterhin die Kasse macht, das darf sehr gern so bleiben! Teamwork im Fürstengarten – ein Superbeispiel dafür, wie schön in Hechingen Vereinsarbeit funktionieren kann.

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Kuchen mindestens stehen sonntags in der Villa Eugenia bereit. Oftmals sind die viel zu schnell weg. Das Angebot des Fördervereins kann man getrost legendär nennen.

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