Ganz neue Perspektiven tun sich seit Anfang der Woche im Hechinger Fürstengarten auf. Die Blicke der Passanten werden angezogen von Dutzenden von kniehohen Holzlättchen, die scheinbar über Nacht aus dem Boden des Stadtparks gewachsen sind. Die meisten von ihnen tragen in der oberen Hälfte eine signalgelbe Farbe, andere sind rot bemalt, andere blau und manche gar dreifarbig rot-gelb-blau.

Ein Kunstprojekt? Land Art?

Oder ganz handfeste Vorbereitungen für den sogenannten fürstlichen Weihnachtsmarkt, der am dritten Adventswochenende vor der Villa Eugenia stattfinden soll? Oder werden gar schon die unterirdischen Ausmaße der Tiefgarage vermessen und markiert, die vom nächsten Jahr an gleich neben der Stadthalle „Museum“ gebaut werden soll?

Weit gefehlt, nichts davon! Es handelt sich um Vorbereitungen für den ersten Bauabschnitt des großen Parkpflegewerkes für den Fürstengarten, das der Gemeinderat vor einigen Monaten verabschiedet hat. Die Holzlatten gesetzt haben Mitarbeiter des Balinger Vermessungsbüros Uttenweiler im Auftrag der Stadt Hechingen. „Wir haben das alles mal auspflocken lassen, damit man sieht, wie das werden kann“, erläuterte der Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal vom Frankfurter Büro grün³ auf Anfrage der HZ.

Die gelb besprühten Pflöcke, die sich insbesondere auf dem Vorplatz der Villa Eugenia zuhauf finden, markieren ganz offenkundig die Ränder der neuen Kieswege, die irgendwann zwischen Herbst und dem kommenden Frühjahr in diesem Bereich entstehen sollen.

Schaal zufolge wird ein Oval von Wegen angelegt, das einem historischen Vorbild nachempfunden ist: dem „Vermesserplan“ aus dem Jahr 1861, dem ältesten erhaltenen Fürstengartenplan.

Lars Sunnanväder zahlt’s

In der Praxis bedeutet dies: weniger Rasen, mehr Kies. Das Geld dafür spendiert Lars Sunnanväder. Der Hechinger Medizintechnik-Unternehmer, der die Villa vor ihrer Sanierung beinahe gekauft hätte, hat bis zu 150 000 Euro zugesagt.

Vermessen und abgesteckt sind jetzt auch die Beete, die für mehr Blumenpracht im Umfeld der Villa sorgen sollen. Rosenhecken und Lavendelsträucher sollen unter anderem gepflanzt werden.

Hortensien und Hibiskus

Ein zweites Projekt, das in diesen Tagen vorbereitet wird, sind die ersten Ersatzpflanzungen in der Nähe der Orangerie, wo im Februar eine Reihe von Bäumen gefällt wurden. Albrecht Schaal kündigt eine Pracht aus Hortensien, Hibiskus und weiteren Stauden an. Am Mittwoch wird der Fürstengartenplaner aus Frankfurt am Main nach Hechingen anreisen, um die Vorhaben an Ort und Stelle mit den Freunden des Fürstengartens und Vertretern des Fördervereins Villa Eugenia zu besprechen.

Bei dieser Gelegenheit dürften wohl weitere Geheimnisse gelüftet werden – zum Beispiel, was es mit den dreifarbigen Pföstchen auf sich hat, die bei der neuen Rundbank auf dem Monopteros-Hügel gesetzt wurden.

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Mehr als eine Million Euro in fünf Jahren


Das Parkpflegewerk für den Fürstengarten, das der Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal im Auftrag der Stadt Hechingen entworfen hat, soll innerhalb von fünf Jahren bis Ende 2023 umgesetzt werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwas mehr als eine Million Euro. Am Ende soll der englische Stadtpark dem Meisterwerk der Gartenkunst, der er Mitte des 19. Jahrhunderts einmal war, wieder ein gutes Stück näher gekommen sein. Bis dahin müssen noch rund 150 Bäume, vor allem Spitzahorne und Eschen, gefällt – und gut 800 Gehölze (Bäume und Großsträucher) neu gepflanzt werden. hy