Hechingen / Ernst Klett

Ein Refugium der Natur mitten in der Stadt? Oder doch lieber ein historisch wertvolles Schmuckstück, das auch den Tourismus ankurbelt? Über die Zukunft des Fürstengartens ist man in Hechingen schon seit Jahr und Tag uneins. Insbesondere die Nabu-Gruppe und das Häuflein der verbliebenen Freunde des Fürstengartens hätten eigentlich am liebsten gar nichts verändert zwischen Zollernstraße und Feilbachtal. Der Wildwuchs hat in der Tat für ein Naturparadies der besonderen Art gesorgt.

Aber warum denn nicht beides? Wertvolles Biotop und attraktive Besonderheit? Stadtförster Rainer Wiesenberger kennt sich ganz offenkundig nicht allein in seinem eigentlichen Metier bestens aus. Er ist auch rhetorisch gut drauf und kann Pädagogik. Im Gemeinderat hat er alle vielleicht aufkommenden Wogen erfolgreich geglättet: Ja, das Pflegekonzept für den Fürstengarten bedeutet sehr wohl Eingriffe und Veränderungen, aber das heißt keinesfalls, dass die Natur außen vor bleibt. Ganz im Gegenteil. Geplant ist, innerhalb der kommenden fünf Jahre dem Wildwuchs ein Ende zu setzen und eine gewisse Ordnung hineinzubringen. Ganz wichtig: Es werden mehr Bäume neu geplanzt, als dass umgesägt werden. Dem Unterholz geht es zu Teilen ebenfalls an den Kragen. Allerdings auch dies nicht ohne Nachfolge: Das Pflegekonzept sieht neue Stauden und Wiesenblumen vor. Dies wird, aber das ist durchdacht und gewollt, sehr wohl für eine teilweise veränderte Tierwelt im Park sorgen.

Der neu gestaltete Vorplatz der Villa Eugenia hat derweil allem Anschein nach für einen mittelgroßen Sturm gesorgt. Es gibt unter anderem Befürchtungen, dass die neue Sorte Kies in den Schuhen hängen bleibt und in der Folge den Parkettboden in der Villa zerkratzt. Das Foto der gefällten Bäume aus dem Bereich Stadtgarten in der HZ vom Mittwoch hat offenbar ebenfalls Ängste vor einem Kahlschlag befeuert.

Alles halb so wild! Bürgermeister Philipp Hahn sah sich in der Ratssitzung zur Verabreichung von Beruhigungstropfen in verbaler Form veranlasst. Bei der Stadt sei man hauptberuflich und nicht im Ehrenamt tätig, und deshalb müsse man schon darauf vertrauen, dass die Parkpfleger ihre Arbeit korrekt machen. Rainger Wiesenberger kalmierte ebenfalls: Die Neugestaltung komme erst nach der Sommer- und Herbstsaison in der Villa.

Stadträtin Regina Heneka (CDU) wechselte die Szene und kehrte wieder zum Pflegekonzept zurück, das auf der Tagesordnung stand. Aber anders als der Beschlussvorschlag der Stadt es vorsah, plädierte sie dafür, über den Plan nicht stücklesweise abzustimmen, sondern gleich die kompletten fünf Jahre gutzuheißen. Das hätte den Vorteil, dass die Fällungen nicht immer erst auf den letzten Drücker möglich sind. Ab 1. März darf nur noch in großen Ausnahmefällen abgeholzt werden. Zehn Bäume sollten jetzt noch raus, um wie geplant zwischen Villa und Orangerie loslegen zu können. Rainer Wiesenberger ist zuversichtlich, dies hinzubekommen.

Das Konzept selbst bekam von Regina Heneka Bestnoten. Prima war für sie, dass auch der Nabu, die Freunde des Fürstengartens und der Förderverein Villa Eugenia zu dem Papier stehen. Das Heneka-Fazit: „Dornröschen aufzuwecken wird sich lohnen!“

Skepsis regte sich dagegen in den Reihen der SPD-Fraktion. Roger Braun hakte nach wegen der Folgekosten. Rainer Wiesenbergers ausweichende Antwort: Bislang sei immer nur das Notwendigste gemacht worden. Und das bedeutete Arbeitseinsätze im Gegenwert von annähernd 50 000 Euro jährlich. Dabei wird’s nicht bleiben. Denn: „Ein Gartendenkmal muss gepflegt werden.“ Roger Braun hätte es doch etwas genauer haben wollen. Aber da musste der Stadtförster passen. Es werde „keine 500 000 Euro“ im Jahr kosten, sagte er.

Das Ja zum Fünfjahresplan, dem Antrag der CDU fiel denn auch bei drei Neinstimmen aus der SPD-Fraktion. Der Rest der Stadträte und der Bürgermeister stimmten zu.

Rundbank statt Tempelchen

Denkmalschutz Auf den sogenannten Tempelhügel gegenüber des neuen Spielplatzes führt schon ein gekiestes Wegle. Oben allerdings wird nicht wie geplant ein Monopteros, also ein Tempelhäusle, stehen. Da hatte der Denkmalschutz nämlich ein Wort mitzurden: Bevor irgendein historisch falscher Schnickschnack hingestellt wird, lieber nichts. Die Stadt belässt es nun mit einer Rundbank. Auch schön. Und das Wegle war nicht umsonst. Komplett gestrichen worden ist ein ebenfalls diskutierter Schattengang. Auch der fand nicht die Zustimmung des Denkmalamtes.