Zollernalbkreis Führerschein weg - und jetzt?

Bei der Broschüren-Vorstellung von links: Adrian Schiefer, Dr. Reinhardt Mayer und Josef Huber.
Bei der Broschüren-Vorstellung von links: Adrian Schiefer, Dr. Reinhardt Mayer und Josef Huber.
Zollernalbkreis / THOMAS GODAWA 08.08.2012
Es ist die dritte Auflage mit 3000 Exemplaren des Ratgebers "Führerschein weg?", die im Frühjahr im Auftrag des Landratsamtes erschienen ist.

Eine aktuelle Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen hat es an den Tag gebracht: Viele Bürger, die ihren Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren haben, fühlen sich nicht ausreichend informiert. Dabei geht es ihnen um die Erfüllung der Voraussetzungen, die sie in die Lage versetzen, ihren Führerschein wieder zu bekommen. Ohne Beratung vor der Begutachtung liegt die Erfolgsquote bei nur 37,1 Prozent.

Erhalten die Betroffenen die entsprechenden Informationen rechtzeitig, steige die Quote auf rund 62 Prozent. Erhält die informierte Gruppe vorher auch noch eine Schulung und Beratung, liegt die Quote bei 81 Prozent im ersten Anlauf.

Verkehrsamtsleiter Adrian Schiefer sieht sich deshalb bestätigt, den eingeschlagenen Weg weiterzubeschreiten, wie er in einem Pressegespräch unterstreicht. "Die Broschüre ist bei der Führerschein-Zulassungsstelle erhältlich, aber auch bei allen anderen Institutionen und Behörden, die mit uns zusammen arbeiten, von der Polizei über Staatsanwaltschaft bis hin zu Selbsthilfegruppen."

Alle im Ratgeber abgedruckten Ansprechpartner haben auch neue Exemplare erhalten und sind kompetente Helfer. "Eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ist nicht so einfach zu bestehen."

Josef Huber, kommunaler Suchtbeauftragter des Zollernalbkreises, hält es für dringend erforderlich, den Alkohol-Sündern, die für die Rehabilitation nötigen Informationen zukommen zu lassen, damit sie nicht wieder unter Alkoholeinfluss am Straßenverkehr teilnehmen.

"Die erwähnte Untersuchung, die auch beim Amt für Straßenwesen in Internet einsehbar ist, hat gezeigt, dass Beratung hilft", so der Balinger Diplom-Psychologe Dr. Reinhardt Mayer, der auch eine verkehrspsychologische Praxis führt.

"In der Regel gibt es doch vieles zu klären über Ablauf und Verfahrensweise", so Mayer. Das gelte zum Beispiel für die Abstinenz-Nachweise, die sich mindestens über sechs Monate erstrecken, in der Regel aber auf ein Jahr festgelegt werden, wenn es sich um einen Alkoholpegel von über zwei Promille handelt oder um Wiederholungsfälle. "Es gibt Institutionen hier im Kreis, die entsprechende Tests durchführen können und dürfen", erklärt Reinhardt Mayer. Ein Ratgeber existiert zur Zeit nur in Freiburg und im Zollernalbkreis. "Von den Kollegen im Badischen haben wir uns die Erlaubnis geholt, die Idee zu verwenden, und haben sie mit unseren Beiträgen und lokalen Hinweisen erweitert", erläutert Josef Huber.

In den vergangenen zehn Jahren sei ein deutlicher Rückgang von bis zu 20 Prozent bei den Alkoholfällen festzustellen, sagt Adrian Schiefer. Allerdings steige die Zahl der Drogenfälle, ergänzt Reinhardt Mayer, wie auch die Zahl der Radfahrer mit zu viel Alkohol an der Lenkstange. Alle drei Gesprächspartner halten die Broschüre deshalb mehr denn je für sinnvoll und hilfreich für die, die Rat suchen und auch für jene, die ihn geben können. "Mir ist sonst kein Verkehrsamt, respektive Führerscheinstelle im Land, bekannt, die in ihrem Beratungsangebot eine solche Offerte macht", stellt Schiefer fest.

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