In Begleitung einiger Bürger machte der Ortschaftsrat Haigerloch einen Rundgang durch den städtischen Friedhof. Ortsvorsteher Michael Ashcroft stellte gleich bei der Begrüßung fest, dass ein Friedhof „ein Ort der Stille und des Abschieds“ ist. Gerade in Corona-Zeiten, wo Angehörige von einem Verstorbenen nicht in Würde Abschied nehmen könnten, komme einem Friedhof erhöhte Bedeutung zu.

Bereits vor dem Rundgang stellte ein Bürger die Frage, weshalb auf dem Friedhof fünf, teilweise recht alte Bäume „so schnell gefällt“ worden seien. Laut Auskunft der Stadtverwaltung waren die Bäume krank, berichtete Ortsvorsteher Ashcroft. Aus den Reihen des Gremiums wurde kritisiert, dass man über die Fällaktion nicht informiert worden sei. Vorgeschlagen wurde eine Wiederbepflanzung mit Nadelgehölzen.

Splittwege mit Rollator schlecht zu schaffen

Lob für die Pflegemaßnahmen durch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs gab es beim anschließenden Rundgang, den Ortschaftsrätin Claudia Sailer führte. So wurden Wegränder vom Moos befreit und neu mit Splitt versehen. Bemängelt wurde allerdings, dass das Befahren des Splitts einem Rollator, Rollstuhl oder Pflanzwägelchen sehr mühsam sei. Positiv vermerkt wurde wiederum die Wiederbepflanzung der Allee vor der Friedhofskapelle mit sechs Bäumen. Dabei tauchte allerdings die Frage auf, warum keine Kastanien, wie in der Allee bereits vorhanden, gepflanzt wurden. Angesprochen wurden auch die mit Kies aufgeschütteten Brunnen, die das Befüllen von Gießkannen erheblich erschweren.
Ein Hauptaugenmerk des Ortschaftsrats galt einem „Schandfleck“: die denkmalgeschützte und bereits an zwei Seiten eingestürzte Friedhofsmauer. Eingestürzt sind  innere Mauer im Norden, die den alten Friedhof von der Erweiterungsfläche mit Aussegnungshalle trennt, und die Mauer im südlichen Teil in Richtung Gruoler Straße. Zur Sicherung der Gräber wurden bereits Teile der maroden Mauern abgetragen. Dennoch fallen immer wieder lose Steinbrocken aus der maroden Mauer in Richtung der Gräber.
„Das ist kein Zustand. Hier müssen wir unbedingt bald zu einer Lösung kommen“, so Ortsvorsteher Ashcroft.

Über neue Bestattungsformen informiert

Zwischenzeitlich hat die Stadtverwaltung reagiert und die Sanierung in die Finanzplanung aufgenommen, allerdings erst für die Jahre 2021 und 2023. So sind 2021 100 000 Euro Sanierungskosten veranschlagt und weitere 120  000 Euro im Jahr 2023. Insgesamt rechnet die Stadt mit Sanierungskosten von rund 316  000 Euro, wobei auch bereits Zuschüsse vom Landesdenkmalamt zur Mauersanierung ausgewiesen sind.
Diskutiert wurden beim Rundgang auch neue Bestattungsformen, wie sie Claudia Sailer vorschlug. Beispielsweise könnten auf dem Haigerlocher Friedhof Baumgraburnenanlagen, wie es sie bereits in Trillfingen und Owingen gibt, angelegt werden.
Einig war sich der Kernstadt-Ortschaftsrat darüber, das für den städtischen Friedhof unbedingt ein langfristiges Belegungs- und Gestaltungskonzept erstellt werden sollte, in dem klar definiert ist, wie der Friedhof in den nächsten Jahrzehnten aussehen soll. Dabei soll auch Berücksichtigung finden, dass die inzwischen mehr denn je nach gefragten Urnengräber als Einzel- und Wahlgrabstätten, im Rasen oder in Stelen wesentlich weniger Fläche als die früher meist üblichen Doppelwahlgräber benötigen.

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