Hechingen Fridi Miller hält die Wahl für ungültig

Hechingen / Von Hardy Kromer 28.07.2018
Die Verliererin der Hechinger Beigeordnetenwahl bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Wahlhandlung.

Fridi Miller scheint eine Frau mit zwei Gesichtern zu sein. Während sie bei ihrer Kandidatur als Erste Beigeordnete im Hechinger Gemeinderat die sympathische Strahlefrau gab („Hallo, ich bin die Fridi“), geriet sie landesweit mal wieder in die ganz negativen Schlagzeilen, weil sie den Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt Sindelfingen mit dem Tode bedroht haben soll (siehe Kasten). Anderswo pfui, in Hechingen hui?

Jetzt deutet sich freilich an, dass die streitbare Frau auch der Wahl in der Zollernstadt ein unerfreuliches Nachspiel bescheren könnte. Zwar ist Bürgermeister Philipp Hahn, mit dem sich Fridi Miller glänzend zu verstehen glaubt („Ich und der Philipp wären ein Superteam“) glücklicherweise weit davon entfernt, wie sein Sindelfinger Kollege einen Bodyguard zu brauchen. Ärger dräut freilich dennoch.

„In keinster Weise geheim“

Denn gestern Mittag schrieb Fridi Miller der HZ, was sie vom Verlauf des Mittwochabends im Hechinger Ratssaal hält: „Ich denke, dass die Wahl keine Gültigkeit hat, obwohl ich meine beiden Gegenkandidaten sehr ins Herz geschlossen habe“. Zum einen macht die selbsternannte „Aufdeckungspolitikerin“ ihre Kritik an der Wahlhandlung daran fest, dass Philipp Hahn am Anfang der Sitzung sagte, dass 29 stimmberechtigte Personen anwesend seien, und fragt: „Wie kommen dann 30 Stimmen zustande?“ Wie berichtet, gewann Dorothee Müllges die Wahl mit 19 Stimmen, während Michael Dehner nur elf erhielt und Fridi Miller selbst gänzlich leer ausging. Des Rätsels Lösung ist freilich ganz einfach: CDU-Stadtrat Bernd Zimmermann kam ein wenig zu spät, hatte seinen Platz noch nicht eingenommen, als Philipp Hahn die Sitzung eröffnete, war jedoch stimmberechtigt zur Stelle, als die Wahlhandlung begann.

Außerdem behauptet Fridi Miller: „Die Wahl war in keinster Weise geheim. Die Blätter wurden verteilt, und die Gemeinderäte saßen dicht nebeneinander. So hat jeder gesehen, was der andere angekreuzt hat.“ Dies hält die 48-Jährige für einen Grund, „warum ich dann letztendlich nicht mal eine Stimme erhalten habe“. Dabei habe ihr doch „Philipp (...) im Vorfeld gesagt, dass bei der Vorauswahlrunde mindestens eine Person gesagt hatte, dass sie mich wählen würde“. Dies wiederum verwies Hahn gegenüber der HZ ins Reich der Fabel. Fakt ist außerdem, dass bei einer solchen geheimen Gremiumswahl keine Wahlkabine vorgeschrieben ist. Gründe für eine Wahlanfechtung dürfte Fridi Miller aus ihren Kritikpunkten also nicht konstruieren können (falls eine Beigeordnetenwahl überhaupt anfechtbar ist).

Bürgermeister Hahn und die vom Gemeinderat gewählte Dorothee Müllges gehen jedenfalls gleichermaßen fest davon aus, dass Fridi Millers Anmerkungen den Amtsantritt der neuen Ersten Beigeordneten nicht verzögern können. Fest vereinbart ist inzwischen, dass die bisherige Sozial- und Rechtsdezernentin des Zollernalbkreises am 1. September ihren ersten Arbeitstag im Hechinger Rathaus haben wird. Dies sei mit Landrat Günther-Martin Pauli abgeklärt, betonte Müllges gegenüber der HZ: „Herr Pauli freut sich für mich“ – genauso wie sie aus den Reihen ihrer Kollegen im Landratsamt „unheimlich viele Gratulationen“ erfahren habe, wenn auch verbunden mit dem Bedauern über ihren Abschied. Eine Woche lang wird sie in der Kreisbehörde noch präsent sein, dann folgen drei Wochen Urlaub und Ende August eine letzte Arbeitswoche.

„Voll erholt beginnen“

Die 56-jährige, parteilose Juristin, die verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder ist, freut sich nach eigenen Worten darauf, nach dem Urlaub „voll erholt“ im Hechinger Rathaus beginnen zu können. Wohnen bleiben wird Dorothee Müllges bis auf Weiteres im Balinger Stadtteil Heselwangen. Mit Blick auf die „übertriebenen Immobilienpreise“ kann sie sich einen schnellen Umzug nicht vorstellen. „Wenn sich in zwei, drei Jahren etwas Schönes findet“, dann sei die Verlagerung des Wohnsitzes aber „durchaus drin“.

Fridi Millers Todesdrohung gegen den Sindelfinger Oberbürgermeister

Einen Bodyguard braucht der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer seit Dienstag. Der Grund: Auf Facebook hatte Fridi Miller, die gegen Vöhringer bei der OB-Wahl verloren hatte, in einem Video ihre „russischen, polnischen und arabischen Freunde“ dazu aufgerufen, gegen den Rathauschef vorzugehen. Auch von Tötungsabsichten soll in dem Video die Rede gewesen sein. Das Filmchen ist mittlerweile im Netz nicht mehr zu sehen, liege der Polizei aber vor, bestätigte Peter Widerhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, gegenüber der HZ.

Mindestens 20 Meter Abstand muss Fridi Miller zum Sindelfinger OB halten. Die Stadt habe ein Annäherungsverbot verhängt, die Polizei „eine Gefährderansprache gehalten“, sagte der Polizeisprecher. Das Polizeirevier Sindelfingen betreibe gegen Fridi Miller ein Ermittlungsverfahren „wegen Bedrohung und Anstiftung zu einer Straftat“. hy

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