Was Hollywood mit dem Film „Nachts im Museum“ vorgemacht hat, können die Römer in Stein schon lange: nämlich die Villa rustica genau dann zum Leben erwecken, wenn dort eigentlich Dunkelheit und Ruhe einkehren. Bereits zum achten Mal stellte der Förderverein die Abendveranstaltung „Römer im Schein der Fackeln“ auf die Beine. Ein einzigartiges Spektakel, ganz nach dem Motto „Carpe noctem – nutze die Nacht.“ Und das taten bei idealen Wetterbedingungen am Samstag sehr viele Besucher, für die es jede Menge zu sehen und zu erleben gab.

Die Kelten campen wieder

Nicht nur, dass die Villa und alle anderen Gebäude im mystischen Licht von Fackeln und Lagerfeuern erstrahlten, auch zwei keltische Sippen waren zu Gast in Stein und hatten auf dem Gelände ihre Zelte aufgeschlagen. Zahlreiche Handwerker und Händler waren ebenfalls zugegen und machten in ihren Werkstätten die Nacht zum Tag. Überall wurde gewerkelt und gehämmert, egal, ob in der Schmiede, der Färberei, beim Schuster oder Knochenschnitzer. Die großen und kleinen Besucher konnten den Akteuren über die Schulter schauen oder sogar selbst mitmachen.

Wie fühlt es sich denn nun eigentlich an, ein echter römischer Soldat zu sein? Das gab es von zwei imposant gerüsteten Legionären zu erfahren, bei denen so mancher junge Gast schon mal den Helm anprobieren durfte. Besonders viel Volk lockten natürlich die Schaukämpfe an, die sich die Keltenstämme Schlamaunii und Scaliesus Cambiare lieferten. Bis an die Zähne bewaffnet und mit wildem Geschrei stürzten sich die furchtlosen Krieger in den Kampf. Ein faszinierendes Erlebnis für Jung und Alt. Wesentlich ruhiger, aber nicht weniger spannend, ging es bei der Lesung der Autorin Isabel Holocher-Knosp zu, die den Schwaben-Krimi „Tatort Villa rustica“ veröffentlicht hat und  das Publikum mit einer spannenden Geschichte unterhielt.

Zwischen den Programmpunkten konnten die Besucher der Kulinarik frönen und Grillwurst, Pommes oder Waffeln genießen. Gegen den Durst halfen süffiges Cervesia, besser bekannt als Bier, oder – ganz stilecht – auch köstlicher Met.

Erst das Essen

So gestärkt stand dem Höhepunkt des Abends nichts mehr im Wege: dem Überfall der wilden Kelten, die Quintilla, der edlen Herrin der Villa rustica, nach dem Leben trachteten, um sich ihres Reichtums und ihrer Besitztümer zu bemächtigen. „Wir schreiben das Jahr 90 nach Christus“, versetzte Erzählerin Sabrina Danner das Publikum in längst vergangene Zeiten. Der römische Gutshof steht in voller Blüte, Quintilla (gespielt von Iris Kappler) und ihr Gefolge erfreuen sich des Wohlstands, denn die Ernte war reich, die Geschäfte laufen gut. Alle erwarten die Ankunft eines hohen Gastes, des Senators (Wolfgang Faßbender) aus Rom. Doch dann bricht plötzlich ein Tumult aus: Der keltische Divico (Wolf-Dietrich Herder) und seine Krieger bahnen sich ihren Weg durch das Publikum. Kurz darauf hat Quintilla ein Messer am Hals und wird von der johlenden Sippe entführt.

Die edle Herrin als Geisel ungehobelter Kelten, das darf ja wohl nicht wahr sein! Wie gut, dass es dem Senator mit ein bisschen Überredungskunst gelingt, junge Nachwuchslegionäre zu rekrutieren, die mithelfen, Quintilla zu befreien. Dass die Kelten mit ihrem Scorpio und brennenden Pfeilen ein feuriges Spektakel veranstalten, das die Zuschauer gebannt verfolgen, kann es nicht verhindern: Quintilla kommt wieder frei und kann als Königin der Nacht die jungen Helfer mit Süßigkeiten aus ihrer Schatztruhe entlohnen.

Zufriedener Förderverein

Große Freude über die gute Besucherresonanz drei Wochen vor Saisonschluss herrschte  bei den Mitgliedern des Fördervereins, allen voran Römerchef Gerd Schollian. Sein Dank galt allen Gästen und natürlich den vielen fleißigen Helfern.

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Bis Allerheiligen noch zu den Römern!


Öffnungszeiten Die Fackelshow am Samstagabend war die letzte Großveranstaltung in der Villa rustica in diesem Jahr. Aber es geht natürlich noch weiter in Stein! Geöffnet hat das Römische Freilichtmuseum noch bis zum 1. November (Allerheiligen) dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 27. Oktober, ist um 14 Uhr zudem eine Führung durch die aktuellen Ausgrabungen.

Ein Scorpio – nicht unbedingt ein Ford


Kelten, Römer, Autos Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Ein Scorpio, das war im zurückliegenden Jahrtausend ein himmlisch zu fahrender Groß-Ford mit fünf Metern plus Länge und mutmaßlich US-Fahrwerk. Was macht der, siehe das große Bild oben, bei den Kelten? Weit gefehlt! Ein Scorpio, das war im Altertum zuvorderst eine römische Waffe, die Pfeile und Fackeln transportierte.