Hechingen/Rosenfeld Frau ergaunert 197.147 Euro von Männern

Die Frau musste sich vor dem Hechinger Amtsgericht verantworten.
Die Frau musste sich vor dem Hechinger Amtsgericht verantworten. © Foto: Nicole Leukhardt
Hechingen/Rosenfeld / Lydia Wania-Dreher 17.07.2018
Eine Philippinin muss wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 17 Fällen ins Gefängnis.

„Das ist schon ziemlich heftig“, kommentierte Richter Ernst Wührl in seiner Urteilsbegründung die Machenschaften einer 32-Jährigen, die mehrere Männer in den vergangenen Jahren um sehr viel Geld gebracht hat. Unter den Betrogenen waren auch ein Mann und sein Vater aus Balingen.

Das Amtsgericht Hechingen verurteilte die Frau mit philippinischer Staatsangehörigkeit am Montag wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 17 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Zudem soll der Gesamtschaden in Höhe von 197 147 Euro eingezogen werden.

Die 32-Jährige ohne Vorstrafen gestand alle Taten. Sie beteuerte: „Es tut mir unheimlich leid.“ Ab 2008 hatte die Philippinin eine Affäre mit einem verheirateten Geschäftsmann aus Kanada. Ab Januar 2010 gab die Frau vor, Geld für ihr Medizinstudium zu benötigen, das sie jedoch nie begann. In mehreren Raten überwies ihr der Kanadier mehr als 32 000 Euro. Laut einem Darlehensvertrag sollte das Geld bis Juli 2016 zurückgezahlt werden. Bis heute sind jedoch keinerlei Rückzahlungen geflossen.

Ab März 2015 erklärte die Frau, an Krebs erkrankt zu sein und für die Behandlung Geld zu benötigen. Der Kanadier überwies ihr daraufhin etwa monatlich Beträge von mehreren tausend Euro. Im März 2016 sagte die Frau dann, eine Arbeitsstelle als Medizinerin in Zürich angetreten zu haben, wofür sie wiederum Geld benötigte. Der Kanadier lieh ihr nochmals 6786 Euro. Vorerst letzter „Höhepunkt“ war ihr fingierter Tod. Sie rief den Geschäftsmann an und gab sich als eine Freundin aus, die nun Geld für die Beerdigung der Frau benötigte. Alle Geschichten stellten sich im Nachhinein als komplett erfunden heraus. Insgesamt entstand dem Mann ein Schaden von 113 147 Euro.

Zeitgleich ging die Philippinin eine Beziehung mit einem deutlich älteren deutschen Mann ein. Sie zog 2009 zu ihm nach Jockgrim in die Südpfalz, arbeitete in seinem Dentallabor mit und heiratete ihn. Als seine finanzielle Situation schlechter wurde und es einen Rechtsstreit mit dem Vermieter gab, zog das Ehepaar nach Stutensee bei Karlsruhe. Dort starb der herzkranke Mann im Juli 2014 im Beisein seiner Ehefrau. Die Vertreterin des Nebenklägers machte am Montag im Prozess darauf aufmerksam, dass bezüglich der Todesumstände auch noch ein Verfahren laufe.

Parallel hatte die heute 32-Jährige eine weitere Affäre mit einem Deutschen, der ihr ebenfalls aufgrund von erfundenen Geschichten Geld lieh, ohne je etwas zurückzubekommen. Dieser Fall wird in einem gesonderten Verfahren in Hamburg rechtlich aufgearbeitet.

Im Herbst 2013 lernte die Frau über ein Online-Datingportal dann einen Balinger kennen. Sie gab sich als Zahnärztin aus. Nach mehreren Treffen waren die beiden ab Januar 2014 offiziell ein Paar, wie der 38-Jährige vor Gericht als Zeuge aussagte. Er habe eine Wochenendbeziehung mit der Frau geführt und nichts von dem Ehemann gewusst. „Wir haben sie in die Familie integriert“, erklärte sein Vater. Man habe angenommen, sie werde die Schwiegertochter werden.

Ende 2016 erzählte die Frau der Familie, dass sie für den Kauf einer Zahnarztpraxis in Karlsruhe 60 000 Euro benötigte. Der Vater nahm dafür einen Kredit auf und belastete damit sein Haus. Später behauptete die Frau dann, sie brauche nochmals 30 000 Euro, um eine defektes Dentalgerät zu ersetzen. Auch das Geld lieh die Familie mit Hilfe eines weiteren Kredits. Der ganze Schwindel flog auf, als ein Banker die Balinger auf Ungereimtheiten im Kaufvertrag für die Zahnarztpraxis aufmerksam machte.

Die Polizei fand dann auch die anderen Betrügereien heraus. Mithilfe des Balingers konnte die Frau am Flughafen verhaftet werden. „Ich bin der Meinung, wir haben hier nur die Spitze des Eisbergs gesehen“, erklärte die Vertreterin des Nebenklägers. Nach Recherchen der Polizei ist das Geld hauptsächlich ins Ausland geflossen. Wahrscheinlich auf die Philippinen. „Es liegt für uns auf der Hand, dass niemand sein Geld wiedersieht“, sagte Richter Wührl.

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