Hechingen Forderung nach Freiheit

ANNE LAASS 20.04.2016
Bomben, Folter und politische Willkür - so beschrieben Syrer ihr Land im Bildungshaus St. Luzen. Die etwa 160 Besucher spendeten 1470 Euro.

Etwas sprachlos und völlig überrumpelt waren die Veranstalter des Abends. Ulrike Stoll-Dyma vom Dekanat Zollern der Caritas und Andreas Steiner, Leiter des Bildungshauses St. Luzen, begrüßten die rund 160 Gäste. Mit einer solchen Beteiligung hatte niemand gerechnet.

Nour Anter eröffnete den Abend und betonte, dass Syrien ein friedliebendes Land gewesen sei und vom Assad-Regime zerstört wurde. Anschließend erzählten ein paar Kinder von ihren Erinnerungen in Syrien. Sie lasen von Zetteln ab und erklärten dem Publikum auf Arabisch, was sie in Syrien erlebt hatten.

"Er hat meine Schule kaputt gemacht und meine Freundinnen getötet", sagt Rama Cheikh Youssir. Im Veranstaltungssaal des Bildungshauses wird es bei den Erzählungen immer ruhiger. Am Ende mahnen die fünf Kinder: "Wir können nichts dafür" und fordern nur eins für ihr Syrien - Freiheit.

Einen Gänsehautmoment gab es, als sich eine große Gruppe von Syrern vor dem Publikum aufstellte und die Nationalhymne sang. Einige der Gäste waren so ergriffen, dass sie ihre Tränen nicht unterdrücken konnten. Informationen rund um Syrien standen danach auf dem Programm. Bilder von antiken Kulturschätzen sowie der Fatma-Kirche und der Eliyahu-Hanabi-Synagoge wurden gezeigt. Nach dem kurzen Einblick in die landestypischen Strukturen zeigte ein Bericht, wie die Revolution vor fünf Jahren entstand. Assad ließ Kinder foltern und löste mit dieser Gräueltat eine Reihe von Demonstrationen aus. Immer mehr Syrer stellten sich öffentlich gegen das Regime, und viele von ihnen flüchteten wegen des anhaltenden Bürgerkrieges nach Europa. "Wir werden gezwungen, unser Land zu verlassen", erklärt Nour Anter. Die Bomben zerstören Syrien, und "wir stehen machtlos daneben".

Hier in Hechingen und der Region wollen die syrischen Flüchtlinge aktiv am Leben teilnehmen, sich integrieren. Der Abend soll dabei ein Anfang sein und einen Einblick in die syrische Kultur geben. Die Protagonisten des Abends hoffen darauf, ohne Vorurteile akzeptiert zu werden und vielleicht eines Tages in ihr Heimatland zurückzukehren.

Als Dankeschön für die zahlreiche Unterstützung haben sie den Syrienabend organisiert und fleißig gekocht. Die Schlange am Buffet war lang und das Essen lecker, wie eine Besucherin bestätigte. Abschließend verteilten die Kinder Blumen an die Gäste, eine kleine Geste für die Hilfe.

Insgesamt 1470 Euro Spendengelder kamen zusammen und werden an Caritas International für deren Syrienhilfe im Land selbst gespendet.