Die Arbeiten auf der Bundesstraße 27 zwischen Hechingen-Mitte und Hechingen-Süd sind beendet. Laut Dirk Abel, dem Sprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, ist wieder alles freigegeben. Die Autofahrer überqueren nun den Streckenabschnitt mit Tempo 80, bis der Belag seine „volle Griffigkeit“ erlangt hat. Ist dies der Fall, so Abel, werde die Geschwindigkeitsbegrenzung wieder auf die vollen vorgeschriebenen 120 Stundenkilometer angehoben.

Verkehrslärm ist zurück gegangen

Die bauliche Veränderung ist für die Hechinger im Bereich des besiedelten Gebietes an der vielbefahrenen Bundesstraße schon deutlich spürbar: So findet Anwohnerin Anne-Lise Haug: „Es ist auf jeden Fall besser geworden.“ Der Verkehrslärm auf der B 27 sei durch den neuen Flüsterasphalt auf jeden Fall reduziert worden.

Gar nicht mehr in den Garten

„Ich hoffe, dass es auch bei den 120 Stundenkilometern so bleibt“, betont Anne-Lise Haug. Als direkte Nachbarin der hoch frequentierten B 27 habe sie den Lärm nicht nur draußen gehört, sondern auch, wenn sie sich im Haus bei geschlossenen Fenster befand. Anne-Lise Haug, die mit ihrer Familie schon seit 43 Jahren im Prinzling wohnt, konnte wegen des zunehmenden Verkehrslärms zum Schluss gar nicht mehr ihren herrlichen Garten genießen, weil der Lärm auf der B 27 zu dominant war.

Zuvor über 62 Dezibel

Wenn Anne-Lise Haug nur kurz den Dezibelmesser des Schallpegelmessgeräts auf ihrer Terrasse in Richtung B 27 hielt, zeigte das Gerät damals einen Wert von über 62 Dezibel (dB) an. Sogar eine kleine Bürgerinitiative aus dem Prinzling hatte sich wegen des enormen Lärms gebildet.

Lärmaktionsplan soll helfen

Nicht nur die Anwohner vom Prinzling, sondern auch im Kessler, in der Gammertinger Straße und von anderen angrenzenden Wohngebieten der B 27 hatten sich damals über das Dauerbrummen beschwert. Die Stadt Hechingen reagierte auch und brachte – unabhängig von dem Entschluss für einen Flüsterasphalts – einen Lärmaktionsplan ins Gespräch, dessen Beschluss noch aussteht. Auch gibt es auf diesem Abschnitt zwischen Hechingen-Mitte und Hechingen-Süd einen Lärmschutzwall sowie eine Lärmschutzwand gegenüber dem Killberg. Der Flüsterasphalt sei somit gemäß Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadt Hechingen, eine „gute Ergänzung“ zu den weiteren Maßnahmen, die noch umgesetzt werden sollen, oder es bereits sind.

„Eine wirklich gute Sache“

Den Flüsterasphalt, den das Regierungspräsidium Tübingen nun verlegen ließ, stuft Thomas Jauch als „eine wirklich gute Sache“ ein, damit die Bürger vom Lärm entlastet sind. Auch die Anwohner im westlichen Bereich der B 27 beim Hofgut Domäne profitierten davon. Dass auf der Verkehrsader nun noch Tempo 80 geboten ist, sei eine „Folge der Bauarbeiten“, betont der Stadtsprecher. Dass dies dauerhaft für den Abschnitt auch so bleiben könnte, schließt er aus. „Es war niemals gedacht, dass im Stadtbereich die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer reduziert wird“, sagt er. Es habe diesbezüglich „auch keinen Schrei aus der Bevölkerung“ gegeben, um solchen Überlegungen nachzugehen, betont er. „Uns freut das sehr, dass der Lärm nun erheblich reduziert wird“, bekräftigt Jauch.

„Hatten uns mehr erhofft“

Nicht ganz so euphorisch sieht es die Hechinger Anwohnerin Ute Wolf. „Der Lärm hat sich leider nicht so verringert, wie wir uns erhofft haben“, sagt sie. Ute Wolf wohnt mit ihrem Ehemann und den Kindern in Luftlinie, zirka 400 Meter von der B 27 entfernt. Schon im Vorfeld der Sanierung durch das Regierungspräsidium machte sich Ute Wolf für eine geringere Lärmbelästigung stark, indem sie das Thema Lärmschutz bei der Kandidatenvorstellung 2018 und somit beim jetzigen Bürgermeister Philipp Hahn angesprochen hatte. Von ihm sei sie tief beeindruckt, weil es keine leere Floskel war, sondern er nach dem Amtsantritt sehr schnell einen Teil seines Versprechens umgesetzt hatte.

Nachtruhe um 4.30 Uhr beendet

Aber die Zeit der schlaflosen Nächte sei noch nicht vorüber: „Wir wachen leider immer noch morgens um 4.30 Uhr wegen dem Verkehr auf.

Ein Weiterschlafen ist nur nach dem Schließen des Fensters möglich“, betont sie und bedauert: „Schade, dass weitere Maßnahmen wie Tempolimit, Geschwindigkeitsüberwachung – das wäre nicht nur an der B 27 sinnvoll – und Lärmschutzwall für Hechingen nicht in Frage kommen.“

Landkreis gibt Tempo 120 vor

Schlimmer könnte es werden, wenn das Tempo wieder auf 120 Stundenkilometer angepasst wird, wie es für diesen Streckenabschnitt vorgesehen ist, was in die Obhut der Stadt Hechingen fällt. Nachdem vor mehreren Jahren das Landratsamt Zollernalbkreis durchgängig 120 Stundenkilometer vorschrieb, hat es dann Abweichungen gegeben.

Klage gegen Tempolimit

Ab April 2015 galt auf der gesamten B 27 bis Tübingen Tempo 120 – genau wie schon zwischen Tübingen und Stuttgart. Der Grund dafür waren unter anderem die vermehrten Verkehrsunfälle. Zuvor war die vierspurige Bundesstraße ohne Tempolimit befahrbar. Da ein Unternehmer aus Balingen-Frommern, der täglich über diese Verkehrsader zur Arbeit fuhr, Ende 2018 gegen die neue Geschwindigkeitsbegrenzung klagte und reüssierte, fiel die Zuständigkeit der Regulierung auf der Strecke den Kommunen zu, was seitdem unterschiedlich ausgelegt wird. So heißt es freie Fahrt für Verkehrsteilnehmer ab dem Streckenabschnitt von Hechingen-Nord bis Kreisgrenze bei der Ausfahrt Bodelshausen.

Griffigkeit wird gemessen

Das Regierungspräsidium Tübingen ist mit seiner Maßnahme nun auf der Zielgeraden. In der ersten Novemberhälfte wird eine sogenannte Griffigkeitsmessung vorgenommen. Sobald die Ergebnisse der Behörde vorliegen, entscheidet sie laut Präsidiumssprecher Abel darüber, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Stundenkilometern nun aufgehoben werden kann, weil der Belag perfekt funktioniert.

Dann wird sich zeigen, ob der Asphalt beim Reifenabrieb von 120 Stundenkilometern noch flüstern kann.

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Im Zuge des Lärmaktionsplans der Stadt Hechingen ermittelte ein beauftragtes Büro auf rechnerischem Wege, wie stark die Menschen in verschiedenen Bereichen der Stadt vom Lärm belastet werden. Das Verblüffende am Ergebnis war, dass die Emissionen für Anlieger auf der B 27 nicht so stark waren, wie für diejenigen, die zu Stoßzeiten am Bahnhofskreisel in der Innenstadt leben, so Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadt Hechingen.