Hechingen Flüchtling bewährt sich beim Glufamichel

Hechingen / Melanie Steitz 12.10.2018
Mbye Jahateh ist Azubi beim Glufamichel. Der junge Flüchtling möchte gern nach der Lehre im Betrieb bleiben.

Es sind 350 Maultaschen, die Mbye Jahateh im „Glufamichel“ für ein Tagesgericht am Mittwoch zubereitet. Und das kann er mittlerweile ganz allein. Jahateh, 24-jähriger Flüchtling, stammt aus der westafrikanischen Republik Gambien und befindet sich im zweiten Lehrjahr. Sein Wunsch? Nach der Lehre möchte er in der Hechinger Gaststätte weiterarbeiten.

„Er ist mittlerweile echte eine Hilfe“, lobt Ausbilder Walter Huber am Donnerstag beim Pressegespräch in der geräumigen Küche des Obergeschosses. Zuvor habe der „Glufamichel“ noch keinen Flüchtling beschäftigt. Doch mit Jahateh habe sich das geändert. Der 24-Jährige hat es echt verdient, findet Huber. „Er ist wirklich ein feiner Kerl“, lobt Ausbilder Huber.

Bei seiner Suche nach einem Arbeitgeber wurde Jahateh von Eberhard Fuchs, dem Kümmerer der Alice-Salomon-Schule Hechingen, unterstützt. Fuchs vermittelt den dortigen Flüchtlingen Praktika und Ausbildungen. Seine Stelle wird vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium im Rahmen des Projekts „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Flüchtlinge“ ermöglicht. Er ist selbst ein Mann aus der Arbeitswelt und weiß, wie er Firmen für seine Schützlinge erwärmen kann. 20 Jahre schaffte Fuchs als Qualitätsingenieur für Daimler. Insgesamt 21 geflüchtete Hechinger Azubis brachte Fuchs in Lohn und Brot. Allein heuer sind es schon zwölf Geflüchtete.

„Vielen Betrieben fällt es leichter, wenn es Ansprechpartner gibt“, hebt Leonie Schneider-Loye, stellvertretende Leiterin der Alice-Salomon-Schule, hervor.  Rektor Karl-Heinz Rauch erinnert sich an die Ursprünge des Kümmerer-Projekts. Infolge der Flüchtlingswelle habe die  Schule beschlossen, alle Neuankömmlinge zu unterrichten, wo es nur geht. Aber das, was ihnen die Arbeitswelt vermittelt, könne die Einrichtung allein nicht leisten. Firmen lehren den jungen Menschen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ausdauer und Pünktlichkeit, ergänzt Schneider-Loye.

Ziemlich schnell habe sich dann herausgestellt, dass Jahateh eine Affinität zum Unterricht in der Schulküche hat. Anja und Walter Huber gaben ihm 2016 die Chance durch ein Praktikum. Danach folgte der Start der dreijährigen Lehre. Ab kommendem Januar besucht Jahateh auch die Landesberufsschule für Hotel- und Gaststättenberufe in Tettnang bei Ravensburg.

Für den 24-Jährigen läuft es gut. Er fühlt sich wohl an seinem Arbeitsplatz und mag das Betriebsklima. „Herr Huber und seine Frau sind wie eine Familie“, bekräftigt Jahateh. Das Hechinger Ehepaar hat ihm auch bei der Wohnungssuche und dem Absolvieren des Führerscheins geholfen.

Jahateh lernt durch den Austausch mit Kollegen nicht nur Umgangsformen, sondern verbessert auch seine sprachlichen Fähigkeiten. „Ich finde immer ganz faszinierend, wenn jemand aus einem fremden Land, Maultaschen macht und es schmeckt wie bei der Mutter“, bemerkt Rauch. Und das trifft auch auf die 350 Maultaschen zu, die Jahateh zubereitet hat. Sie schmecken, wie von einem wahren Schwaben zubereitet.

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