Hechingen Fledermäuse: Die mit den Ohren sehen

Fledermaus zum Anfassen und Streicheln.
Fledermaus zum Anfassen und Streicheln. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 02.05.2018
Die Kinder der Hechinger Zollerschule lernten faszinierende Fledermäuse aus der Nähe kennen.

Fledermäuse kennengelernt haben die Zollerschüler auf eine sehr praktische Art. Die Tübinger Geografin, Lehrerin und Fledermausspezialistin Ilona Bausenwein brachte einige Exemplare der kleinen Säugetiere mit ins Klassenzimmer.

Angefangen hat es vor etwa 30 Jahren, als Ilona Bausenwein eine junge, vermeintlich leblose Fledermaus fand. Das war der Startschuss für eine Karriere als „Fledermausmutter“. Über 1000 der kleinen Säuger hat sie seither nach Unfällen und Verletzungen gesund gepflegt und in die Freiheit entlassen. Sie hat zu den hochsozialen Tieren, denen sie Namen gibt, eine durchaus innige Beziehung aufgebaut. Da gibt es „Madame Näschen“, „Turbo-Porsche-Motor Balu“ „Vampirette“ und „Flirty“. Sie selbst werde, so Ilona Bausenwein, als Mitfledermaus angesehen. Die Tiere, die sie in ihrer Wohnung beherbergt, sind durch dauerhafte Verletzung nicht mehr für die Natur geeignet. „Sie sind weder Haustiere noch Blutsauger, sondern Wildtiere, die in einer Nacht bis zu 200 Kilometer zurücklegen und zwischen 3000 und 6000 Stechmücken vertilgen.“ Was sie sonst noch weiß, teilt die Fledermausspezialistin in kurzweiliger und kindgerechter Weise mit: dass die Tiere 13 Herzen besitzen, kleine Fettdrüsen auf der Nase haben und sich täglich sechs bis acht Stunden putzen und pflegen; dass sie zwischen den Fingern eine Flughaut haben und nur schwarz-weiß sehen. Ihre Orientierung erfolgt durch für uns nicht hörbare Laute im Ultraschallbereich, die sie ausstoßen und deren Echo ihnen detaillierte Aussagen über die Objekte vor ihnen geben. Die großen Ohren der Tiere kommen also nicht von ungefähr.

Immer wieder holte Ilona Bausenwein einzelne Tiere aus ihren Transportbehältnissen, zeigte sie den Grundschülern, ließ sie sie anfassen und streicheln. Berührungsängste gab es fast keine. Die Kinder strahlten, wenn sie das weiche Fell fühlten und den rasenden Herzschlag am Ohr
spürten.

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