Etwa 700 Burladinger haben bereits per Briefwahl ihre Stimme abgegeben, von der Podiumsdiskussion der IHK Reutlingen mit den Bürgermeisterkandidaten versprachen sie sich wohl keine neuen Erkenntnisse mehr.

Burladinger Firmen- und Geschäftswelt dabei

Rund 40 geladene Gäste waren am Mittwoch zu der Veranstaltung in die Stadthalle gekommen. Die Geschäftsführer und Inhaber, die da im Corona-Abstand verteilt saßen, spiegelten einen Querschnitt der örtlichen Firmen- und Gewerbewelt wider: Spedition Barth, Schuhhaus Scheu, Autohaus Bruckelt, Rieber Transporte, Seilerei Schoser, Labexchange, Bauunternehmung Rupp – um ein paar der Namen zu nennen.

Bewerber Ohm und Raichle nicht anwesend

Nicht anwesend war Bürgermeisterkandidat Michael Ohm. Er sei aufgrund eines Bauprojektes in Bremen nicht abkömmlich, ließ er mit Bedauern ausrichten. Auch Horst Ernst Raichle, der bis jetzt keinen Wahlkampf betrieben hat und ebenso die Podiumsdiskussion der HZ schwänzte, fehlte.
Natürlich ging es der IHK um Wirtschaftsfragen, darum, was die Kandidaten tun würden, um Burladingen voran zu bringen? Digitalisierung war ein Thema, weiter sprach man über die Förderung bestehender und die Ansiedlung neuer Betriebe. Damit verbunden kreisten die Überlegungen um „weiche Standortfaktoren“: wie man Fachkräfte anlocken kann. Etwa mit günstigen Bauplätzen, mit gut ausgestatteten Kindergärten und einem florierenden Kulturleben.

Konkrete Namen und Projekte

Dem Calwer Liegenschaftsleiter und hauptamtlichen Ortsvorsteher Davide Licht merkte man an, dass er sich in vergangenen Wochen tief in das Leben der Stadt eingearbeitet hat, er nannte in seinen Antworten und Vorschlägen immer wieder konkrete Namen, Projekte und Beispiele wie etwa das „Stadtleitbild“, das vor langer Zeit versandete und das er neu beleben würde.
Axel Niedenthal blieb die eine oder andere Antwort schuldig. Er könne nicht antworten, weil er die wirtschaftlichen Zahlen bislang nicht kenne; er stehe da vor einem Vorhang, der sich erst noch lüften werde. „Ich bin noch nie Bürgermeister gewesen“, erklärte er.

Auf der Suche nach Fördermitteln

Konkreter wurde der Hausener bei der Frage nach der Gewerbesteuer. Eine Erhöhung sei da irgendwann womöglich nicht zu umgehen. Weiter war Niedenthal dafür, Fördermittel einzutreiben. Wo? Da müsse man sich erkundigen!
Wie schon bei der HZ-Präsentation erklärte er neuerlich, er würde seine beiden Unternehmen im Falle seiner Wahl weiter betreiben. Was die Heizungstechnik angehe, wolle er aber lediglich die Aufsicht führen, nur noch verschiedentlich auf Baustellen mitgehen. Bei der Feuerwerkerei müsse er allerdings schon der Vorschriften wegen dabei sein.
Die Bewerber Licht und Hellbach sprachen sich gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer aus. Was weiterhin die Förderung von Unternehmen angeht, meinte der Burladinger Hellbach, der selber ein Unternehmen im Sicherheitsbereich führt, die Verwaltung sei ganz gut aufgestellt, müsse aber künftig bei der Neuansiedlung von Gewerbe schneller entscheiden, wenn es um mögliche Hilfen geht.
Licht erklärte: „Wirtschaftsförderung ist Chefsache.“ Bei einem möglichen Amtsantritt im Burladinger Rathaus, werde er seine Türe für die Unternehmen öffnen. Und geöffnete bleibe sie dann auch. „Der Dienstleistungsgedanke muss wieder ins Rathaus einziehen.“ Er verstehe sich hier ebenso als Brückenbauer wie im Falle des zerrütteten Verhältnisses im Gemeinderat.

Schlussstrich unter die Vergangenheit

Darin pflichteten ihm die Mitbewerber bei. Hellbach meinte, man müsse einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre ziehen, Niedenthal war der Ansicht, es sei wichtig, den Dialog mit allen Gruppen zu suchen.
Auf das „braune“ Image der Stadt angesprochen, sagte Davide Licht, es sei nötig, wieder positiv in Erscheinung zu treten, Stadtfeste und ähnliche Veranstaltungen könnten  dabei helfen. Hellbach versprach pauschal: „Das schlechte Image wird sich ändern“ (wenn er Bürgermeister würde). Niedenthal zweifelte hingegen, ob das Ansehen so schlecht ist? Dank der Firma Trigema genieße die Stadt doch gar keinen so schlechten Ruf.
Nach anderthalb Stunden wussten auch die Zuhörer keine Fragen mehr zur Verkehrsanbindung, zur interkommunalen Zusammenarbeit oder zur Jugendarbeit. Jetzt haben die Wähler das Wort.

Das könnte auch interessieren

Burladingen

Infos und Zahlen zur Wahl am Sonntag


Wahllokale Die Bürgermeisterwahl findet am kommenden Sonntag statt. Bis auf Melchingen und Stetten wird in allen Ortsteilen in den Rathäusern gewählt. In diesen beiden Ortschaften finden sich die Wahlkabinen in den Foyers der Festhallen. In Burladingen-Kern gibt es vier Wahlbezirke: Die zugehörigen Wahllokale sind in der Stadthalle, im Bahnhofssaal, im Kindergarten Jahnstraße und im Jugendzentrum (Untergeschoss des Bauhofes) untergebracht. Welchem Bezirk sie angehören, entnehmen die Wähler der Wahlbenachrichtigung. Geöffnet sind die Lokale von 8 bis 18 Uhr

Wählerzahl Insgesamt sind 9998 Bürger der Gesamtstadt Burladingen wahlberechtigt.

Briefwähler 1300 der knapp 10 000 Wahlberechtigten haben Briefwahlunterlagen beantragt. Ordnungsamtsleiter Paulus schätzte, dass aktuell zwischen 600 und 700 Stimmzettel im Rathaus eingingen – die natürlich erst am Sonntag geöffnet werden.

Keine Wahlparty Das Burladinger Rathaus ist am Sonntag geöffnet. Sollte nach dem ersten Urnengang ein Sieger mit absoluter Stimmenmehrheit feststehen, findet allerdings wegen der Corona-Anstreckungsgefahr keine Wahlparty statt. Auch eine musikalische Huldigung der Stadtkapelle wird an dem Abend nicht erklingen.