Rangendingen Feuerwehr: Einsatz braucht Vielfalt

Der 18-jährige Usman Minhas stammt aus Pakistan. Seit vier Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr Rangendingen.
Der 18-jährige Usman Minhas stammt aus Pakistan. Seit vier Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr Rangendingen. © Foto: Andrea Spatzal
Rangendingen / Andrea Spatzal 15.02.2018
Seit vier Jahren ist Usman Minhas Mitglied der Rangendinger Feuerwehr. Integrationsprobleme hatte der 18-Jährige nicht.

Um die Mitgliederzahlen in den Freiwilligen Feuerwehren wieder auf solidere Beine zu stellen, hat der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) eine gezielte Werbekampagne für interkulturelle Öffnung ins Leben gerufen. Für die Zukunft des Brandschutzes sei es wichtig, die gesamte Bevölkerung mitzunehmen. „Wir können es uns nicht erlauben, Teile der Bevölkerung bei den Feuerwehren außen vor zu lassen“, stellt  DFV-Präsident Hartmut Ziebs fest.

„Einsatz braucht Vielfalt“, lautet der Slogan, der nicht nur für die vielfältige Lösung von Pro­blemen bei Bränden oder technischen Hilfeleistungen steht, sondern auch für die Vielfalt der Menschen, die in den Feuerwehren zum Einsatz kommen. Sie unterscheiden sich in vielen Merkmalen: Geschlecht, Alter, Ausbildung, Religion, kultureller Hintergrund, Familienstand – und machen mit der Gesamtheit ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse den qualifizierten Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren erst möglich.

Bei der Feuerwehr Rangendingen ist die interkulturelle Öffnung eine Selbstverständlichkeit. Usman Minhas ist der beste Beweis dafür. Der 18-Jährige stammt aus Pakistan. Seit  vier Jahren ist er Mitglied der Rangendinger Feuerwehr. „Man hat mich einfach angenommen“, sagt er über den Integrationsprozess, der eigentlich keiner war, denn Usman ist ganz selbstverständlich ein Teil der Mannschaft geworden. Inzwischen ist auch Usmans jüngerer Bruder, der 16-jährige Billal der Feuerwehr beigetreten. Die Eltern unterstützten die Feuerwehrbegeisterung der beiden Söhne, sagt Usman Minhas.

Ein Schulfreund habe ihn 2013 zu einem Besuch bei der Feuerwehr eingeladen, berichtet er. Er habe gleich Gefallen gefunden an den Übungen und an dem Wissen, das in der Ausbildung vermittelt wird, zum Beispiel über technische Knoten oder Erste Hilfe. „Das macht Spaß“, sagt der 18-Jährige, der inzwischen seine Grund- und Sprechfunkausbildung absolviert hat und bereits seit Juli 2017 im aktiven Dienst ist.

Einen größeren Einsatz als Feuerwehrmann hat Usman Minhas zwar noch nicht zu verbuchen, aber die Jahreshauptübung der Rangendinger Feuerwehr im November am alten Gasthaus „Löwen“ kurz bevor es abgerissen wurde, habe ihn sehr beeindruckt. Auch an das Zeltlager mit der Jugendfeuerwehr erinnert sich Usman heute noch gern. Ganz toll findet Usman, dass er in der Feuerwehr neue Freunde gefunden hat. Ausgrenzung habe er nie erfahren. „Hier wird niemand ausgegrenzt“, betont der Schüler. Auch könne man in der Truppe Problemen oder Fragen jederzeit offen ansprechen. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Usman.

Sehr viele Feuerwehrangehörige, die heute in Rangendingen ihren Dienst tun, kommen aus der Jugendfeuerwehr. Die Jugendfeuerwehr wurde 1987 ins Leben gerufen. Die Lernziele haben sich seitdem kaum verändert. So stehen nach wie vor der Löschangriff nach Dienstvorschrift auf dem Lehrplan, Aber auch Technische Hilfe und der Umgang mit Funkgeräten werden in einer Mischung aus Spiel, Ernst und Kameradschaft vermittelt. Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren werden in die Jugendfeuerwehr aufgenommen. In einer Übergangszeit werden die 17- bis 18-Jährigen dann in die aktive Feuerwehr integriert.

Die Feuerwehr hat viele Gesichter

Die Werbeaktion der Feuerwehr Rangendingen wird von der HZ mit einer Artikelserie begleitet, in der vier aktive Feuerwehrmitglieder mit ganz unterschiedlichen Biografien vorgestellt werden: Matthias Wiest (34), Hanna Gnant (26), Felix Fäller (19) und Usman Minhas (18). Sie schildern ihren Werdegang und ihren Blick auf die Feuerwehr. In einem weiteren Teil der Serie erklären Kommandant Armin Hipp und Vize-Kommandant Siegfried Grupp von der Feuerwehrabteilung Höfendorf mit Löschgruppe Bietenhausen Details zum Infotag am 17. Februar und zur Ausbildung.