Hechingen Feuerwehr rettet Mauersegler vorm Erdrosseln

Hechingen / Hardy Kromer 08.08.2018
Ein Mauersegler hatte sich im Dachgebälk eines Hauses in der Frauengartenstraße verheddert. Die Feuerwehr rettete ihn.

Eigentlich wollte sich Michael („Bini“) Binanzer am Samstagabend den Kassenschlager „Mamma mia“ im Open-Air-Kino ansehen. Er wäre gewiss nicht der Einzige gewesen. Halb Hechingen schaute beim Film mit den Abba-Hits zu. Doch um zehn vor neun, als er gerade dabei war, sich für die Schwimmbadwiese fesch zu machen, wurde der Mann, der die Drehleiter der Hechinger Feuerwehr chauffiert, von der Leitstelle alarmiert und zu einer Tierrettung gerufen: An einem Haus in der Frauengartenstraße, so hieß es, hänge ein Vogel an der Dachrinne fest. Die Hausbewohner hatten das verzweifelt flatternde kleine Ding bemerkt und die allseits bereite Feuerwehr zu Hilfe gerufen.

Stadtbrandmeister Maik Bulach schaute sich das Problem aus der Nähe an und beorderte dann Zugführer Martin Kreller und Michael Binanzer mit der Drehleiter in die Oberstadt.

Vom Korb der Drehleiter aus tasteten sich die Wehrleute an das flatternde Etwas heran. Nachdem sie einen Dachziegel entfernt hatten, entdeckten sie im Dachgebälk das kleine Vögelchen: ein Mauersegler in einer höchst dramatischen Lage. Er hatte sich mit einer 40 bis 50 Zentimeter langen Schnur, die um das Dachgebälk und um seinen Hals ging, fast erdrosselt. Mit größter Sorgfalt und mit viel Fingerspitzengefühl machten sich Maik Bulach und Martin Kreller ans Werk und befreiten das Vögelchen aus seiner misslichen Lage.

Und als sie den Mauersegler in ihren Händen hielten, stellten sie fest, dass der Vogel von seiner Anstrengungen so erschöpft war, dass es unmöglich war, ihn sofort in die Freiheit zu entlassen. „Man hat gleich gesehen, dass der nicht mehr fliegen kann“, erzählt Michael Binanzer. Zurück am Boden, leisteten die Floriansjünger Erste Hilfe: Aus einer Tasse gaben sie dem Mauersegler Wasser. Das tat gut. „Er hat richtig schön getrunken“, erzählt Binanzer. Den starken Feuerwehrmännern wurde richtig warm ums Herz.

Aber was tun mit dem geretteten Schützling? Ihn am Samstagabend mit ins Open-Air-Kino nehmen? Nein, das kam nicht in Frage. So ein Musikfilm ist ja viel zu laut. Ein Anruf bei der Leitstelle brachte die Lösung. Die Kollegen in Balingen sagten dem Tiernotdienst Bescheid. Und der schickte seine Helfer zu Maik Bulach nach Hause, wo sich schon ein Vogelkäfig gefunden hatte. Die Tiernotretter nahmen den Piepmatz mit und versprachen, den gefiederten Patienten weiter zu versorgen.

„Mamma mia“, mögen die Feuerwehrleute und die Hausbewohner geseufzt haben. Ende gut, alles gut. Nur das Open-Air-Kino musste ohne die Vogelretter über die Bühne gehen.

Der Mauersegler hält sich fast nur in der Luft auf

Der Mauersegler (Apus apus) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler. Er ähnelt den Schwalben, ist aber mit diesen nicht näher verwandt. Der Mauersegler ist ein Langstreckenzieher. Er hält sich hauptsächlich von Anfang Mai bis Anfang August zur Brutzeit in Mitteleuropa auf.

Seine Winterquartiere liegen in Afrika, vor allem südlich des Äquators. Mauersegler sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Außerhalb der Brutzeit halten sie sich für etwa zehn Monate nahezu ohne Unterbrechung in der Luft auf.

Im Hochsommer sind die geselligen Vögel im Luftraum mit ihren schrillen Rufen sehr auffällig. Bei ihren Flugmanövern können sie im Sturzflug Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h erreichen (Quelle: Wikipedia).

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