Frank Brecht gab dem Bürgermeister einen Korb, und auch Michael Binanzer hat abgesagt: Keiner der Männer, die die Hechinger Feuerwehr seit dem Rücktritt Maik Bulachs im Oktober 2019 kommissarisch führen, hat sich bereit erklärt, den Kommandanten der Gesamt­stadt-Feuerwehr zu machen. Die Gründe leuchteten Rathauschef Philipp Hahn ein: Kein Mann und keine Frau mit einem normalen Beruf kann diese Funktion, die immer mehr Zeitaufwand und immer höhere Qualifikationen erfordert, im Ehrenamt ausfüllen. „Ich konnte diese Begründung sehr gut nachvollziehen“, sagte Hahn am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates. Außerdem sei zu bedenken, dass der Gesamtkommandant einer Feuerwehr von der Größenordnung der Hechinger bestimmte formale Voraussetzungen erfüllen müsse. In der Mannschaft gebe es aber niemanden, der die Voraussetzungen für den gehobenen technischen Feuerwehrdienst mitbringe.

Im Frühjahr 2022 wird die Stelle ausgeschrieben

Deshalb schmiedeten der Feuerwehrausschuss und die Stadtverwaltung gemeinsam den Plan, im kommenden Jahr einen hauptamtlichen Feuerwehrkommandanten einzustellen. Im Frühjahr 2022 soll die Stelle ausgeschrieben werden. Bis der oder die Neue von außen gefunden ist, bleiben Brecht (für die Gesamtwehr) und Binanzer (für die Abteilung Stadt) noch interimistisch in der Verantwortung.
So ist es vereinbart, und so finden es auch die Stadträte aller Fraktionen richtig. „Die Freien Wähler werden diesem Weg nicht im Wege stehen“, sagte Fraktionssprecher Werner Beck und verwies zur Begründung auf die gestiegene Aufgabenfülle. Den Prozess (der Professionalisierung) habe man ja bereits mit hauptamtlichen Gerätewarten und einer ebensolchen Verwaltungskraft angestoßen. Beck sprach von einem „wohl oder übel notwendigen Schritt für eine Feuerwehr dieser Größe“. Er sehe auch Synergieeffekte, so Beck. Denn der neue hauptamtliche Kommandant soll auch Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz übernehmen, die die Stadt bisher an externe Dienstleister vergeben musste.

„Glückauf für Haupt- und Ehrenamt!“

Werner Beck war es jedoch ein Anliegen, im selben Atemzug der ehrenamtlichen Führungsstruktur „alles Gute“ zu wünschen. Was er damit meinte: „Es muss der Feuerwehr klar sein, dass man den Hauptamtlichen nicht einfach abwählen kann.“ „Glückauf für Haupt- und Ehrenamt!“ schloss Beck.
„Auch wir begrüßen’s“, sagte Jürgen Fischer für die SPD-Fraktion. Er erinnerte daran, dass es bereits bei den letzten Kommandanten nur funktioniert habe, „weil ihre berufliche Situation so war, dass sie das Ehrenamt quasi hauptamtlich ausübten“. Insofern sei es „ein konsequenter Schritt“, jetzt aufs Hauptamt zu setzen.
Hannes Reis vertat für die Bunte Liste dieselbe Meinung: „Die Aufgabenfülle spricht für das Hauptamt.“ Lorenz Welte (CDU) nannte die Entscheidung „alternativlos“, und auch Kai Rosenstock (AfD) meinte: „Es ist Zeit für einen Hauptamtlichen.“ So fiel die Abstimmung denn einstimmig aus.

Neuer Rüstwagen steht schon in der Garage


An der Ausstattung der Feuerwehr spart die Stadt ebenfalls nicht. Der neue Rüstwagen RW 2 stehe schon in der Garage und werde ab Mai eingesetzt, sagte Bürgermeister Hahn. Das neue Auto sei „erste Sahne“. hy