Region Feuer, Dampf und Nebel

Region / MATTHIAS BADURA 02.04.2013
Mancher kann damit nichts anfangen - in einem ruckelnden Zugabteil sitzen, das Holpern zu spüren, Ruß und Dampf der Lokomotive zu riechen. Unbequem! Liebhaber hingegen nehmen dafür weite Wege in Kauf.

Teilweise sogar sehr weite! Aus allen Teilen des Landes strömten am Wochenende Dampflokfans, um das 40-jährige Bestehen der Eisenbahnfreunde Zollernbahn mitzufeiern - nein, nicht bei einem Festakt in einem Zelt oder dergleichen. Sondern als Reisende in einem der Dampflok gezogenen Waggons, die kreuz und quer über die Alb ratterten, von Eyach über Hechingen und Gammertingen bis Sigmaringen.

Einige Besucher kamen noch von viel weiter her: Aus Holland und aus Spanien. Im Gammertinger "Hotel Kreuz" hörte man, es seien dieser Tage 27 Gäste aus ganz Europa abgestiegen, nur und ausschließlich wegen des Jubiläums. Ein Interview mit diesen Schlachtenbummlern wäre natürlich spannend gewesen. Aber selbstverständlich war das weder am Ostersonntag noch am Montag möglich, denn da befanden sich die Lok-Touristen auf der Strecke, hatten Wichtigeres zu tun, als sich Fragen von Journalisten zu stellen.

Aber hörte man es da in einem der Abteile, auf der Strecke zwischen Gauselfingen und Neufra nicht holländisch reden? Tatsächlich, da saßen vier der Gesuchten. So ein Zufall! Aus Rotterdam kämen sie, sagten die vier älteren Herren. Sie wollten sich eine solche Gelegenheit zum Bahnfahren nicht entgehen lassen. Wie sie von dem Termin erfahren hätten? Kunststück im Zeitalter der elektronischen Verkehrswege - per Internet natürlich.

Da aber trennten sich die Wege auch schon wieder, weil das Quartett einen Zwischenstopp einlegen und man selber aber noch weiter wollte. Unterhaltung beendet. So ist das eben auf dem Schienenstrang.

Doch war es nicht unbedingt notwendig, weit gereiste Menschen zu befragen - so sehr ihre Anwesenheit der Veranstaltung auch zur Ehre gereichte. Im Grunde konnte es jeder erklären, der am Wochenende bei dem Jubiläum dabei war: So ein Dampfross ist einfach etwas tolles. Es verkörpert den Glaube an die Leistungskraft menschlicher Ingenieurskunst, es atmet aber auch den Geist der guten alten Zeit.

Schade freilich, dass es am Ostersonntag dermaßen kalt, trüb und grau war. Das dürfte das Fest viele Besucher gekostet haben. Aber weil es einfach ungerecht gewesen wäre, die Mühe der Eisenbahnfreunde so schlecht zu belohnen, zeigte sich dann am Ostermontag die Sonne. (Mühe ist keineswegs untertrieben, denn die insgesamt fünf historischen Loks auf die Strecke zu bringen und unter Dampf zu halten, stellt einen enormen Aufwand und eine irre Logistik dar - schon allein deshalb, weil der reguläre Schienenverkehr nebenher weiter laufen muss.)

Hinzu kamen weitere Aufgaben, die ebenfalls erfüllt sein wollten: Am Bahnhof in Gammertingen, wo die Eisenbahnfreunde anzutreffen waren, mussten Rote Würste gebraten, Kuchenstücke verkauft und Biere ausgeschenkt werden. Insgesamt 25 Helferinnen und Helfer habe man im Einsatz gehabt, sagte Klaus Bogenschütz, der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde. Ohne die Hilfe der Stadt Gammertingen und der Hohenzollerischen Landesbahn, das war ihm wichtig zu betonen, hätte man sich allerdings schwer getan. Und damit war Bogenschütz auch schon wieder fort, wurde von seinen Leuten weg gerufen. Dringende Angelegenheiten. Ein Problem im Stellwerk? Eine Lok, die nicht mehr genug Wasser im Kessel hatte? Irgend etwas dergleichen - aber nichts, was die Eisenbahnfreunde nicht im wahrsten Sinne des Wortes wieder "aufs Gleis" gebracht hätten.

Für die Kenner und Profis, die jeden Typ und jede Baureihe und jede PS-Zahl herbeten können, war es ein unvergleichliches Erlebnis. Doch auch den anderen, die sich nicht so gut auskennen, die im ruckelnden Abteil saßen und einfach nur das Stampfen der Maschine spürten, ohne so genau zu wissen, wie diese Maschine heißt, wird das Jubiläumswochenende unvergesslich bleiben.

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