Hechingen Fein gezeichnete Stimmungsbilder in der Villa

Jamina Gerl überzeugte in der Villa Eugenia.
Jamina Gerl überzeugte in der Villa Eugenia. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 29.05.2018
Jamina Gerl begeisterte das Hechinger Publikum mit einem Klavier-Recital in der Villa Eugenia.

Musik am Fürstenhof: Unter diesem verheißungsvollen Titel spannte die sympathische, junge Pianistin Jamina Gerl aus der Beethoven-Stadt Bonn in der Villa Eugenia einen äußerst kostbaren, stimmig wirkenden Bogen von der Spätromantik bis zum Impressionismus. Das anspruchsvolle und wohl gelungene Klavier-Recital, das sie aufführte, zeichnete musikalische Stimmungsbilder vorwiegend französischer Komponisten.

Als Reverenz an die historische Stätte ihres Konzerts eröffnete die Künstlerin mit „Waldesrauschen“ aus der Feder von Franz Liszt (1811–1886) ihren Vortrag. Liszt, der mit dem Fürstenhaus Hohenzollern-Hechingen künstlerisch und freundschaftlich verbunden war, erweist sich hier nicht als tastendonnernder Salonlöwe, sondern als sensibler Klangpoet. Und so gestaltete die Pianistin das Waldesrauschen nicht als mächtiges Tosen, sondern als stimmungsvolles, exquisites Flirren – bis hin zu einem wirbelnden Brausen. In dem leger hingetupften, zauberisch bildhaften Charakterstück dominierten die duftigen Zwischentöne, die in kultiviertem Piano mit wohldosiertem Pedaleinsatz zum Klingen kamen.

Das fehlende Programm einer Naturschilderung ersetzte die Pianistin in Franz Liszts rhapsodisch-düsterer, in Töne gefasster Erzählung „Ballade Nr. 2“ in h-Moll mit wechselvollen Seelenbildern und einer kraftvoll-klaren, monumentalen Wiedergabe. So steigerte sich das Stück von einem brütenden Anfang hin zu einem rasenden Aufbäumen, das abrupt in eine lyrische Passage mündete. Wie glitzernde Tautropfen perlten hier die hohen Oktaven über einen verhangen klingenden tiefen Satz. Doch auch dieser Friede währte nicht ewig, sondern wurde von ruhelosen Akkordläufen abgelöst, die das Stück immer weiter vorwärts trieben. Mit stupender technischer Bravour spielte Jamina Gerl in Maurice Ravels (1875–1937) „Jeux d‘eau“ (Wasserspiele) ihre immense Klangfarbenpalette subtilissimo aus und veredelte das brillant glitzernde Werk mit leuchtenden Akzenten, indem sie mit Hilfe sanft kreisender Akkordbrechungen in der linken Hand eine leicht gekräuselte Wellenfläche zauberte.

Im Gegensatz zu Gabriel Fauré (1845–1924), dessen zauberhafte „Nocturne“ op. 33/1 die Pianistin atmosphärisch dicht, technisch ausgereift und klanglich facettenreich musizierte, stand das lichte, schillernde Klangbild des französischen Jahrhundertwende-Komponisten Claude Debussy (1862–1918) im Zeichen des musikalischen Impressionismus. In „L’Isle Joyeuse“ (Insel der Freude) fasste Jamina Gerl alle wesentlichen Elemente Debussyscher Musiksprache zusammen: den für ihn so typischen geschmeidigen Rhythmus und ganz besonders die schillernde Harmonik, die sich nicht nach gängigen Mustern richtet. Und genauso schillernd wie Debussys Harmonik war Gerls Spiel. Die Ausdruckspalette ihres Musizierens schien keine Grenzen zu haben, alles vollkommen durchhörbar, perfekt austariert, auf Anhieb fassbar: ein fesselndes Spiel mit Klangfarben.

Mit Frédéric Chopins (1810–1849) „Nocturne in c-Moll op. 48/1“, einer Reflektion in tönend bewegter Form, schlug die Pianistin dramatische Töne an.

Die abschließende faszinierende Klangstudie „Album für Klavier“ op 72 von Camille Saint-Saëns (1835–1921), eine pianistisch und gedächtnistechnisch enorme Herausforderung, meisterte Jamina Gerl mit ihrer geschliffenen Technik ohne die geringste Unsicherheit. Die Pianistin ließ sich Zeit für die lyrischen Segmente, zeigte aber etwa in den rhapsodischen Einwürfen durchaus Verve und Kraft.

Fazit: Wunderbare Musik, ein Genuss für die zahlreichen Konzertbesucher, die die Künstlerin erst nach einer Zugabe von der Bühne ließen. Veranstalter des Konzertabends war der Förderverein Villa Eugenia.

Das Wandern ist der Pianistin Lust

„Wanderer“ heißt Janina Germs bei Tyxart erschienene, von der Kritik sehr gelobte Debüt-CD mit Werken von Mendelssohn, Liszt, Schostakowitsch, Chabrier, Debussy und Schubert.

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